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Trommeln im Häfn

Rhythmustraining mit afrikanischen Djembén Autor: KAMIRA Eveline Berger am 10. Dez 2007
Seit einigen Jahren schon sorgt ein Wiener Rhythmuspädoge mit seinen Trommeln in der Jugendstrafanstalt Gerasdorf/Steinfelde und im Frauengefängnis Schwarzau für Furore.
Aus einem einmaligen Experiment zur Jahrtausendwende wurde eine Therapie.

Johnny Mauser, rhythmusbegeisterter Meister auf afrikanischen Djembén

Die Schwingung und Klänge der Trommeln zieht alle Generationen an

Trommeln in der Natur

Durch die offenherzigen und anhaltenden Bemühungen des ehemaligen Leiters der Jugend-Info, Hrn. Rudi Eichinger und der von ihm motivierten Fr. Elisabeth Ziegler (Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen), wurde aus einem einmaligen Experiment zur Jahrtausendwende seitdem eine regelmäßige Einrichtung zu therapeutischen Zwecken. Das Medieninteresse blieb natürlich nicht aus. Dem österreichischen Fernsehen erschien dieses Projekt innovativ genug, um in der „ZiB“ z.B. von einer Trommel-Aufführung bei einer Weihnachtsfeier in Gerasdorf zu berichten oder in „Thema“ zum Muttertag einen rhythmischen Beitrag zu „Mutter/Kind im Gefängnis“ zu senden.

Zur Person des Rhythmuspädogen Johnny

Johnny Mauser, rhythmusbegeisterter Meister auf afrikanischen Djembén, unterrichtet seit 1994 die unterschiedlichsten Menschen, um sie zu ihrem inneren natürlichen Rhythmus zu führen. Darunter sind Kinder, Jugendliche, Handicap-Leute, Rehab-Patienten, Senioren und  eben straffällig gewordene männliche und weibliche Personen.

Motivation der Häftlinge mit erzieherischen Wert

Vielleicht würde man denken, dass diese Rhythmustrainings den Häftlingen aufgedrückt werden würden. Weit gefehlt! Diese Stunden sind wegen ihrer Abwechslung von einem eintönigen Tagesablauf heiß begehrt und müssen erst einmal durch gute Führung „verdient“ werden -  Motivation mit erzieherischen Wert.

Ein Jugendlicher meint: Trommeln kann sogar einen „Joint“ ersetzen

In diesen aufbauenden Trommelstunden lernen die Insassen so ganz nebenbei Gemeinschaftssinn, Rücksicht auf schwächere SpielerInnen zu nehmen, bauen konstruktiv innere Aggressionen ab, üben zwanglose Disziplin in einer Gruppensituation, verbessern ihre Körperkoordination und nehmen viele positive Erfahrungen und persönliche Erfolgserlebnisse mit in ihren Alltag.
Bereits in einer der ersten Unterrichtsstunden stellte z.B. ein Jugendlicher fest, dass das Trommeln sogar einen „Joint“ ersetzen kann! Eine unglaubliche Erkenntnis für das Weltbild dieses Menschen. Auch deswegen, weil er speziell wegen eines Drogen-Delikts einsitzen musste.

Besonders Frauen: geschminkt, gestylt und in bester Privatkleidung zum Trommeltraining

Innerhalb kürzester Zeit, wenn sich die Wachebeamten still in eine Ecke des Raumes zurückgezogen haben, ist dieser Trommelgruppe in keinster Weise anzumerken, dass sie Häftlinge sind und man sich im Gefängnis befindet, erzählt Johnny. Es sind Menschen, die oft durch viele Umstände an diesem Ort gelandet sind. Zwar ganz sicher nicht „unschuldig“, doch auch oft nicht nur alleine dafür verantwortlich. Wenigen sieht man an, dass ihr Körper bereits viel verkraften musste.

Ganz besonders im Frauengefängnis kommen die TeilnehmerInnen geschminkt, gestylt und in bester Privatkleidung zum Trommeltraining. Es herrscht heitere Stimmung und viele von ihnen suchen ebenso nach Anerkennung und Wertschätzung wie die meisten von uns. Natürlich wird den InsassInnen von Johnny auch viel Platz für ihre eigene Kreativität eingeräumt – wodurch so manche ausgelassene „Session“ entsteht und Personen aus uns fremden Kulturen ihre Rhythmen einbringen, tanzen, rappen, ... .

Ohne Gitterstäbe könnte die Szene auch in einem Gesundheitszentrum stattfinden

Die Hintergründe und Lebensgeschichten tun nichts zur Sache und werden auch geheim gehalten. Der Rhythmusunterricht findet in einem hellen Raum mit fröhlichen Gesichtern statt und wären da nicht Gitterstäbe an den Fenstern und ein schweres Schloss an der Türe, könnte diese Szene auch im Gesundheitszentrum um die Ecke stattfinden.

Wünschen wir uns einfach auch für Randgruppen, die von unserer Gemeinschaft und öffentlichen Gesellschaft ausgeschlossen sind, dass sie einen legalen Weg zurück finden. Schön, wenn so ein kreatives Hilfsmittel wie Trommeln diesen Weg ein wenig erleichtern darf.

Alle Fotos: lichtkraft

Wichtiger HInweis zu den Fotos: Auf keinem der Fotos sind Häftlinge zu sehen. Es sind Teilnehmer von Johnny's Trommel-Workshops.

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