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Müssen Kinder folgen? "Erziehung ist (k)ein Kinderspiel"

Foto: Eugen Kment Autor: Maria Neuberger-Schmidt am 13. Okt 2011
Müssen Kinder folgen?

Wir möchten Kinder nicht zu Untertanen und Befehlsempfängern erziehen, sondern zu selbstbewussten und willensstarken Persönlichkeiten, die sich im Leben durchsetzen können. In Anbetracht dessen stellt sich die Frage, ob es uns überhaupt zusteht, von Kindern Gehorsam zu verlangen...

© Bild: Eugen Kment

Wir möchten Kinder nicht zu Untertanen und Befehlsempfängern erziehen, sondern zu selbstbewussten und willensstarken Persönlichkeiten, die sich im Leben durchsetzen können. In Anbetracht dessen stellt sich die Frage, ob es uns überhaupt zusteht, von Kindern Gehorsam zu verlangen. Wir wollen den Willen des Kindes ja nicht brechen! In vielen Eltern kommen Zweifel auf, ob sie dieses Ansinnen überhaupt einfordern können. Es löst Aversionen aus, weil es dem eigenen Ideal von Freiheit und Unabhängigkeit widerspricht oder weil manche das Leid der Unterdrückung aus eigener bitterer Erfahrung kennen und ihren Kindern nicht antun wollen. Schon allein das Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren...“ ist für viele ein Reizwort.

Wie direktiv dürfen Eltern sein?

Umgekehrt scheint es wohltuend selbstverständlich, wenn Ihr Kind der Aufforderung „Bleib vor der Ampel stehen!“ „Geh bitte Zähne putzen!“ „Räum jetzt deine Spielsachen ein!“ Folge leistet. Aber was ist, wenn nicht? Gesunde Kinder entwickeln nun einmal ihren Eigenwillen. Wie direktiv dürfen Eltern sein? Die moderne Psychologie hat einen wertschätzenden, partnerschaftlichen Erziehungsstil propagiert, der Kinder von klein auf als gleichberechtigte Partner anerkennt. Das hat viel Gutes. Was aber antworte ich meinem Nachwuchs, wenn er auf mein Verbot, einen bestimmten Film anzusehen, argumentiert: „Aber du siehst dir doch auch an, was du willst!“ Bei Gleichberechtigung dürfte ich ihm doch keine Vorschriften machen! Was tun wenn meinem Kind trotz Diskussionen die Einsicht fehlt? Wenn alltägliche Abläufe enormen Stress verursachen, lassen sich unkontrollierte Reaktionen erst recht nicht immer vermeiden.

Unsicherheit in Autoriätsfragen

Kinder spüren diese Unsicherheit und werden zunehmend übermütig, unfolgsam, widerspenstig, ja sogar boshaft. Bei allem und jedem heißt es „Ich will aber nicht!“ oder „Spääääter!“. Alles wird mühsam. Es entsteht der Eindruck, als hätte sich die junge Generation gegen die ältere verschworen. Nichts wird angenommen, viel gefordert. Das ungeschriebene Gesetz lautet häufig: alle Rechten den Kindern, alle Pflichten den Erwachsenen.

Auch noch so liberale Eltern fühlen sich nicht ernst genommen, wenn ihre höfliche Bitte, endlich die Spielsachen einzuräumen, ignoriert wird, oder das Kind nicht zu motivieren ist, sich endlich anzuziehen. Tägliche Abläufe werden zum Spießrutenlauf, die Nerven liegen blank, die Freude am Nachwuchs geht verloren, wenn der Alltag nur als Kampf erlebt wird.

Willkürliche, aber nicht willensstarke Jugendliche

Später wird auch in wichtigeren Dingen nicht auf Eltern und Erzieher gehört, wenn es darum geht, Pflichten zu erfüllen, Vereinbarungen einzuhalten, Drogen zu meiden, etc. Eine chaotische Generation wächst heran, egoistisch, willkürlich, aber gar nicht so willensstark, wenn es darum geht, eigene Ziele zu finden, Ausdauer und Willensstärke zu beweisen, um diese zu erreichen. Draußen im Leben wird ihnen nicht mehr alles nachgesehen, sondern sie sind dem rauen Wind der Gesellschaft ausgesetzt, die Jugendliche ablehnt, wenn sie sich nicht integrieren können. Oft flüchten sie dann in die Scheinwelt der Ablenkungen, der Drogen oder gar in psychische Krankheiten.

Eltern müssen ihren Kindern mitgegeben, was sie brauchen, um sich im Leben zu orientieren.

Kinder haben ein Recht darauf, Eltern respektieren zu können

Kinder verlieren den Respekt, wenn sie zu ihren Eltern nicht aufschauen können, weil sie sie als schwach und hilflos erleben. Damit sind Kinder zutiefst überfordert: Manche Kinder werden aus Mitleid depressiv, die meisten aber reagieren aggressiv und es kommt sogar vor, dass Kinder ihre Eltern beschimpfen und schlagen – eigentlich aus tiefer Verzweiflung. Kinder haben ein Recht darauf, Eltern respektieren zu können. Aber dazu müssen Eltern dies vorleben und gelegentlich auch einfordern.

Kinder sind gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt.

Meine Ansicht lautet: Kinder sind gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt. Sie haben das gleiche Recht, ebenso mit Würde und Wertschätzung behandelt zu werden wie Erwachsene, aber sie haben nicht dieselben Rechte und Pflichten.

Die natürliche hierarchische Ordnung

Die Einhaltung der Ebenen des Respekts schafft Klarheit zwischen den Generationen.

Eltern und Kinder stehen in einer natürlichen hierarchischen Ordnung zueinander. Kinder müssen wissen, wer der Boss ist und wo’s lang geht. Wie in einem gut geführten Unternehmen. Kinder müssen auch ihre Wünsche und Meinungen einbringen können und darauf vertrauen dürfen, dass sie ernst genommen werden. Davon ist in vielen meiner Artikeln die Rede.

Der Wille der Kinder formt sich am Willen der Eltern, die um die wahren Bedürfnisse der Kinder wissen, zu ihren elterlichen Pflichten und ihrer Autorität stehen und ihren Kindern vermitteln: wir hören aufeinander: ich auf deine Gefühle und Bedürfnisse, du auf mein Wort.

Mag. Maria Neuberger-Schmidt

www.elternwerkstatt.at, Tel.: +43 (0)1/66 22 006


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