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Patchworkfamilie - Teil 2 - "Olivers Sticheleien"

Autor: Maria Neuberger-Schmidt am 08. Jul 2011
Die Annahme der Ablehnung

Und hat der freche Oliver so viel Wohlwollen überhaupt verdient? Kommt es darauf an? Wollen Sie eine Lösung oder einen Schuldigen?

Auf Angriff mit Klarheit und Wohlwollen reagieren

Das erfordert immer, dass wir über den eigenen Schatten springen, unabhängig davon, ob es sich der andere verdient oder nicht.

© Bild: Eugen Kment

Mensch zu lieben, die nett zu einem sind, ist keine Kunst. In der Bibel steht: „Ihr aber sollt auch eure Feinde lieben“ Das sind genau die Menschen, mit denen wir Schwierigkeiten haben. Es geht darum, auf Angriffe nicht mit Gegenangriff sondern mit Klarheit und Wohlwollen zu reagieren. Wir sind auf dieser Welt, um lieben zu lernen – auch unsere Feinde. Wenn dies gelingt, dann findet echte Entwicklung statt, zu unserem eigenen Heil und dem unserer Familie, unserer Umwelt, unserer Gesellschaft. Und es wirkt ansteckend.

Die Annahme der negativen Gefühle

Der Weg zum Herzen der Stiefkinder führt über die Annahme der Ablehnung, die sich in den Sticheleien und negativen Gefühlen äußert. Konsequent betrieben, hört jedes Kind einmal damit auf, böse zu sein und der Weg zu einer herzlichen, echten Beziehung wird geebnet – ganz sicherlich, auch wenn es manchmal Jahre dauern kann, bis eine Besserung spürbar wird. Solche Erfolge sind die wahren Errungenschaften des Lebens.

In unserem Beispiel sind die Erwachsenen in Wahrheit emotionale Kinder, nicht weniger als der kleine Oliver. Was hat sich Karin eigentlich erwartet? Nach all den emotionalen Turbulenzen, die Oliver nach der Trennung seiner Eltern bereits durchgemacht hat?

Auch wir Erwachsene sind oft emotionale Kinder

Schön wäre es, Olivers Vater hätte eine reifere und geschicktere Art, bei den Zwistigkeiten zwischen seinem Sohn und seiner Frau zu intervenieren. Aber auch er ist überfordert. Karin müsste ihn erst mit Geduld dahin führen, ihr zu vertrauen, indem sie kompetent auf all die Boshaftigkeiten seines Sohnes reagiert. Das heißt noch lange nicht, sich alles gefallen zu lassen. Aber sie kann den Ball anders zurückgeben, als er gekommen ist, um eine Trendwende einzuleiten.

Auch die Sicht von Olivers Vater ist verständlich. Jede Kritik seiner Frau seinem Sohn gegenüber löst in ihm den Schutzreflex aus, ob sie gerechtfertigt ist oder nicht. Daher wäre Karin gut beraten, sie würde darauf verzichten, Kurt die Fehler seines Sohne unter die Nase zu reiben. Denn sie wird nicht Unterstützung sondern Verteidigung erleben. – Auch in Situationen, in denen der Vater ansonsten sehr wahrscheinlich von sich aus seinem Sohn Grenzen gesetzt hätte.

Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung

Als Karin Kurt heiratete, war sie überzeugt davon, dass es ihr gelingen würde, seinem Sohn Oliver eine gute Stiefmutter zu sein. Doch der Junge teile nicht ihre Begeisterung. Er will von der neuen Frau an der Seite seines Vaters und eigentlich auch von den zwei nachkommenden kleinen Geschwistern nichts wissen, die ihm den ersten Rang bei seinem Vater streitig machen.

Es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen, bei denen der Vater die Partei seines Sohnes ergreift und seine Frau beim Ringen um die Autorität gegenüber ihrem Stiefsohn im Stich lässt.

Wenn sich dieses Paar nicht Unterstützung holt, um ihre „Patchwork“ Konflikte zu lösen, wird es für sie und die Kinder immer schwieriger, ein harmonisches Familienleben zu gestalten, bei dem sich alle Beteiligten wohl fühlen und entwickeln können.

Mag. Maria Neuberger-Schmidt, Tel. +43 (0)676 41 555 38

www.elternwerkstatt.at

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