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Pilgerreise durch Kasachstan

An der Mauer des Mausoleums finden andächtige Gebete tiefster Herzenswünsche sta Autor: Sana Brauner am 26. Jan 2008
Für ihre 93 Jahre am Buckel tragend geht sie wenig zimperlich mit uns um. Wer zu ihr, der Â"Weisen Schamanin" kommt, weiß im voraus wer hier der Boss ist. Nun, wir eine Gruppe aus Österreich wußten dies nicht, doch erfuhren es sehr bald. Lautstark befielt sie uns vor ihr niederzuknien. Mit flacher Hand und Faust klopft sie beide Seiten des Rückens ab. Es sind kraftvolle Schläge, die energetisierend wirken und auch mental ihre geistig, aufwachende Botschaft zur Präsenz zeigen.

Von links nach rechts: Sana, Claudia und Gerda

Junger Bub, der gerade einen Teil der Waschung von Kopf bis Fuß durchführt

Junges Ehepaar, das sich Hilfe für ihren gehbehinderten Sohn erhoffte

Svetlana war eine der medial trainierten Personen

Alle Grabstätten waren islamischden Heiligen gewidmet - doch Religion spielte au

Die bunt zusammengewürfelte Pilgergruppe an der sogar fünf Kinder teilnahmen.

Solche Busse wären in anderen Ländern nur noch im Museum vor zu finden

Die Teilnehmer aus Österreich

Schlafsäcke waren gegenüber den Sitzplätzen im Bus wahrer Luxus

Die Jugend nimmt körperliche Strapazen mit Humor

Schlafen in jeder Position als eine von mehreren Herausforderungen während diese

Helmut und Peter

Ihre Augen sprechen und wer Blicke deuten kann, verliert hier keine Worte mehr. Sie hätte schon auf uns gewartet, meint sie, denn unsere Ahnen haben uns zu ihr geführt, um mit ihnen in Kontakt zu treten. Köperlich strapaziöse, unzählige Rituale in Hitze und Staub mit dem tiefen Sinn der Reinigung und Herzöffnung folgen. Gegen Abend zu sind wir müde. Doch es ist eine wohlig-angenehme Müdigkeit mit dem Gefühl von innerer Zufriedenheit. Dieser Tag zählte zu jenen, von denen es wenige im Leben gibt. Und es war erst die Vorbereitung für die eigentliche Pilgerreise.

Die Abfolge der nächsten Tage bestand aus einem intensiven Programm. Das Ziel jedes Tages war der Besuch meist mehrerer Grabstätten von Heiligen Meistern. Die Route führte uns durch den Süden von Kasachstan -  durch Turkestan. Wir sollen innerhalb von 5 Tagen an die 1200 km zurücklegen. Die Straßen befanden sich in gutem Zustand. Die Bussen waren dafür eine wahre Herausforderung. So legten wir täglich oft allein bis zu 10 Stunden Fahrtzeit hinter uns. Und das für 300 Kilometer. Wäre noch zu ertragen, wenn, ja wenn der Bus nicht gleichzeitig als Schlafplatz dienen würde. Und wenn, ja wenn sich nicht 29 Personen den Platz von 19 Sitzen teilen müssten. Und wenn, ja wenn wir wenigstens während der Nacht zumindest 6 statt den durchschnittlichen 3 bs 4 Stunden Schlafpensum hätten.

Neben unserer kleinen Gruppe aus Österreich kamen die Teilnehmer hauptsächlich aus Kasachstan und aus den benachbarten Ländern. Zusammen waren wir 59 Pilger. Das Programm bestand im Wesentlichen aus der Fahrt von einem Mausoleum zum anderen. Täglich gab es einen besonderen Heiligen, dem dieser Tag gewidmet wurde. Wie? Dazu kommen wir später. Jetzt wollen wir zuerst noch so manche Herausforderung beschreiben.

Jeder von uns kennt sie: Situationen, wenn wir physische Grenzen erreichen. Genauso Situationen, wo unsere Psyche und Emotionen auf das Höchste gefordert werden. Die größte Herausforderung stellen jene Situationen dar, wo alle drei Aspekte zusammentreffen. Sie ermöglichen ein Wachstum, das uns innerhalb kurzer Zeit Quantensprünge persönlicher Weiterentwicklung auf der Seelenebene machen lässt.

Physisch wurden wir durch unser Schlafmanko und das ausgefüllte Programm gefordert. Emotional rieb sich besonders unsere Gruppe an den Reinigungsritualen auf.

Ein Beispiel dazu: Vor jedem Besuch einer heiligen Stätte (bis zu 5 am Tag) ist ein Daret – islamisches Reinigungsritual  - zu vollziehen. Das heisst mit einer Wasserflasche ausgerüstet auf die Toilette zu gehen und seinen Intimbereich, rechts die Wasserflasche haltend und mit linker Hand die Waschung durchzuführen. Die Toilette ist ein in unserer heutigen westlichen Kultur unbekanntes Plumpsklo. Jetzt kommen die Sinneswahrnehmungen ins Spiel. Das Auge sagt Nein, da geh ich nicht hinein. Die Nase sagt Nein, das halte ich nicht aus. Wenn dann noch Blähungen entsprechend laut ihren Weg in die Freiheit suchen wird die Sache explosiver. Denn so manches Klo bietet die rentable Version von gleich vier Löchern nebeneinander.  Wobei für einige Personen allein die hockende Position ein Ding der Undurchführbarkeit ist. Und wohin mit den mitgebrachten Utensilien wie Klopapier, Feuchttücher, Binden oder anderem? Die Überwindungsgrenze des guten Willens die Situation mit anderen Personen zu teilen und  durchzustehen sinkt. Die Luft entsprechend lang anzuhalten ist selbst für einen in der Atemtechnik geübten Yogi einfach zu lang. Die innere Gelassenheit zur humorvollen Version hat jetzt keinen Platz. Auch die Wahrnehmung des inneren Prozesses wird von äusserer Verzweiflung begleitet. Der emotionale Aspekt gewinnt an Raum. Gefühle der Wut, Verzweiflung und Sinnhaftigkeit beginnen sich aufzubauen.  Und das alles nur wegen einer Waschprozedur auf fremden Terrain.

Spätabends kamen wir meist schon ziemlich geschlaucht in den Herbergen an. Nun folgte die Zubereitung des Abendessens - dem Darhan. Jeden Abend wurden mehrere Frauen dafür eingeteilt.  Natürlich nahm es gewisse Zeit in Anspruch bis das ganze Abendmahl-Ritual zu Ende war. Danach kam der eigentliche Höhepunkt jedes Tages: Bata

Wie bereits erwähnt bestand das Programm aus dem Besuch von mehreren Grabstätten berühmter Heiliger. Täglich gab es einen Heiligen, bis auf eine Frau waren alle männlich, dem der Tag gewidmet wurde. Dieser Heilige gab durch dafür trainierte Personen an jeden einzelnen persönliche Botschaften. In spirituellen Kreisen auch als Channeling bekannt. Siehe dazu Artikel von Karin Graser unter der Rubrik Spirit. Diese Durchsagen waren es, die die meisten Teilnehmer dazu bewogen an dieser Pilgerreise mit zu fahren. So kam eine Familie mit zwei kleinen Söhnen, wobei der eineinhalbjährige nicht gehen kann. Ein junger Mann hatte Krebs und wollte die Ursache wissen als auch Gesundung erfahren. Ein anderer war privat als auch beruflich in einer entscheidenden Lebenslage und erhoffte sich hilfreiche Antworten. Nicht das hier Fragen laut gestellt wurden. Nein. Jedoch waren die durchgegebenen Botschaften stets Antworten auf jene Fragen, die das Herz im Stillen stellte.
 

Feedback von Teilnehmern

Kasachstan ist eine Reise wert  -  von Gerda Forcher
 
Die sogenannten Zufälle haben mir die Kasachstanreise zugeführt. Ich habe nur Kasachstan gehört und etwas in mir hat sofort Sehnsucht nach diesem Land bekommen.
Das, was ich von dieser Reise tief in mir mitgenommen habe waren folgende zwei Erlebnisse: Der Ausflug zum „Nabel der Erde", wo ich für mich das erste Mal gespürt was Freiheit und Miteinander bedeutet. Wir wurden dort von einer Schamanin nicht gerade freundlich empfangen. Sie sprach nur kasachisch und unsere Dolmetscherin wollte diese Worte nicht übersetzen. Nach einigen Reinigungsritualen war der Abschluß dieses Besuches etwas, dass sich tief in mir eingeprägt hat. Diese 93 jährige Schamanin war mit uns auf den Berg, der als "Nabel der Erde" bekannt ist, geklettert, es ging gerade die Sonne unter, wir standen verstreut auf  diesem Berg und in mir stieg das Gefühl von Freiheit - Weite - Gemeinsamkeit auf -  einfach unbeschreiblich.
Das zweite für mich tiefe Erlebnis war der Besuch des Berges Vater-Mutter. Mythen erzählen, dass dieser Berg eine enorme Reinigunskraft hat und man beim Durchqueren der Felsspalte Falbeltiere wie Schlangen und ähnliches sehen kann. Manche Menschen wird erzählt schaffen es nicht durch die Felsspalte, bleiben stecken, verletzen sich etc. Als ich an der Reihe war hatte ich das Gefühl, der Fels bestehe aus Samt und bei der kleinsten Berührung von mir, wich er zurück. Ich spürte plötzlich das Einssein mit der Erde. Einssein mit den Felsen. Einssein mit der Natur.
Ich weiss, ich fahre wieder nach Kasachstan.
 

Meine wichtigsten Eindrücke von Kasachstan - Peter Walchars

Für mich war der erste Tag der beeindruckendste, als uns die alte Schamanin
mitteilte warum wir eigentlich dorthin gefahren sind. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl ich müßte nach Kasachstan, wußte aber nie ganz genau warum. Erst als Sie uns mitteilte, dass unsere Ahnen uns dorthin geführt haben und viele von Ihnen wieder durch diese Pilgerreise ins Licht gekommen sind, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und machte es
einigermaßen erträglich die Strapazen auf mich zu nehmen.

 

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