Autor: Dipl.-Päd. Michael Karjalainen-Dräger am 06. Jun 2010 Motivation ist ein heiß diskutiertes Thema, besonders wenn es um Lernen, Noten und Zeugnis geht. Lehrerinnen und Lehrer sprechen von unmotivierten Schülern, diese wiederum und auch zahlreiche Eltern machen die Lehrenden für den ausstehenden Lernerfolg verantwortlich. Grund: fehlende Motivation der Schüler durch die Unterrichtenden! © Bild: S. Hofschlaeger / PIXELIO |
Jetzt kommen die Tage, in denen sich für manche wieder einmal die Frage stellt, warum es nicht gelungen ist, das heurige Schuljahr erfolgreich abzuschließen. Viel ist dabei von mangelnder Motivation die Rede, von Interesse- und Sinnlosigkeit. Auch wird der Satz vom Lernen für das Leben gerne umgekehrt und der Schule vorgeworfen, dass sie kein Lebenswissen vermittle. Nun, das ist eine andere Geschichte, sie soll ein anderes Mal betrachtet werden.
Motivation - vom Anfang des Lebens innewohnende Kraft
Motivation, also das persönliche Motiv für eine Handlung, ist eine dem Menschen vom Anfang des Lebens innewohnende Kraft. Gerade die Lernmotivation, die Neugier auf das, was das Leben bietet, ist die Triebfeder für die menschliche Entwicklung schlechthin. Folgt man dem Hirnforscher Dr. Manfred Spitzer kann diese nicht von außen erzeugt werden, sie kann aber sehr wohl durch die Umgebung gefördert oder behindert werden.
Lehrende als Klassen-Kasperl oder als Animateuer a la Ferienclub
Für die Schule heißt das nun, dass bei bereits unmotivierten Schülerinnen und Schülern - und das sind aus meiner Erfahrung sehr viele bereits in der Grundschule - auch die beste Animation nichts helfen wird. Der Lehrende als Klassen-Kasperl oder als Animateuer a la Ferienclub ist demnach keine Lösung. Vielmehr gilt es den Gründen auf die Spur zu kommen, die aus motivierten Kindern unmotivierte Schüler machen. Und die liegen beileibe nicht an der Schule allein. Dort kommen viele Heranwachsende bereits als demotivierte Wesen an. Andere wiederum finden natürlich auch dort das Ende ihrer Motivation, weil das Klima einfach entdeckungsfeindlich und eher an Normen, denn an den Entwicklungsbedürfnissen der jungen Menschen orientiert ist.
Entwicklungsbedürfnis als Lösung des Problems
Entwicklungsbedürfnis scheint mir in diesem Zusammenhang überhaupt der Schlüssel zur Lösung des Problems zu sein. Wie oben bereits gesagt, ist der Mensch vom ersten Tag seines Lebens an ein lernendes Wesen. Neugier und Entdeckungsdrang ermögliches es, in den ersten Monaten und Jahren eine enorme Vielfalt an Fähigkeiten zu entwickeln, die einem erfolgreichen und sinnvollen Leben dienen. Und irgendwo knackt's dann im Entwicklungsgebälk und der daraus resultierende Knacks beeinflusst das weitere Leben.
Sicherheitsbedürfnis der Eltern - Demotivation der Kleinen
Es liegt also zuerst einmal an den Eltern und den das Heranwachsen der Kinder begleitenden Menschen. Diesen ist es oft zu wenig bewusst, welchen Einfluß sie durch ihr eigenes hohes Sicherheitsbedürfnis auf die Demotivation der Kleinen haben. Schnell werden diese oder jene Verbote ausgesprochen, damit nur ja nichts passiert. Genauso schnell wird dann der Platz vor dem Fernseher, wo nichts passieren kann, einem Ausflug in die Natur vorgezogen. Noch dazu können sich ja Kinder in großstädtischer Umgebung nicht mehr alleine durch die Straßen zum nächsten Spielplatz bewegen. Und selbst dieser bietet, einmal erreicht, kaum natürliche Umgebung, die der Entwicklung des Kindes förderlich ist. Das Miteinander-Spielen hat auf Grund des einen oder anderen Interessenskonflikts, in den sich besorgte Eltern eher schneller, als es notwendig ist, einmischen, auch seine Grenzen.
Lernumgebung und Lernklima haben wesentlichen Einfluss auf die Motivation
In der Kinderbetreuungseinrichtung gibt es meist vom ersten Tag an eine vorbereitete, sehr eingeschränkte Umgebung - und jede Menge Regeln. Diese setzen sich dann bis in die Schule hinein fort, in der Lehrpläne vorgeben, was Lernende in einem bestimmten Alter zu interessieren hat. Andere Bedürfnisse werden mit einem "Das musst du noch nicht können!" oder "Das lernst du erst nächstes Jahr" abgetan. An den Unis geht's dann munter weiter: Fachwissen und Output stehen im Vordergrund, das Universalwissen, der Überblick, die Universalität werden dem Bedürfnissen des Arbeitsmarktes geopfert. Da sind wir dann bei Spitzers These, dass die Lernumgebung und das Lernklima einen wesentlichen Einfluss auf die Motivation haben. Bei soviel Demotivation ist es schier verwunderlich, dass es noch erfolgreiche Lernende gibt. Aber sie werden immer weniger. Und die, die es schaffen, funktionieren meist ganz einfach nur noch - mit hoher Burnout-Gefahr.
So ist es einerseits notwendig, dass sich Eltern ihrer herausfordernden Aufgabe stellen, die Entwicklungsbedürfnisse ihrer Kinder in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen, andererseits braucht es ein umfassendes Bildungskonzept vom Kindergarten bis zur Universität und die entsprechend hoch qualifizierten und motivierten Lehrenden sowie angemessene Lernräume und -räumlichkeiten.
Denn sonst haben wir es bald mit noch mehr, nicht durch pädagogische Intervention sondern nur noch durch psychologische und therapeutische Maßnahmen in ihre Motivation zurückzubringenden Kindern und Jugendliche zu tun. Alle Verantwortlichen sind demnach gleich gefordert, damit unsere Gesellschaft Zukunft hat.
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