Autor: Jaan Karl Klasmann am 08. Apr 2012 Ostern wird es, und für viele heißt es, Eier färben, Schoko-Hasen verstecken... Auch die Kirchen sind in diesen Tagen voll, doch jedes Jahr ein bisschen weniger: Immer weniger Menschen glauben, dass der im Jahr 33 (historisch nachweislich) gekreuzigte Jesus von Nazareth tatsächlich von den Toten auferstanden ist. „Aufgefahren in den Himmel...“ – Was sollte..
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Was sollte er dort? Dort kreisen Satelliten, ...
'Lerne zu sterben, bevor Du stirbst!'
Ich will den Verstand, der solches denkt nicht widerlegen. Ich muss es auch nicht – denn um die Essenz von Ostern zu verstehen, ist es egal, ob Jesus wirklich physisch auferstanden ist. Es reicht, die Geschichte als ein Symbol zu verstehen, und wenn wir dies tun, entdecken wir jene Aussage, jene Botschaft und Essenz, die alle Religionen, alle spirituelle Pfade, alle Wege von Wachstum und Transformation zum Inhalt haben: Das Paradox, dass wir sterben müssen, um wahrhaft leben zu können. Wie das zu verstehen ist? – In den Worten der buddhistischen Nonne Pema Chödrön:
„Nur wenn alles zusammenbricht, worauf wir unser Leben gegründet haben, können wir das erfahren, was an uns unzerstörbar ist.“
Ihre Erläuterung, kurz zusammengefasst: Das Leben ist frisch, spontan, in jedem Augenblick neu. Wir aber sehen dies meistens nicht, weil wir in Bildern von uns selbst gefangen sind, die viel zu klein und unvollständig sind. An diesen Bildern, unseren „Egos“ halten wir fest und versuchen, ihnen zu entsprechen. Solange uns dies gelingt, erleben wir uns von der Fülle, die uns umgibt, getrennt, drehen wir uns im Kreis des immer Gleichen; sind tot bei lebendigem Leib.
Wie wieder lebendig werden? – Indem das falsche Bild von uns stirbt. Und dazu gibt es grundsätzlich zwei Arten von Weg:
1. Der erste ist ein Angebot des Lebens:
Weil das Leben Liebe ist und uns zur Wahrheit führen möchte („Die Wahrheit wird Euch frei machen!“), baut es in unsere Biographien Weckrufe ein. Manchen wird es geschenkt, seine Grenzen in einer liebenden Umarmung aufzulösen; durch Freude und Ekstase über sich hinauszuwachsen. Anderen wird ein Scheitern geschenkt, wie eine Art von Angebot, das, wenn es angenommen wird, zum wesentlichen Schritt nach vorne wird: Ein guter Freund kämpfte zwei Jahre lang verzweifelt gegen den Konkurs – vergebens. Neulich treffe ich ihn, strahlend und entspannt: „Ich habe gedacht, wenn ich bankrott gehe, ist alles aus. Jetzt ist es passiert, und ich fühle mich so frei und lebendig wie nie zuvor. Ja, es hat weh getan, mir zugeben zu müssen, dass ich geschäftlich zu schwach war. Ich habe anerkennen müssen, dass ich unvollkommen bin, und dass andere stärker sind. Ich habe es mir eingestanden, aber auch zugestanden – und jetzt bin ich frei. Ähnliches höre ich von einer Freundin, die ihre Ehe doch nicht retten konnte; von einer Bekannten, die nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Sie alle haben das Angebot angenommen, sind durch den Schmerz des Selbstbild-Todes gegangen und haben nun ein Strahlen in den Augen, das nicht mehr von äußeren Umständen abhängt. Wer solche Angebote ablehnt, fesselt sich selbst: Die Nachbarin, die nun seit 15 Jahren frustriert ist, aber arbeitslos bleibt, nur damit ihr Ex-Mann weiter für sie zahlen muss; der ungerecht Entlassene, der auch Jahre später von nichts anderem reden kann als, als wie sehr er doch im Recht ist; der Manager mit Herzinfarkt, der weiter seine 70-Stunden-Woche abspult, nur um nicht schwach zu wirken; die Mutter, die ihr Kind verliert und lebenslang verbittert bleibt: Wer sich zu sterben weigert, bleibt tot.
2. Die zweite Art von Weg ist die absichtliche, bewusste – die eines im weitesten Sinne spirituellen Pfades.
Buddhisten beobachten Gedanken und Gefühle, damit statt ankonditionierter Reaktionen die Spontaneität der „unvergleichlichen und unerschöpflichen Buddha-Qualitäten“ durch sie fließt. Jüdische Chassidim tanzen in Ekstase, um „den Himmel auf die Erde zu bringen“. Schamanen trommeln sich zu dem gleichen Ziel. Derwische wirbeln stundenlang im Kreis bis sich die Grenzen auflösen und sie eins werden mit dem All. Moslems sagen „La illaha illa’ llah“, damit statt ihres Eigenwillens Allah durch sie wirke. Und Christen suchen in der Kommunion die innere Vereinigung mit einem Vorbild, das sein Ich ganz hingegeben hat und dafür mit dem Göttlichen ganz Eins geworden ist.
Das Wichtige an Ostern ist nicht die Kreuzigung, sondern die Auferstehung – das Kreuz ist nur das Tor. (So nebenbei: Das Ende des falschen Selbstbildes macht auch Atheisten frei und glücklich!)
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