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Gesundheit und ErnährungDruckversion:

Natürliche Ernährung - Wurzel unserer Gesundheit Teil 7

Beinwell - Dem Bauern sind die hübschen Blüten des Beinwell ein Dorn im Auge Autor: Günter Nöll am 16. Mär 2010
Nahrung, die uns gesund macht –
Nahrung, die uns krank macht.

„Gleich einem Schwamm saugt unser Verstand hastig und wahllos in sich auf, was sich ihm als erstes anbietet. Und alles Folgende nimmt von hier seinen Ausgang: Irrtümer behalten die Oberhand und werden nicht mehr berichtigt.“
Francis Bacon, 1623

Von zwei  Blättern des Beinwell wird eine Rückseite mit Frischkäse bestrichen

Nahrung, die uns gesund macht - Nahrung, die uns krank macht.

Kriterien für unsere Ernährung - Falle oder Chance?

Reptilienhirn

Vielfach sind es überlieferte Gewohnheiten, die unser Essverhalten bestimmen - Traditionen, die nie wieder genauer hinterfragt werden! Wir Menschen essen gerne das, woran wir uns gewöhnt haben – oder anders ausgedrückt: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!“ Was er aber kennt, das hat er in seiner frühesten Kindheit kennen gelernt: was wir als erstes lernen und beobachten, das übernehmen wir und behalten es bei, wie richtig oder falsch es auch sein mag!

Unser „Reptilienhirn“ sagt uns dann für den Rest unseres Lebens:

Es war immer schon so, und deshalb muss es auch immer so bleiben! Sind solche frühen Erlebnisse verbunden mit bestimmten Gerüchen oder einem spezifischen Geschmack, so werden sie ganz direkt mit unserem Stammhirn „verdrahtet“ und kommen gar nicht in unser Bewusstsein, aber sie wirken – unbewusst: als verführerischer Bratenduft oder in Gestalt jener „Madeleines“ (ovale Sandtörtchen) seiner Tante Léonie, getaucht in Lindenblütentee, wie es Marcel Proust so wunderbar und vor allem so präzise in seiner „Suche nach der verlorenen Zeit“ beschrieben hat – als hätte er schon vor 100 Jahren die Ergebnisse moderner Hirnforschung alle gekannt!

Vor etwa 500 Jahren importiert - die Kartoffel und die Tomate.

Würden wir solche Gewohnheiten gelegentlich hinterfragen, so würde manches relativiert: Vor knapp 500 Jahren kamen mit den zahlreichen Entdeckungsfahrten nach Columbus zwei Pflanzen nach Europa, die es bis dahin hier nie gegeben hatte – beides Nachtschattengewächse, weshalb die eine bis vor gut 200 Jahren, die andere bis vor 100 Jahren im wesentlichen nur als Zierpflanzen wegen ihrer hübschen Blüten und Früchte weitergezüchtet wurden, aber wegen ihrer potentiellen Giftigkeit als Nahrungsmittel kaum in Betracht kamen -  die Kartoffel und die Tomate.

Vor 250 Jahren wurde dann die Kartoffel per Dekret u.a. von Friedrich dem Großen bei uns als „Volksnahrungsmittel“ eingeführt, zunächst nur, um die durch Weizenmissernten gefährdete Schlagkraft des preußischen Heeres weiterhin zu garantieren. Der „Alte Fritz“ hat die Kartoffeln seinen „Langen Lulatschen“ sogar eigenhändig hinuntergeprügelt, weil sie diese nicht „fressen“ wollten!
Vor 100 Jahren begann man, auch die Tomate – gekocht und geschält ob ihrer vermuteten Giftigkeit – in die Ernährung mit einzubeziehen – erst seit gut 50 Jahren wird sie nun bei uns auch roh gegessen. Beide Pflanzen sind nach wie vor grün bzw. in keimendem Zustand giftig, wenn auch nicht mehr so gravierend wie ihre wilden Vorfahren aus Peru.

Aber: eine ganze Reihe von Rheumatikern sagt, sie hätten weniger Probleme, seit sie diese Pflanzen aus ihrem Speiseplan gestrichen hätten – leider gibt es hierzu viel zu wenige bis gar keine wissenschaftlichen Untersuchungen, sie sind allerdings auch nur äußerst schwer durchzuführen. Eines jedoch ist sicher: 250 Jahre, also etwa 10 Generationen, sind nach evolutionären  Zeitmaßstäben eine äußerst kurze Spanne, um einigermaßen sichere Erkenntnisse über die Langzeitfolgen von Nahrungsmitteln zu gewinnen. Ich bin überzeugt, dass manche so genannte „Erbkrankheit“ in Wirklichkeit auf nicht weniger strikt von Generation zu Generation weitertradierten falschen Ernährungsgewohnheiten beruht.

Vielfalt und Abwechslung!

Umgekehrt führt wissenschaftliches Halbwissen ebenfalls nur allzu leicht zu unausgegorenen Entscheidungen: gebackene Beinwell-Blätter werden seit vielen Jahrhunderten (z.B. in der Schweiz) gegessen, ebenso die gedünsteten Wurzeln dieser Pflanze („Schwarzwurzeln“ – nicht zu verwechseln mit der „Spanischen Schwarzwurzel“ Scorzonera hispanica !), die allerdings mehr noch zu Heilzwecken verwendet wurden – vgl. den Ausspruch des Hippokrates zu Beginn der ersten Folge.

Und nie wurden Schäden an Menschen oder Tieren festgestellt – gerade das Gegenteil war ja der Fall! Nun hat man aber vor einigen Jahren in „Tierversuchen“ festgestellt, dass diese Pflanzen (ebenso wie Huflattich, Boretsch etc.) so genannte Pyrrolizidinalkaloide enthalten, die in größeren Mengen  zu Leberschäden/Leberkrebs führen können (in eben diesen Tierversuchen) – und: man verbot kurzerhand, diese seit langem in Apotheken* angebotene Pflanze weiterhin dort zu verkaufen (zunächst galt dies uneingeschränkt, inzwischen betrifft es nur noch die innerliche Anwendung). I

Ich will solche Entscheidungen hier nicht im Detail diskutieren – vieles wäre in diesem Zusammenhang zu sagen. Das Hauptproblem liegt bei Pyrrolizidinalkaloiden ebenso wie bei den eben erwähnten Nachtschattengewächsen darin, ob wir sie tagtäglich jahraus jahrein über zig Jahre hinweg bedenkenlos zu uns nehmen – als unser „tägliches Brot“ – um schließlich die entsprechende Quittung serviert zu bekommen – gerade dann, wenn wir unseren Lebensabend „gesund und unbeschwert“ genießen möchten.

Über ein ganzes Leben hinweg summieren sich eben auch sehr kleine Fehler, während sporadische, vielleicht sogar weitaus gravierendere Ausrutscher weit weniger folgenschwer sind. Für den steinzeitlichen „Jäger und Sammler“ gab es derart einseitige Reduzierungen auf bestimmte Nahrungsmittel überhaupt nicht, dem machte zumindest in nichtäquatorialen Breiten schon der jahreszeitliche Wechsel im Pflanzen- und Tierangebot einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

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Helmut Brauner

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