Autor: Franz Hörmann am 03. Sep 2011 Die Finanzkrise ist keine Krise überschuldeter Staaten. Diese Krise begann im Bankensystem, noch konkreter im Geldsystem. Dieses ist wertlos und auch ein "Geldkreislauf" ist bloße Illusion. Auch Politiker können nämlich das stete Anwachsen von Schulden nicht verhindern, wenn schon Geld selbst nichts anderes ist als dies: eine verzinste Schuld! © Bild: www.das-ende-des-geldes.at |
Warum das Finanzsystem ein Betrugsmodell ist
Einleitung
Zunächst muss hier der Begriff „Betrug“ geklärt werden. Als Betrug bezeichne ich alle Vorgänge, welche die vorsätzliche Täuschung eines Vertragspartners zum Ziel haben. Unter „Finanzsystem“ hingegen sollen nachfolgend alle Dokumente, Berechnungen oder Symbole verstanden werden, welche einen Geldwert für sich selbst oder eine andere Sache behaupten, ohne selbst Geld (im Sinne eines gesetzlichen Zahlungsmittels) zu sein. Letztlich zählt aber auch Geld selbst (also einerseits Münzen und Banknoten, andererseits ihre Darstellung auf Konten oder in Computerspeichern) dazu.
Ein Grundproblem der Menschen besteht darüber hinaus auch noch darin, dass sie in einem primitiven Bildungssystem („(Hoch)Schulsystem“) darauf geprägt werden, es gäbe eine „objektive Wirklichkeit“, die man mittels symbolischer Modelle (Zahlen, Zeichnungen etc.) eindeutig abbilden könne. Im Vergleich zwischen Modell und Wirklichkeit könne dann ein „falsches“ von einem „richtigen“ Modell unterschieden werden. Diese Ansicht ist wissenschaftlich naiv und gefährlich. Im Bereich der Gesellschaft wird das Verhalten der Menschen nämlich vermittels dieser Modelle gesteuert und die Menschen erschaffen dann ihre „Wirklichkeit“ je nachdem, ob sie sich an die Spielregeln der Modelle halten oder nicht. Es gibt daher im Gesellschaftsbereich keine „richtigen“ oder „falschen“ Modelle, sondern immer nur Modelle, die zum Vorteil oder Nachteil unterschiedlicher Personen oder Gesellschaftsgruppen funktionieren.
Das Problem: der Betrug
Historisch hat sich Gold (zumeist in Form von Münzen) als standardisiertes Gut im Warentausch herausgebildet, weil dieses Edelmetall nicht verrottet, also scheinbar einen „stabilen Wert“ darstellt. Reiche Bürger vertrauten dann ihre Goldbestände den Goldschmieden an, welche sie in ihren Tresoren aufbewahrten und Empfangsscheine (papierene Quittungen) ausstellten. Sehr schnell merkten die Menschen, dass es einfacher war, gleich diese Scheine zu tauschen, als jedes Mal das physische Gold abzuholen und eine neue Quittung ausstellen zu lassen. Auch die Goldschmiede bemerkten, dass durchschnittlich nur 10% ihrer Kunden das physische Gold abholten und brachten daher zehnmal so viele Quittungen in Umlauf, wie sie überhaupt Gold in den Tresoren besaßen. Zusätzlich verliehen sie (zunächst heimlich) dieses Gold (gegen Zinsen), wofür dann abermals nur Quittungen ausgestellt wurden. Durch diese Art von Geschäft und den Umstand, dass nie wirklich gesagt werden konnte, ob und wann verliehenes Gold wieder zurückgelangen würde (und wessen Schuldschein daher wie viel wert war) verlegten sich die Goldschmiede (die sich inzwischen zu Bankern weiterentwickelt hatten) einfach darauf, die Schuldscheine zu anonymisieren, sodass überhaupt nicht mehr nachvollzogen werden konnte, um wessen Schuld es sich dabei in Wahrheit handelte. So entstand das heutige „Mindestreservesystem“, das in diesem mittelalterlichen Betrug seinen Ursprung hat. Die „Sammelverwahrung“ der Banken (der Umstand, dass jeder, der Geld auf die Bank trägt, sein Eigentum verliert und nur noch eine Forderung gegen die Bank besitzt) war die erfolgreiche Verankerung der Verwischung der Spuren zu den individuellen Schuldnern, was ebenfalls historisch einen Betrug darstellte. Unser heutiges Geld ist daher ein anonymisierter Schuldschein ohne jeden Eigenwert.
Wenn Kreditnehmer (Private oder Unternehmer) heute einen Bankkredit erhalten, so wird dabei kein Geld verliehen (z.B. das Geld eines Sparers). Tatsächlich wird dieses Geld durch den Kredit neu erschaffen, und zwar in einem Buchungssatz, als Kreditgeld bzw. Schuldgeld. Banken erzeugen Schuldgeld, also kein Aktivum sondern ein Passivum, von dem sie einen positiven Wert behaupten und wofür sie auch Zinsen verlangen, obwohl sie das Geld immer nur für das Kapital, niemals für die Zinsen erzeugen. Das funktioniert durch Bilanzverlängerung, also den Buchungssatz
„Forderung X an Verbindlichkeit X“,
wobei X jeweils der Kreditnehmer ist. Hätten Banken wirklich (Sparer)Geld, das sie verleihen, wäre es ein sogenannter Aktivtausch:
„Forderung X an Kassa“.
So aber fordern sie etwas vom Kreditnehmer, das sie ihm bilanzrechtlich noch gar nicht geliefert haben, denn eine Verbindlichkeit bedeutet ja, dass ich die Lieferung immer noch SCHULDE. Mit dieser niemals getilgten SCHULD DER BANK bezahlen wir dann. Der Gag dabei besteht darin, dass die Bank VOM KREDITNEHMER eine Sicherheit verlangt, obwohl sie selbst KEINE SICHERHEIT hat, ja nicht einmal wirkliches Geld, sondern nur einen SCHULDSCHEIN AUF GELD, das alle Banken seit diese Praxis betrieben wird, den Kreditnehmern bis heute noch schulden.
Schulden sind aber kein WERT (höchstens ein negativer Wert), Forderungen hingegen wären es, vorausgesetzt der Schuldner kann sie in Zukunft auch begleichen. Wenn Banken aber kein Geld zur Tilgung der Schuld erzeugen, und andere es gesetzlich nicht dürfen, sondern nur Schuldscheine auf Geld in Umlauf bringen, dann ist auch völlig klar, dass NIEMAND (keine Privatperson, kein Unternehmen, kein Staat und natürlich auch keine Bank) jemals wirklich Schulden TILGEN kann. Es werden einfach immer nur NEUE Schulden erzeugt (schon um die Zinsen zu bezahlen, danach um die alten Schulden zu „tilgen“ – in Wahrheit wurde/wird seit jeher nur umgeschuldet und noch niemals in diesem absurden Geldsystem eine Schuld getilgt)!
Das Tilgen einer Schuld ist daher in diesem Geldsystem prinzipiell rein buchungstechnisch unmöglich. Am Ende landet eben alles wieder beim Staat, d.h.: Wenn der Kreditnehmer X Geldscheine bei der Bank behebt, bucht die Bank:
„Verbindlichkeit X an Verbindlichkeit Zentralbank“,
weil diese die Scheine zur Verfügung stellt. Und die Zentralbank? Die „deckt“ das Schuldgeld durch den Ankauf von Staatsanleihen, d.h. sie reicht die Schulden am Ende wieder an den Kreditnehmer X weiter (und alle seine Mitbürgen und Mitbürgerinnen) aber unter dem Titel „Steuer für die Zinsen der Staatschuld“. Das gesamte Geldsystem ist daher von jeher nur ein Kreditkarussell bzw. Pyramidenspiel und daher nun vor dem Zusammenbruch.
Der oftmals zitierte Goldstandard kann uns leider auch nicht weiterhelfen, da er ebenfalls ein Betrugsmodell war. Damals wurde der US-Dollar offiziell in der Relation 35 Dollar = 1 Feinunze Gold an das Gold gebunden. ZUGLEICH aber gab es einen „freien Goldmarkt“ mit täglichem Goldpreisfixing, bei dem ein Preis des Goldes IN DOLLAR festgesetzt wurde. Wenn einerseits eine Dollar-Gold-Bindung etabliert und gleichzeitig täglich der Goldpreis verändert wird, so sieht jedes Kind, dass es sich um einen logischen Zirkelschluss handeln muss. Diese Konstruktion gestattete es aber den weltweit größten Goldeigentümern die Zentralbanken zu erpressen, da diese zu jedem manipulierten Preis Gold zukaufen mussten um die jeweilige Landeswährung stabil zu halten.
Auch das Wörgeler Freigeld nach Silvio Gesell ist leider keine taugliche Lösung. Damals wurde dieses umlaufgesicherte Geld nämlich von einem Sparbuch mit 7.000,- österr. Schilling, das bei einer Bank hinterlegt war, „gedeckt“. Dieses Modell verfügt über keine Geldschöpfungs-/Geldvernichtungsmethode und benötigt eine andere Währung als Deckung, stellt daher nur eine Komplementärwährung aber keine eigenständige Währung dar.
Die Lösung: das „global brain“
Zunächst muss erkannt werden, dass Zahlen allein keinen Wert darstellen können. Auch Gold ist für sich selbst nur begrenzt nützlich, sein „Wert“ steigt nur dann, wenn viele Menschen es besitzen wollen (aus Gründen, die ihnen selbst vielleicht nicht klar sind, wie ein dubioses Sicherheitsgefühl, das ihnen dann nicht mehr helfen wird, wenn die Mehrheit der Menschen eben KEIN Gold mehr besitzen wollen). Zunächst ist zwischen Tauschwert und Gebrauchswert zu unterscheiden. Der Tauschwert wird nur dadurch erlangt, dass das Objekt hergegeben und etwas von größerem Wert erhalten wird. Dadurch ist diese Form des „Wertes“ zwar „objektiv überprüfbar“, denn der Tausch wird später ja wirklich vollzogen, der Gegenwert ist daher nachweisbar und kann nicht bloß vermutet werden, aber durch Täuschung, Manipulation, Erpressung etc. können beinahe beliebige Gegenwerte erlangt werden, sodass dies weder moralisch gerechtfertigt noch nachhaltig betrieben werden kann. Der sogenannte Gebrauchswert hingegen liegt in der Nutzung der Sache, z.B. wenn Lebensmittel wirklich selbst verzehrt werden. Dieser „Wert“ ist immer nur rein subjektiv, pro Person höchst unterschiedlich, ändert sich zudem im Zeitablauf permanent und ist daher zwischen den Menschen nicht vergleichbar. Eine Darstellung als Zahl ist beim Gebrauchswert nicht objektiv nachweisbar, macht daher auch kaum sehr viel Sinn.
Wer eine Leistung erbringt, möchte später dafür Güter oder Dienstleistungen erhalten. In der Zwischenzeit akzeptiert er ein Standardgut (Geld) nur dann, wenn dabei seine Kaufkraft erhalten bleibt. Geld, wie wir es heute kennen, kann diese Leistung nicht mehr bieten, da wir nur eine einzige Form von Geld besitzen, das immer als Schuldschein von einer Bank erzeugt wird, und sowohl von Menschen zum Kauf ihrer verwendet wird als auch von Spekulanten, die genau diese Lebensmittel zur Erzielung leistungsloser Einkommen mittels Preismanipulation verwenden. Daher müssen diese Rechnungskreise getrennt und die Bevölkerung mit Kaufkraft versorgt werden, ohne dass ein von den Banken manipuliertes Standardgut (das heute so verwendete Geld) dafür als gesetzlich zwingendes Bindeglied zwischen erbrachter Leistung und nachgefragten Gütern noch erforderlich ist. Geld ist daher, so verstanden, nur eine Regel zur Verteilung von Gütern und Dienstleistungen in der Bevölkerung. Dazu benötigt man weder ein wertstabiles Standardgut noch jemanden, der Schuldscheine fälschungssicher drucken kann.
Hier nun konkrete Vorschläge zur Lösung der Krise:
Im ersten Schritt wird ein Rechnungskreis für den täglichen Bedarf der Bevölkerung konfiguriert. Hierin befinden sich Lebensmittel, Energie, Treibstoffe, Mieten, Kleidung etc. Über die Sozialversicherungsnummer werden für alle Mitbürger und Mitbürgerinnen Konten in einem Großrechner (z.B. des Sozialministeriums) eröffnet, auf welchen für jede und jeden ein Kreditrahmen des täglichen Bedarfs (natürlich unverzinst!) eingeräumt wird. Mit diesem rein elektronischen Geld können dann auch nur Waren und Dienstleistungen im Sozialrechnungskreis bezahlt werden (mittels eCard oder Smartphone). Ziel dieser Entwicklung ist nicht mehr die Maximierung des Gewinns einzelner Personen oder Personengruppen, sondern die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung durch Kooperation bei maximaler persönlicher Freiheit. Dieser Rechnungskreis wird inhaltlich schrittweise erweitert.
Die Menschen verdienen in diesem Rechnungskreis Geld, indem sie in Kooperation die Produktionsmethoden verbessern und sich selbst (also ihre Fähigkeiten und ihr Wissen, aber auch ihre Gesundheit) weiter entwickeln, sodass mit möglichst wenig Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch bei möglichst wenig menschlicher Arbeitskraft der maximale und qualitativ hochwertigste Output produziert werden kann. Jeder Arbeiter, der durch eine schlaue Erfindung seine eigene Tätigkeit wegrationalisiert, erhält eine hohe Leistungsprämie und kann sich in einem anderen Bereich, der ihn vielleicht mehr interessiert, wieder produktiv in die Gesellschaft (den Rechnungskreis) einbinden. Der Wettbewerb existiert nur noch auf geistiger Ebene (bessere Ideen), in der physischen Welt herrscht hingegen Kooperation und gegenseitige Unterstützung. Da sämtliche Transaktionen in diesem System pro Person in Echtzeit erfasst werden, existiert für jeden Menschen ein individueller Warenkorb, der über seine individuelle Kaufkraft und Lebenssituation Auskunft geben kann. Durch flexible persönliche Entwicklungswege (lebenslanges Lernen) in Kombination mit flexibler, individueller Preisgestaltung im allgemeinen Interesse, kann dieses vollelektronische Kooperations- und Versorgungsnetz daher auch zu einem zentralen Werkzeug für eine lernende Wissensgesellschaft ausgebaut werden. Offene, empathische Kommunikation, maximale individuelle Entfaltungsmöglichkeiten, ökologisch optimierte Versorgung bei bestmöglicher Ressourcenschonung – alle diese Ziele sind keine Widersprüche zu einem gesamtgesellschaftlichen Informationssystem, sehr wohl aber zu einem mittelalterlichen Geldsystem, das niemals beweisbare „Werte“ in toter Materie behauptet!
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