Autor: Claudia Benavente Arce am 29. Jan 2008 Natur- und Kräuterkosmetik liegt im Trend. Die naturnahen Schönheitsmittelchen haben den ranzigen Ruf von Hinterhof-Labors und Kräuterhexengebräu endlich abgelegt und vermitteln zum Teil sogar einen luxuriösen Touch. Vorbei ist's mit "gesund" riechenden, pastösen Salben, die zwar vielleicht nett zur Haut sind, aber kein Wohlgefühl aufkommen lassen. Die neuen Naturkosmetik-Produkte sind wissenschaftlich entwickelt und durchlaufen strengste Kontrollen, bevor sie an Ihre Haut gelassen werden. Trotzdem arbeitet diese Industrie umweltfreundlich und ist zunehmend tierlieb. |
Was bedeutet "Naturkosmetik"?
Wer darf sich dieses Mäntelchen überhaupt umhängen? Und wie natürlich ist sie wirklich? Schließlich ist nicht überall Natur drinnen, wo es großspurig behauptet wird. Wenn "Bio" oder "Natur" auf der Packung steht, heißt das noch nicht viel, denn die Begriffe unterliegen keinem Kodex, wie etwa die Lebensmittelprodukte in Österreich. In der EU jedenfalls gibt es noch keine einheitliche gesetzliche Definition, was als „Naturkosmetik" bezeichnet werden darf. Eine kleine Hilfe im Dschungel kann Folgendes sein: Der Begriff „Kontrollierte Naturkosmetik“, im Sinne des österreichischen Lebensmittelkodex oder des deutschen BDIH Standards, bedeutet: naturreine, ökologisch hochwertige Rohstoffe, keine gesundheitsschädlichen Konservierungsstoffe, keine synthetischen Duftstoffe, keine radioaktive Bestrahlung von Rohstoffen oder Endprodukt und gentechnikfreie Verarbeitung. Der Hinweis „kontrollierte Bio-Kosmetik“ bedeutet, dass fast 100% der Zutaten aus biologischer Landwirtschaft stammen. Einige Bio-Verbände und Kontrollstellen arbeiten unter Hochdruck an zertifizierbaren Standards, um Naturkosmetik mit Zutaten aus biologischer Landwirtschaft garantieren zu können.
Antifaltencreme für Mäuse?
Den Nagern wird es sehr egal sein, ob sie Falten haben oder nicht - nicht egal sind ihnen aber sicher Hautreaktionen im Zuge von Testverfahren von Kosmetikprodukten. Zu ihrem Leidwesen ist aber ein EU-weites Verbot von Tierversuchen für Kosmetikinhaltsstoffe erst für 2013 geplant. Ein Lichtblick: Die "Humane Cosmetic Standards" (HCS) garantieren tierleidfreie Herstellung von Kosmetikprodukten – was immer das heißen mag ... Auch sollten Tierschützer bedenken, dass die Deklaration "Tierversuch-frei" manchmal nur aussagt, dass der Produzent selbst keine Tierversuche durchführt. Was aber noch lange nicht heißt, dass dessen Zulieferer auch darauf verzichtet. Relativ sicher kann man da sein, wenn der Subproduzent in Deutschland oder Österreich sitzt. Denn hierzulande darf man zumindest keine fertigen Kosmetika an Tieren testen. Die Mäuschen müssen also nicht mit Lippenstift und Mascara herumlaufen. Trotzdem: Es existiert noch immer das Gesetz, dass jeder Rohstoff, der für Kosmetikprodukte verwendet wird, irgendwann im Tierversuch getestet werden sein musste – oder nach einem gesetzlich erlaubten Invivo- und Invitrotests. Die meisten Firmen entwickeln aber ohnehin keine neuen Rohstoffe - das wäre den meisten viel zu teuer. Sie greifen auf altbewährte, in der Vergangenheit in Tierversuchen getestete Stoffen zurück.
Naturkosmetik verträgt nicht jede(r)!
Allergiker haben es besonders schwer, das richtige Kosmetikprodukt zu finden. Sie glauben oft, mit Naturkosmetik-Produkten sicher vor Hautreaktionen zu sein. Doch auch natürlich vorkommende Stoffe können Allergieauslöser sein – z.B. Vanillin, Eichenmoosöl, Zimtaldehyd (z.B. in Lavendelöl), Henna oder Lanolin. Für Allergiker geeignete Kosmetika beinhalten zwar nur wenige Zusatzstoffe, kommen aber meist auch nicht ganz ohne Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe aus. Wer an allergischen Hauterkrankungen leidet, sollte auf jeden Fall den Dermatologen zu Rate ziehen. Er kennt die für sie geeigneten medizinischen Körperpflegeprodukte.
Kosmetik und die Medizin
Wie sehr sich Ärzte heutzutage auch um die Hautpflege kümmern, zeigt der Trend zu den Doctor Brands – Kosmetikprodukten also, die von Medizinern – vorwiegend Dermatologen und Schönheitschirurgen - entwickelt wurden, wie z.B. SBT von Dr. Steinkraus, Excellent Beauty von Dr. Hasenöhrl oder Dr. Hauschka, den man mit Fug und Recht als einen der Pioniere auf diesem Gebiet nennen darf.
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