Autor: Sana Brauner am 17. Dez 2010 Weihnachtszeit ist Spielzeugzeit. Lachen haben hingegen die ArbeiterInnen in China, die ca. 80% der weltweit verkauften Spielsachen produzieren. Im Rahmen eines Pressegesprächs in Wien berichteten Anfang Dezember Arbeitsrechtsaktivistinnen aus Hongkong und der österreichischen Südwind-Kampagne Â"Spielsachen fair machen!Â" von 15-Stunden-Schichten, Hungerlöhnen und gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken.
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“Weil die Arbeit so anstrengend ist, werden Kolleginnen häufig ohnmächtig“. „Wir arbeiten jeden Tag bis 21 Uhr. Wir hatten noch keinen freien Tag diesen Monat. Alle unsere Überstunden sind verpflichtend.“ Das sind nur zwei von unzähligen Klagen chinesischer SpielzeugarbeiterInnen, die „Spielsachen fair machen!“ mithilfe von Arbeitsrechtorganisationen aus China und Hongkong gesammelt hat, eine davon ist SACOM (Students and Scholars Against Corporate Misbehavior).
Die Leiterin, Debby Chan, war in Österreich unterwegs, um auf die schwerwiegenden Arbeitsrechtsverletzungen in Chinas Spielzeugindustrie aufmerksam zu machen. Seit Jahren überprüfen sie und ihre KollegInnen zum Teil undercover, ob sich internationale Konzerne, wie zum Beispiel Disney, an ihre Verhaltenskodizes und an das chinesische Arbeitsgesetz halten.
Bei den meisten Zulieferbetrieben ist das Ergebnis erschütternd. „Immer wieder stellen wir
fest, dass statt der gesetzlich erlaubten 40-Stunden-Woche und den maximal 36
Überstunden im Monat, bis zu 100 Stunden in einer Woche gearbeitet wird“, kritisiert Chan.
Darüber hinaus werden die ohnehin extrem niedrigen Mindestlöhne von ca. 1000 Yuan
(entspricht 115 Euro) in den meisten Fabriken unterschritten. Um diese Missstände zu
vertuschen werden die ArbeiterInnen oft gezwungen bei Kontrollen zu lügen, anderenfalls
droht der Rausschmiss. Chan berichtet sogar von Kinderarbeit und Todesfällen, die durch
den Gebrauch veralteter Maschinen passierten: 2009 wurde der 17-jährige Arbeiter Liu Pan
von einer Maschine einer Fabrik, die für Disney produziert, zu Tode gequetscht.
„Jedes Mal wenn wir Disney mit Vorwürfen konfrontieren, schieben sie die Verantwortung auf ihre
Lizenznehmer und Zulieferbetriebe. Dabei sind es die Konzerne, die große Gewinne einstreifen und mit lachenden Kindern werben – auf Kosten der Arbeiterschaft“, ist Chan empört.
Auch der Verhaltenskodex des Internationalen Spielzeugverbandes ICTI scheint nicht zu
greifen, obwohl ihn fast alle internationalen Spielzeug-Konzerne von Disney bis Mattel
übernommen haben. ICTI zertifiziert ihre Zulieferbetriebe – trotz Verstößen gegen den Kodex
und auch gegen nationales chinesisches Arbeitsrecht. „ICTI vergibt sogar Zertifikate an
Fabriken, in denen regulär mehr als 72 Stunden pro Woche gearbeitet wird“, berichtet
Claudia Bonk von „Spielsachen fair machen!“ nach einer Recherchereise in Hongkong und
Südchina.
„Ein Zertifikat für fair produziertes Spielzeug gibt es leider noch nicht“, bedauert Bonk, „aber
dafür viele Möglichkeiten, Druck auf die Unternehmen und den Internationalen
Spielzeugverband auszuüben, damit sie sehen, dass faire Arbeitsbedingungen gefordert
werden“. Nachfragen im Geschäft, wo und wie Spielzeug produziert wird, oder per Mail bzw.
Karten die Firmen zu kontaktieren, seien Wege, diese Forderung sichtbar zu machen.
Derzeit gibt es auf der Website der Kampagne „Spielsachen fair machen!“ auch eine Online-
Petition an ICTI, um den Spielzeugverband dazu zu bewegen, sich stärker für die
Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen - Siehe Weblink links oben.
Als faire Weihnachtsgeschenke kann die Kampagne derzeit nur Spielsachen empfehlen, die
in den Weltläden angeboten werden oder heimisches Holzspielzeug z.B. der Firma Matador.
Marktkonzentration der Spielzeugindustrie
Die internationale Spielzeugindustrie wird von wenigen Konzernen dominiert.
Die weltweit größten Player sind:
• die Spielzeugriesen Mattel, Hasbro und Bandai
• die Handelsriesen Walmart und Toys’R’Us
• die Unterhaltungsriesen Disney und Warner, die über Lizenzen am
Spielzeugmarkt mitmischen
Die größten Hersteller in Europa sind Lego, Playmobil und Ravensburger.
www.suedwind-agentur.at
Weitere Infos zur Kampagne: Spielsachen fair machen
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