Autor: Sana Brauner am 24. Sep 2010 |
Gehirnforscher beschreiben Entspannung als aktiven Zustand
Eine kleine Insel, ein Liegesessel unter einer Palme und der Blick in die grenzenlose Weite des Ozeans. Ein Buch in der Hand, doch kein innerer Drang zu lesen. Einfach nur verweilen und in die Ferne schauen. Jahr für Jahr habe ich diese Augenblicke auf den Malediven genossen. Diese Augenblicke wurden oft zu Stunden. Und in diesen Stunden des Nichtstun entstanden Konzepte, die alle Details von der Idee bis zur Umsetzung beinhalteten.
Natur: Beste Voraussetzung für Entspannung und Selbstreflexion
Orte, an denen sich Menschen ruhig und ausgeglichen fühlen, fördern die Selbstreflexion, regen die Vorstellungskraft an und bringen Erholung. Was Psychologen lange wissen, bestätigen nun auch deutsche und britische Gehirnforscher.
Meeresblick macht nachdenklich
Innere Ruhe entsteht durch das Zusammenwirken verschiedener Sinneseindrücke. Die Forscher konzentrierten sich auf den Sehsinn und versetzten ihre Probanden in zwei Situationen, die trotz gleicher Geräuschkulisse unterschiedlich auf die Psyche wirken: Ein Meeresstrand mit ständigem Rauschen von sich brechenden Wellen, sowie eine Autobahn mit dröhnendem Verkehrslärm. Während die Versuchspersonen abwechselnd Bilder dieser Szenen sahen und dabei stets das gleiche Geräusch vorgespielt bekamen, scannten die Forscher ihre Gehirne.
Beim Anblick der Strandbilder traten die Gehirnregionen, die akustische Signale verarbeiten, viel stärker mit anderen Regionen in Austausch als bei der Autobahn. "Betroffen waren der mediale Stirnlappen und der hintere singuläre Kortex. In diesen Regionen vermutet man die soziale und selbst-referenzielle Verarbeitung", berichtet Studienautor Simon Eickhoff vom Forschungszentrum Jülich. Zudem sind diese Regionen dann aktiv, wenn der Mensch sich auf sich selbst konzentrieren kann und gerade eben nicht die Aufmerksamkeit auf äußere Dinge richtet.
Gehirn schläft bei innerer Ruhe nicht
"Es verblüfft, dass Ruhe somit ein aktiver Zustand ist und nicht nur das Fehlen von Stressoren bedeutet", betont der Forscher. Subjektive Wahrnehmung lässt sich nicht messen, so eine weitere Erkenntnis. "Wir erleben nicht nur das, was auf unsere Sinnesorgane trifft, sondern auch was unser Gehirn daraus macht." Eine Umgebung kann demnach lauter sein als vorgesehen und trotzdem als angenehm empfunden werden, sofern sie entsprechend gestaltet wird. "Ein Extrembeispiel dafür ist ein lautes Konzert im Vergleich zum leiseren, jedoch als störender empfundenen Lärm eines vorbeifahrenden Zuges", so Eickhoff.
Großzügiger dank Zimmerpflanzen
Den Geisteszustand, den die Forscher mit dem Begriff "Tranquility" beschreiben, ist unter Psychologen gut bekannt. Umweltpsychologen loben an ihm die "ungerichtete Aufmerksamkeit", die er ermöglicht. So konnte kürzlich in Versuchen gezeigt werden, dass eine Naturumgebung - Zimmerpflanzen reichen hier bereits - bei manchen Menschen das Gemeinschaftsdenken und die Großzügigkeit steigert. Die dafür nötige Naturliebe ist allerdings nicht jedem mitgegeben.
Quelle: pressetext austria
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