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Patchworkfamilie – Teil 1

Foto: Eugen Kment Autor: Maria Neuberger-Schmidt am 01. Jul 2011
Olivers Sticheleien
Als Karin ihrem Mann zum Geburtstag ein After-Shave Set schenkt, meint der 11—jährige Oliver provokant: „So etwas habe ich gestern im Müll gesehen!“ Als der Vater so tut, als hätte er diese Bemerkung nicht gehört, gerät die junge Frau außer sich, weil sie sich von ihrem Stiefsohn angegriffen und von ihrem Mann im Stich gelassen fühlt.

© Bild: Eugen Kment

Sie empört sich über die verspürte Gemeinheit und Schlechtigkeit dieses Kindes, das ihr das Zusammenleben in der Familie immer schwieriger macht – und tritt damit einen ernsten Beziehungskonflikt los.

Vorsicht Teufelskreis!

Wenn Menschen sich angegriffen fühlen, glauben sie oft, nicht anders handeln zu können. Die Handlung oder Bemerkung des anderen wird als Grund und Legitimation für die eigene Reaktion gerechtfertigt – und der schönste Teufelskreis beginnt sich zu drehen. Doch immer haben wir die Wahl, wie wir auf etwas reagieren. Immer haben wir die Wahl, aus einem Teufelskreis auszusteigen – und immer trägt jeder die Verantwortung dafür, ob er es für seinen Teil tut oder nicht.

Nicht auf jede Provokation einsteigen

Wie wäre es gewesen, hätte Karin ihrem Stiefsohn selbstbewusst geantwortet: „Anscheinend gefällt dir dieses Set nicht. Hauptsache, deinem Vater gefällt es.“ Ende der Debatte, weil Karin auf die Provokation nicht einsteigt.

Negative Gefühle können sich erst wandeln, wenn sie angenommen werden

Oder sie nimmt die Gelegenheit wahr, um offen Olivers Ablehnung anzusprechen, z.B.: „Anscheinend gefällt dir gar nichts, was ich tu. Überhaupt habe ich den Eindruck, du magst mich nicht.“  Ohne beleidigt zu sein könnte Karin versuchen, die negativen Gefühle des Kindes zu akzeptieren. Denn erst wenn sie ausgesprochen und angenommen werden, können sie sich wandeln.

Wunsch und Zuversicht ausdrücken

„Unser Familienleben könnte viel schöner sein, wenn es uns gelingt, eine gute Beziehung zueinander aufzubauen.“ Karin könnte auch noch eine positive Beziehungsbotschaft senden, vielleicht sogar gekoppelt mit einer authentischen Ich-Botschaft: „Weißt du, eigentlich mag ich dich recht gern. Aber wenn du derartige Meldungen von dir gibst, fühle ich mich einfach verletzt.“ Oliver wäre von einer solchen Reaktion sicher überrascht  – und vielleicht könnte Karin damit das Tauwetter in ihrer Beziehung zum Stiefsohn einleiten.

 

Mag. Maria Neuberger-Schmidt, Tel.: 0043 (0)1/66 22 006

Kostenfreie Beratung bei Trennung und Scheidung

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