Autor: Sana Brauner am 09. Jul 2009 Die Unternehmerin Nina Lorkovic - mit ihrem im August 2007 gegründeten Label milch Fairtrade Shirt - ist die deutsche Vorreiterin eines Trends, der sich zu einer weltweiten Bewegung entwickelt hat: Ethische Mode, fair produzierte Shirts und Accessoires aus Biobaumwolle.
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Neben ihrer Kollektion setzt sie mit ihrem Unternehmen milch Fairtrade Shirt als Designerin und Unternehmerin neue Akzente im B2B-Bereich, sogenannte Social Fashion Kooperationen. Hier entwirft sie im Auftrag Merchandising-Produkte aus fairer Biobaumwolle für Unternehmen.
Ihr Label spiegelt ein neues Bewusstsein im Kaufverhalten der Menschen wider. Konsumenten heute fordern zunehmend Mode ein, die nachhaltig produziert, fair gehandelt und aus ökologischer Baumwolle ist.
Nach ihrer letzten Reise zu ihrem Fairtrade Produzenten nach Kolkata, Indien, im letzten Jahr, welche ebenfalls dokumentiert wurde, begab sich Nina Lorkovic diesen März auf Produzentenreise nach Marokko, mit dem Ziel, eine Dokumentation über eine FLO-zertifizierte Baumwoll-Produktionsstätte zu erstellen. Sie besuchte die Produktionsstätte Depary in Marrakesch, Marokko, die vor zwei Jahren das FLO-Zertifizikat erhalten hat.
Die Cambridge Finance Holding, vor 18 Jahren von den zwei Brüdern Fabrice und Dimitri Damamme gegründet, besteht aus den Unternehmen Ets Laporte in der Normandie, Frankreich, sowie Depary und Galaxie in Marrakesch, Marokko.
Nina Lorkovic hatte die Gelegenheit einen der Geschäftsführer, Fabrice Damamme, 44 Jahre, bei Depary in Marrakesch zu treffen und mit ihm folgendes Interview durchzuführen:
Lorkovic: Vielen Dank, Herr Damamme, dass ich Ihre Produktionsstätte besichtigen darf. Wann wurde das Unternehmen Depary gegründet und was produzieren Sie?
Damamme: Mein Bruder und ich haben Depary vor 12 Jahren hier in Marrakesch gegründet. Angefangen hatten wir mit der Produktion von bügelfreien Hemden und heute produzieren wir ausschließlich Oberbekleidung wie Hemden und Blusen aus Baumwolle oder Baumwollmischgewebe.
Lorkovic: Wer sind Ihre Kunden?
Damamme: Wir beliefern bislang hauptsächlich den französischen Markt. Zum einen produzieren wir eigene Linien für den Endverbraucher und wir produzieren Linien für andere Labels, u.a. für Belmain. Wir haben beispielsweise 80 Verkaufsecken in der Galerie Lafayette, Paris, wo unsere hochwertigen Blusen und Hemden platziert sind.
Lorkovic: Seit wann ist Depary Fairtrade (Max Havelaar France) zertifiziert und wieviel Prozent der Produktion ist aus Fairtrade Baumwolle?
Damamme: Depary wurde vor 2 1/2 Jahren als erste marokkanische Baumwollproduktionsstätte von Max Havelaar France zertifiziert. Da wir als Unternehmer immer schon soziale Verantwortung ernst genommen haben, mussten wir für diese Überprüfung und Zertifizierung in unserem Unternehmen nichts umstellen oder anpassen.
Derzeit ist ca. 30% unserer Produktion aus Fairtrade zertifizierter Baumwolle. Wir produzieren seit Beginn der Zertifizierung für das französische Fairtrade Modellabel Armorlux und wir beliefern die SNCF (Société Nationale des Chemins de fer français) mit Fairtrade Blusen und Hemden.
Lorkovic: Das heißt Sie produzieren Fairtrade Arbeitsbekleiung für die staatliche französische Eisenbahngesellschaft? Wie hoch bei der SNCF der Prozentsatz an Fairtrade Oberbekleidung?
Damamme: 20-30% der Hemden und Blusen des Bahnpersonals ist Fairtrade und ausschließlich von uns produziert.
Lorkovic: Wie sieht hier die Produktionskette aus?
Damamme: Wir beziehen unsere Fairtrade Baumwolle aus Mali, sie wird bei Trouillet (FLO zertifiziert) in Fes gewebt, bei Galaxie (FLO cutting) geschnitten und bei Depary genäht. All diese Schritte werden regelmäßig von Max Havelaar France kontrolliert. Eine Alternative ist auch, dass der Kunde uns die FLO CERT Baumwolle liefert und da wir die Fairtrade Lizenz haben, können wir diese Baumwolle dann verarbeiten.
Lorkovic: Produzieren Sie auch Oberbekleidung aus biologischer Baumwolle?
Damamme: Ja, wir produzieren auch Biobaumwoll-Shirts. Hierfür haben wir spezielle Biobaumwolllieferanten.
Lorkovic: Welche Möglichkeiten der Veredelungen haben Sie bei Depary?
Damamme: Was die Veredelung anbelangt haben wir Stickereimaschinen, der Druck wird outgesourced.
Lorkovic: Ich sehe hauptsächlich Frauen, die hier in den verschiedenen Abteilungen, wie Nähen, Bügeln, Falten, arbeiten. Was hat es damit auf sich?
Damamme: Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir lieber mit Frauen arbeiten, eine genaue Erklärung dafür habe ich nicht. Frauen und Männer verdienen bei uns gleich viel. Hier gibt es Aufstiegschancen, z.B. die jetzige Leiterin der Nähabteilung war selber mal Näherin, sie hat sich hochgearbeitet.
Lorkovic: Wieviele Leute arbeiten für Depary und Galaxie?
Wie hoch ist das Durchschnittsalter?
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Damamme: Bei Depary sind es 100, bei Galaxie 110 Mitarbeiter.
Das Durchschnittsalter liegt bei ca. 30 Jahren. Unsere Mitarbeiter sind alle kranken- und rentenversichert. Sie fangen morgens um 9:00 Uhr an, haben eine 1-stündige Mittagspause, nachmittags folgt noch eine 30-minütige Teepause. Um 18:00 ist Feierabend.
Lorkovic: Wie sieht es mit dem ökologischen Aspekts der Logistik aus? Welche Transportmittel nutzen Sie?
Damamme: Wir beliefern unsere Auftraggeber per LKW-Transport. Es ist zum einen umweltschonender als Flugzeugfracht und zum anderen geht auch das relativ zügig.
Lorkovic: Herr Damamme, vielen Dank für das Interview!
Kontakt:
Nina Lorkovic
milch Fairtrade Shirt
Biberstr.34-36, 50678 Köln
Tel.: +49 (0)221 - 340 43 47
Mobil: +49 (0)172 - 251 67 80
Fax: +49 (0)221 - 790 76 10 11
info@milch-fairtradeshirt.de
www.milch-fairtradeshirt.de
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