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Lösungsansätze für den Umgang mit chronisch respektlosen Menschen...

Psychotherapeutin Sabine Fischer - Foto: privat Autor: Sana Brauner am 01. Okt 2010
Natürlich kann man die anderen nicht ändern, aber man kann genau aufpassen welche Reaktion man setzt, wenn man respektlos behandelt wird.

Dieser Artikel ist die Antwort auf einen Kommentar zum Artikel:
Respekt ist Fundament für Beziehung - siehe Weblink

Respekt macht glücklich

Natürlich kann man die anderen nicht ändern, aber man kann genau aufpassen welche Reaktion man setzt, wenn man respektlos behandelt wird. Dies ist natürlich nicht immer einfach, da man unterschwellig oder offensichtlich attackiert wird und es uns automatisch in Verteidigungsmodus bringt. Deshalb hilft es sich selbst sehr wachsam zu beobachten und auf Warnsignale zu hören, ob man sich angegriffen fühlt. Wenn man unreflektiert auf verbale
Attacken reagiert ist das Ergebnis meist wenig zufrieden stellend.

Selbstsicherheit ist ein Schlüssel, um auch respektvoll behandelt zu werden

Mit Selbstsicherheit merkt man feine Zeichen von Respektlosigkeit sofort und kann reagieren.
Selbstsicherheit heißt schnell hinterfragen zu können, wie viel die Situation mit mir selbst zu tun hat und Dinge nicht gleich persönlich zu nehmen. Oft sind andere gerade in stressigen Situationen und lassen ihre Emotionen auf den anderen aus.
Schnell entscheiden zu können, in welcher Situation man sich gerade befindet ist sehr wichtig, da es in jeder Situation anders ist. Mit der Zeit bekommt man Erfahrung mit verschiedensten Situationen und Menschen.
Manchmal ist es notwenig gewisse Menschen zu meiden, oder sich selbst behutsam aus der Situation zu nehmen, um Emotionen abzukühlen. Dies ist natürlich schwieriger, je näher man mit Jemandem in Beziehung steht, da man persönlicher involviert ist.

Respektloses Getratsche über andere hilft eine Verbundenheit zwischen diesen Personen zu schaffen. Wir denken gleich und fühlen uns als die Überlegenen. Wenn man in solche Situationen gerät, kann man sich abgrenzen, und das Thema in eine andere Richtung lenken.

Nichteinhalten von Terminen und Verspätung

Bei Nichteinhalten von Terminen und Verspätung, ist es wichtig den anderen immer wissen zu lassen, welche Gefühle sie damit auslösen. Wenn man seine Gefühle dosiert mitteilt, spricht man den natürlichen tief liegenden Instinkt von Menschen an, zu gefallen. Ich Botschaften sind hier sehr hilfreich. Der Andere wird sich nicht unbedingt bessern, aber zumindest wird ein Feedback gegeben und man ist sich selbst treu geblieben.

Es gibt Menschen, die chronisch respektlos sind und die man nicht vermeiden kann. Hier ein besseres Umgehen miteinander zu schaffen, bedeutet Arbeit. Oft ist es nur mit Hilfe eines außen stehenden Experten möglich, weil man selbst so nah dran steht. Der Experte bringt eine andere Sichtweise ins Miteinander und hilft die richtigen Abgrenzungsmöglichkeiten zu finden.

Es ist oft erstaunlich, wie viel sich verändern kann, wenn man aus alten Mustern aussteigt und die eigene Rolle verändert. Wenn sich eine Person in einer Beziehung verändert, muss der andere sich automatisch mit verändern, da die Reaktionen andere sind. Dies gilt für jegliche Art von Beziehungen. Wenn sich dann langsam beginnt, etwas zu verändern und man sich
dadurch besser fühlt, hat die positive Spirale begonnen.

Sabine Fischer
Psychotherapeutin
Einzel-, und Paartherapie
tiergestützte Psychotherapie

www.fischer-psychotherapie.at
 

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Kommentare
Danke für die wertvollen Tipps
Autor: Irmgard Brottrager am 2010-10-02 11:09:24

Liebe Sana, liebe Frau Fischer,

vielen Dank für diese wertvollen Tipps!

Erst gestern habe ich mir gedacht, dass man eigentlich nicht verletzt wird, sondern sich selbst verletzt, indem man nicht aufpasst bzw. eine Gefahr nicht erkennt. Chronisch respektlose Menschen erkennt man ja eigentlich schon von weitem, nur gesteht man sich diese Erkenntnis nicht vollständig ein, weil es gesellschaftlich verpönt scheint, im Kontakt mit "unangenehmen" Menschen nicht nur vorsichtig zu sein, sondern sie möglichst komplett zu meiden. Dies wird dann als Überheblichkeit oder Arroganz ausgelegt, so als seien einem die anderen nicht "gut genug", um sich mit ihnen abzugeben. Es ist aber mein gutes Recht, auf mich zu achten und nicht zuzulassen, dass meine Interessen übergangen werden. Wenn mich z.B. einer überhaupt nicht zu Wort kommen lässt oder mir nicht zuhört oder mir nicht antwortet, so kann ich den Dialog aus Selbstachtungsgründen (eigentlich) nicht weiterführen, und wenn ich es dennoch tue, werde ich mich schlecht fühlen. Kommt jemand mit aufdringlicher, aggressiver oder aufgeblasener Körpersprache daher, kann ich nicht erwarten, dass er offen ist für meine Regungen. Und manchmal kommt es zu richtigen Attacken, körperlicher, materieller oder verbaler Art. Vermutlich, weil jede Haltung, die man einnimmt, automatisch eine Gegenhaltung zu einer gegenteiligen Ansicht ist und es daher immer jemanden geben kann, der sich betroffen fühlt. Die Faktoren, die Aggressionen auslösen, können ganz simple Dinge sein, es reicht manchmal schon ein "zu" kurzer Haarschnitt oder die "falsche" Art von Stiefel, die jemanden aufregen könnten. Man muss eigentlich immer damit rechnen, dass jemand aufhüpft und eine Antipathiekundgebung loswerden möchte. Je mehr man sich aus dem Mainstream ausklinkt, umso eher besteht die Gefahr, dass das jemandem nicht gefällt. Denn jede Entscheidung für "mich selber" ist zugleich eine Absage an die Gepflogenheiten der Gruppe, in der ich mich gerade befinde. Essen alle zu Mittag Wurstsemmeln, nur ich nicht, so wirkt das irritierend, wie eine versteckte Kritik. Gehe ich in "zu vielen" Dingen meine eigenen Wege, wird das nicht goutiert und manchmal auch bestraft.

Ein weiterer Grund für Respektlosigkeit ist m.E., dass den meisten Menschen nicht klar ist, dass ihre eigene Perspektive nicht die einzige ist, die es gibt. Wenn jemand ihre Sichtweisen oder ihr Weltbild in Frage stellt, fühlen sich sich daher schnell angegriffen und reagieren entsprechend heftig. Sie können verschiedene Meinungen und Lebenshaltungen nicht zwanglos nebeneinander stehen lassen. Sie reden daher auch nicht in der Ich-Form, weil sie nicht differenzieren können zwischen "Ich" und "Du". Ist das "Du" offensichtlich anders als sie selbst, können sie es nicht respektieren, sondern sie müssen es irgendwie bekämpfen. Und dann treten sie schroff und aggressiv auf, werden abwertend oder feindselig. Besonders "gefährlich" sind Situationen, wo einer etwas anders macht als üblich oder neue Wege beschreitet oder sehr von etwas überzeugt ist. Heute regt sich keiner mehr über flache Dächer auf, aber irgendwann war fast jede Modernisierung ein Skandal, der die Gemüter bewegte.

Das Wichtigste, das ich aus Eurem Artikel entnehme, ist, dass ich meine Gesprächspartner besser einschätzen kann und dass ich dafür verantwortlich bin, alle Gespräche so zu gestalten, dass es mir gut dabei geht. Was in schwierigen Fällen durchaus zu einer Kunst ausarten kann, aber das macht ja nichts. Es ist auch für Kommunikationsprofis oft nicht einfach, Gespräche so zu führen oder zu lenken, dass die Stimmung gewahrt bleibt und keiner zu Schaden kommt. Natürlich nimmt man auch vieles zu persönlich und überlegt sich zu wenig, wie sich die respektlose Person denn generell verhält. Oft steckt ja auch eine gewisse Ahnungslosigkeit dahinter, je jünger ein Mensch ist, umso eher neigt er zu Frechheiten und Verurteilungen. Und man muss sich fragen, wo die eigene Toleranzgrenze ist. Manche Menschen lassen sich Fäkalausdrücke und Beschimpfungen ohne weiteres bieten, aber wenn diese "Klangfarbe" nicht zum eigenen Klangspektrum passt, kann man sie auch ablehnen. Das ist wie mit dem Rauch. Manche Nichtraucher haben überhaupt kein Problem damit, sich einqualmen zu lassen, aber wenn ich den Gestank nicht leiden kann und mir die Augen brennen, dann muss ich mir das nicht antun.

Zum letzten Absatz: Ja, oft genügt einfach eine Bewusstseinsveränderung, man muss sonst gar nichts tun. Sobald ich auf respektlose Menschen nicht mehr "reinfalle", sondern sie erstens rechtzeitig erkenne und zweitens ihre Erregungen nicht "übernehme", wird der Kontakt automatisch anders ablaufen. Wobei mir gleich noch etwas auffällt: Respektlose Menschen sind nicht entspannt, sondern sie stehen irgendwie unter Strom. Was mir gleich als erstes Warnsignal dienen könnte ... Denn Respekt hat etwas mit Lassen-können, also Gelassenheit zu tun, mit Aufmerksamkeit, Offenheit und Neugierde den Mitmenschen gegenüber. Respektlosigkeit hingegen ist eine Schutz- und Abwehrhaltung ...

Liebe Grüße, Irmgard Brottrager

 

 


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