Autor: Sana Brauner am 30. Sep 2011 Schon das Aroma frischen Kaffees zieht viele Menschen magisch an. Und die Art des Genießens spiegelt nicht nur den gesellschaftlichen Wandel wider, sondern steht auch für das persönliche Lebensmotto.
Kaffee gibt es in vielen Variationen: Café au lait, Mokka oder Americano, gefiltert, gekocht oder per Dampfdruck ausgepresst - so individuell wie die Menschen |
Viele Völker haben eine eigene Kultur rund um das pechschwarze Getränk entwickelt. Längst ist Kaffee trinken Kult, die Art des Genießens eine Philosophie: Modern gestaltete Coffee Shops verkörpern ein junges, dynamisches Image, und zu Hause zaubern elegante Vollautomaten italienisches Kaffeeflair. „Früher war Kaffee ein kostbares Produkt. Nur zu besonderen Anlässen kam der ,gute Kaffee’ auf die Tafel.
Kaffee belebt die Sinne und duftet nach entspannten Nachmittagen. Laut amerikanischen Psychologen fördert eine heiße Tasse sogar das „positive Miteinander“: Menschen mit einem warmen Getränk reagieren warmherziger, als solche, die einen Eiskaffee in der Hand halten. „Dabei galt Kaffeegenuss noch vor einigen Jahren als langweilig“, sagt Professor Dr. Alfred Gebert, emeritierter Psychologe an der Fachhochschule des Bundes
Wie der Kaffee so sein Trinker
Café au lait, Mokka oder Americano, gefiltert, gekocht oder per Dampfdruck ausgepresst – ein Getränk so individuell wie die Menschen
Und wie der Kaffee so sein Genießer, meint der Psychologieprofessor.
Die Kaffee-Vorlieben verraten ein Stück weit die Wesenszüge des Trinkers: Wer seinen Kaffee am liebsten schwarz trinkt, ist dynamisch und erfolgsorientiert. Hinter dem „Mit-Milch-und- Zucker-Trinker“ verbirgt sich ein eher sensibler und feinfühliger Charakter. Aber auch was der Gegenüber mit seinem Löffelschaum auf Cappuccino oder Latte Macchiato anstellt, deutet laut Gebert auf bestimmte Eigenschaften: Die „Schaumspieler“ beispielsweise bauen damit Berge am Tassenrand. Sie sind unbekümmerte, einfallsreiche und fröhliche Zeitgenossen.
Den meisten Kaffee weltweit trinken die Skandinavier: Allein jeder Finne konsumierte etwa zwölf Kilogramm des beliebten Muntermachers in 2009, schätzt die International Coffee Organisation. Zum Vergleich: In Frankreich waren es lediglich 5,4 Kilogramm pro Person.
Qualität im Kaffee-Anbau
Die Früchte des Kaffeestrauchs reisen als wichtige Handelsware rund um den Globus und belegen nach Erdöl den zweiten Platz unter den weltweit gehandelten Rohstoffen. Vor allem der Trend zu höherer Qualität hat sich laut Kaffeeexperten in den letzten zehn Jahren weltweit durchgesetzt. Zwar sind nur zwei Arten des Kaffeestrauches von wirtschaftlicher Bedeutung – Coffea arabica oder kurz Arabica und Coffea canephora, auch Robusta genannt – dennoch resultiert daraus eine große Vielfalt: Nicht nur das jeweilige Anbaugebiet hat seine typische Note. Auch ob die Pflanze am Nord- oder
Südhang wächst und klimatische Bedingungen beeinflussen den Geschmack. Selbst der Kaffee-Exportweltmeister Brasilien muss umdenken: „Für die Zukunft des brasilianischen Kaffee-Anbaus wird die Qualitätssteigerung ein wesentlicher Faktor sein“, erklärt Gerhard Bohne, Pflanzenschutz-Experte und Kaffeespezialist von Bayer CropScience in Brasilien.
Ein wichtiges Qualitätskriterium. Aroma, Säure und Abgang
„Wie die Trauben einzelner Weinanbaugebiete schwanken auch die Kaffeebohnen
hinsichtlich ihres Geschmacks“, sagt Volker Meyer-Lücke, zuständig für den Rohkaffee- Einkauf bei Dallmayr. „Was man beim Wein ‚Verschneiden’ nennt, ist beim Kaffee das Sortieren der Bohnen nach Farbe und Tassenprofil. Es entscheidet über den charakteristischen Geschmack. Eine Kaffeeverkostung gleicht einer Weinprobe; auch hier spielen Aroma, Säure und Abgang eine große Rolle.“
Der Irrtum vom Flüssigkeitsräuber
Jedes Jahr erscheinen zwischen 1.500 und 2.000 neue, wissenschaftliche Studien, die sich mit den Auswirkungen von Kaffee auf die Gesundheit beschäftigen. Kaffee enthält nicht nur mehr als 800 Aromastoffe, sondern auch Öle und Fruchtsäuren. Diese beeinflussen den Geschmack und regen die Verdauung an. Sie zählen als sekundäre Pflanzenstoffe zu den Antioxidantien: Das sind Substanzen, die aggressive Stoffwechselprodukte – wie sie bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen – unschädlich machen. Mittlerweile ist auch ein weit verbreiteter Irrtum widerlegt, nachdem Kaffeetrinken dem Körper Flüssigkeit entziehen würde. Neue Erkenntnisse belegen, dass Kaffee sich nicht negativ auf den Flüssigkeitshaushalt auswirkt – wenn es täglich nicht mehr als vier Tassen sind.
Der wohl bekannteste Inhaltsstoff des Kaffees ist das Coffein. Es gilt unter anderem als Wachmacher, hebt die Stimmung und steigert die Konzentrationsfähigkeit.
WUSSTEN SIE SCHON, DASS …
… die Kaffeebohne durch das Rösten ihre Farbe von grüngelb zu braun wechselt?
Dabei wird sie größer, verliert aber auch an Gewicht.
… Kaffee aus über 1.500 chemischen Stoffen besteht?
Davon sind rund 850 flüchtig und 700 löslich.
… Feuchtigkeit und Sauerstoff die größten Feinde des Geschmacks sind?
Deshalb ist der Kühlschrank der beste Aufbewahrungsort für gut verschlossene Dosen mit Kaffeepulver.
… der indonesische Kopi Luwak als seltenste und teuerste Kaffeesorte der Welt gilt?
Für den Luwak, eine asiatische Schleichkatze, ist die Kaffeefrucht ein Leckerbissen. Sie kann aber nur das Fruchtfleisch verdauen, die Bohnen werden im Darm fermentiert und intakt wieder ausgeschieden. Dann werden sie eingesammelt, gewaschen und geröstet. Das Resultat: ein besonders aromatischer und milder Kaffee.
Linkliste zum Thema Kaffee:
Die Webseite der International Coffee Organisation (ICO) bietet Informationen und
Statistiken rund um den Kaffee. www.ico.org
Über die Wirkungen von Kaffee informiert die an das ICO angegliedert Webseite
www.positivelycoffee.org
Auf den Seiten des Deutschen Kaffeeverbands e.V. finden sich Fakten, Geschichten und
News. www.kaffeeverband.de
Das Deutsche Grüne Kreuz fasst wissenschaftliche Studien zu gesundheitlichen
Wirkungen von Kaffee zusammen. www.kaffee-wirkungen.de
Interessantes zum Kaffee bietet der Österreichische Kaffee- und Teeverband www.kaffeeverband.at
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