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Wenn die Hände einschlafen

Dr. Thomas Schwingenschlögl Autor: Thomas Schwingenschlögl am 19. Jun 2008
Wir alle haben es schon erlebt: wir wachen in der Nacht auf und die Hände sind eingeschlafen und taub. Das ist sehr unangenehm und tut oft auch weh. Meist sind wir halt nur schlecht auf dem Arm gelegen. Durch Bewegen und Schütteln der Hand kommt das Gefühl rasch wieder. Alles ist vorbei.
Doch bei vielen Menschen treten solche Beschwerden häufig auf, auch tagsüber, und vergehen leider nicht mehr. Dann sind vermutlich Nerven beleidigt, und das muß schnell behandelt werden. Denn Schmerzen, die durch eine Schädigung von Nerven hervorgerufen werden, sind besonders qualvoll.

Schnelle Behandlung notwendig

Nerveneinengung

Das Karpaltunnelsyndrom (=KTS) ist ein typisches Nervenkompressionssyndrom. Frauen sind etwa dreimal häufiger als Männer davon betroffen. Beim KTS wird der Nervus Medianus im Bereich der Handwurzel eingeengt, was Beschwerden verursacht. Unter dem Karpaltunnel kann man sich eine tunnelförmige Röhre vorstellen, in der Nerven, Sehnen und Blutgefäße vom Unterarm zur Hand laufen. Wird dieser Kanal durch Verletzungen, Entzündungen, Infektionen oder durch laufende Überbelastung geschädigt und verengt, kommt es zu den typischen Symptomen. Die Hände oder einzelne Finger schlafen ein. Am Stärksten spürt man das Einschlafen im Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Wird gleichzeitig auch ein zweiter im Karpaltunnel laufender Nerv, der Nervus Ulnaris eingeengt, dann finden sich die Gefühlstörungen und Schmerzen vor allem im Ringfinger und im kleinen Finger.
 
Zusätzlich stellen sich ein Gefühl des „Ameisenlaufens“ und ein Kribbeln ein. Schmerzen treten zuerst vorwiegend nachts und bei Belastung auf und strahlen auch in den Unterarm aus. Später kommt es zu einem sichtbaren Muskelschwund im Bereich des Daumenballens, zu Störungen der Feinmotorik und einer Schwäche in der Hand. Feine genaue Arbeiten und ein festes Zupacken und Greifen sind nicht mehr möglich. Die Schmerzen dauern dann oft den ganzen Tag an.

Diagnostik

Der erfahrene Arzt kann meist schon anhand der klassischen Beschwerden die Diagnose stellen. Eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit bestätigt den Verdacht.

Das Karpaltunnelsyndrom kann isoliert ohne erkennbare Ursache auftreten. Doch sehr häufig wird das KTS durch Entzündungen in den Handgelenken wie der chronischen Polyarthritis oder der Psoriasisarthritis ausgelöst. Auch Weichteilrheumatismus wie die Fibromyalgie oder Sehnenscheidenentzündungen führen gerne zu einem KTS. Stoffwechselerkrankungen wie Gicht, Diabetes, eine Unterfunktion der Schilddrüse, Vitamin B-Mangel, Schwangerschaft und ständige Überlastung des Handgelenks beim Benützen von Gehstöcken sind weitere Verursacher des KTS.

Ähnliche Schmerzen und Gefühlsstörungen wie bei KTS können durch Erkrankungen der Halswirbelsäule, durch Schädigungen des Rückenmarks (Verletzungen, Multiple Sklerose, Tumore) oder der Rückenmarksnerven (vor allem Nervenwurzel C6) hervorgerufen werden. Aber selbst bei starken Muskelverspannungen im Nackenbereich berichten die Betroffenen oft über eingeschlafene Hände. Auch eine starke Abnützung des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) löst Beschwerden wie beim KTS aus.

So wird behandelt

Bei leichten Beschwerden sollte anfänglich immer konservativ behandelt werden. Nächtliche Schienen für das Handgelenk und spezielle Stützverbände beim Arbeiten sollen den Karpaltunnel entlasten.
Physikalische Therapien wie Elektrobehandlungen, Zellbäder und Ultraschall für das Handgelenk helfen genauso wie heilgymnastische Übungen.

Bewährt haben sich lokale Injektionen von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten direkt in den Karpaltunnel. Diese Infiltrationen werden mit einer ganz dünnen Nadel vorsichtig durchgeführt und führen oft zu einer raschen Besserung. Zusätzlich hilft die Verabreichung hochdosierter Vitamine (vor allem Vitamin B-Komplex) und Antirheumatika, welche als Kurzinfusion gegeben werden.

Wird das KTS durch andere Erkrankungen wie eine Gelenksentzündung oder Sehnenüberlastung ausgelöst, muß natürlich auch die Grunderkrankung mit geeigneten Maßnahmen gehandelt werden.

Operation möglich

Stellt sich mit allen konservativen Behandlungen kein ausreichender Erfolg ein, kann die Engstelle im Karpaltunnel, die auf den Nerven drückt, operativ gelöst werden. Je schlechter das Ergebnis bei der Nervenleitgeschwindigkeit, desto rascher sollte man sich zu einer Operation entschließen.

Wenn Sie also einige Wochen an eingeschlafenen Händen, einem Kribbeln oder Schmerzen in den Fingern leiden, sollten Sie einen Spezialisten aufsuchen. Denn vor allem durch eine rechtzeitige Behandlung kann man die Beschwerden wieder zum Verschwinden bringen.

Dr. Thomas Schwingenschlögl
Tel: +43/ (0) 2236 / 86 59 10


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