Autor: Günter Nöll am 08. Apr 2009 Fette und „Fette“ Fakten, Überlegungen, Bemerkungen zum Thema Fettsucht Sucht - laut Brockhaus (von althochdeutsch „Suht“, "siech", also Krankheit, krank): Abhängigkeit des Organismus von einem Betäubungs- oder Rauschmittel, die im ausgeprägten Stadium zu krankhaftem Verlangen gesteigert ist – nach WHO: ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, der durch wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge hervorgerufen wird und zu folgenden psychischen, körperlichen, pharmakologischen und sozialen Phänomenen führt: 1) psychische Abhängigkeit, d.h. ein unbezwingbares, gieriges Verlangen, die Einnahme der Droge fortzusetzen und sich diese unter allen Umständen zu beschaffen; 2) Als Sucht im erweiterten Sinne wird dort auch die Fettsucht aufgelistet, aber bezeichnender Weise den „stoffungebundenen Verhaltensstörungen“ zugerechnet. Was sich die WHO dabei gedacht hat, ist für mich nicht so ganz nachvollziehbar. |
Fährt man morgens mit "Öffis", also Straßenbahn, Bus oder U-Bahn, so fällt besonders die überproportional zunehmende Zahl fettsüchtiger Schulkinder auf (jedes fünfte, in manchen Schulen sogar jedes dritte – ob Bub oder Mädel): sie zwängen sich mit Mühe durch die Türen, aber nicht nur ob ihres übermäßigen Körpervolumens, sondern weil sie gleichzeitig noch einen "fetten" Hamburger etc. verdrücken müssen, den sie am Kiosk bei der Haltestelle eben erstanden haben. Nach einer Station steigen sie schon wieder aus: ein paar hundert Meter zu Fuß zu gehen, ist für sie einfach schon zu viel, in jeder Hinsicht!
„Man ist, was man isst!“ Und Dicke sind nun mal - auch in der Öffentlichkeit - fast immer mit Essen beschäftigt oder damit, irgendwelche übersüßten Drinks zu schlürfen. Demgegenüber: begegnet man Joggern, so sind die fast durchwegs spindeldürr. Und die sowieso schon Schlanken sieht man in der Öffentlichkeit fast nie essen, allenfalls an ihrer Wasserflasche nuckeln.
Fettsucht gehört mit Rauchen und noch vor Alkoholmissbrauch zu den drei wichtigsten legalen Süchten. Demgegenüber sind die illegalen (Drogen-)Süchtigen zahlenmäßig weit abgeschlagen: eine Randgruppe, mit der man besser nichts zu tun haben möchte. Obwohl inzwischen von öffentlicher Seite her Maßnahmen ergriffen wurden, die durch Rauchen verursachten Schäden in Grenzen zu halten, sieht es hinsichtlich Alkohol, vor allem aber ungesunder Ernährung und ungesundem Lebensstil noch recht dilettantisch und - gelinde gesagt - "zurückhaltend" aus. Ein wesentlicher Grund: der Staat verdient in allen drei Bereichen kräftig mit am Konsum. Bei den Rauchern hat sich allerdings ein überraschendes Zwischenergebnis eingestellt: sie - vor allem die starken Raucher - belasten unser Gesundheitssystem finanziell offenbar weniger als die Nichtraucher; denn die leben länger! Also wieder zurück zur Zigaretten-Werbung! (die war doch eigentlich schon von der Bildfläche verschwunden!?) Bei der Fettsucht dürften solche Milchmädchenrechnungen allerdings nicht aufgehen, noch dazu, wo sich diese Suchtwelle erst so recht im Anrollen befindet: in Österreich ist erst jeder 10. wirklich krankhaft fettsüchtig, wenn auch mit stark steigender Tendenz. Und da wir in solchen Dingen den USA in der Regel um einige Jahre hinter her hinken: dort ist bereits jeder 5. "obese".
„Man ist, was man isst“ - ist es wirklich so einfach?
Gerade bei der Fettsucht sicherlich nicht! Natürlich gibt es die drei "Säulen": nicht mehr (an Kalorien) zu sich zu nehmen als man wirklich verbraucht; hinreichend Bewegung, und zwar täglich - und sich glücklich preisen, wenn man mit einigermaßen brauchbaren Genen ausgestattet ist! Doch spätestens hier wird es schon ziemlich kompliziert und trickreich, um nicht zu sagen nebulös und undurchsichtig. Hier mag auch ein wesentlicher Grund dafür zu finden sein, dass von öffentlicher Seite gegen die Fettsucht-Welle immer noch zu wenig getan wird und im Verlauf der Jahre auch immer wieder einander widersprechende Ernährungsempfehlungen ausgegeben werden: das Ursachen-Wirkungsgefüge bei der Fettsucht ist offenbar weitaus komplizierter und komplexer als bei Rauchen und Alkohol; denn essen und trinken müssen wir nun einfach alle – rauchen oder Alkohol konsumieren keineswegs. Ich möchte in den kommenden Folgen auf einige der weniger vordergründigen (Mit-)Ursachen der Fettsucht eingehen und eher unvermutete und erstaunliche Zusammenhänge aufzeigen.
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