Der weit über die Grenzen Deutschlands bekannte Eisbär des Berliner Zoos ist am Samstag, 19.3., im Alter von nur 4 Jahren ganz plötzlich verstorben. Eine Obduktion hat bis jetzt erwiesen, dass es „gewisse Veränderungen“ in seinem Gehirn gegeben habe, die angeblich Ursache für den plötzlichen Tod waren.
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Des einen Freud – des anderen Leid
Knut, der am 5. Dezember 2006, das Licht der Welt erblickte, wurde von seinem Pfleger Thomas Dörflein mit viel Liebe von Hand aufgezogen. Ohne diesen „Eingriff in die Natur“ wäre Knut schon kurz nach seiner Geburt gestorben, weil ihn seine Mutter Tosca verstoßen hatte. Und damit begann für den Eisbären sein Leidensweg.
Zu Anfang lebte er in einer ungewöhnlich innigen Verbindung mit seinem Pfleger und Ziehvater Thomas Dörflein, bis Knut 2008 seinen besten Freund verlor, als Dörfler ebenso plötzlich wie nun Knut an einem Herzinfarkt starb. Dieses Ereignis wird für den einsamen Bären ein Trauma gewesen sein – denn danach hatte er sich immer mehr zurückgezogen. Des Weiteren hatte er eine Zwangs-Ehe mit der Eisbärin Gianna über sich ergehen lassen müssen, was jedoch in einer Scheidung endete, weil die Bärin sich nicht mit Knut vertrug. Eine ähnliche Abweisung erlitt er durch die Eisbären-Damen Tosca, Katjuscha und Nancy, die ihn bis zum Schluss mobbten, tyrannisierten und sogar attackierten, dass er kaum noch einen Ausweg sah. Stress pur! Damit war allerdings auch das vom Zoo geplante Begattungs-Projekt mit den drei Damen hinfällig. Als wäre das alles noch nicht stressreich genug, wurde er tagtäglich von Tausenden von Schaulustigen, die ihn fotografierten, ihm zuwinkten und ihm wer weiß was alles zuriefen mit dem Ergebnis, dass Knut anfing, die Besucher nachzuahmen, was ein Hinweis für seine gravierende Verhaltensstörung war. Das haut doch den stärksten Bären um - wen würde das alles nicht irgendwann verrückt machen?
Publikumsliebling und Goldgrube für den Berliner Zoo
Als Publikumsmagnet lockte Knut seit seiner Geburt Millionen von Besuchern in den Zoologischen Garten, dass die Kassen dort nur so klingelten. Wurde das Geld, das Knut verdiente, in das Gehege investiert, in ein halbwegs artgerechtes Eisbären-Zuhause. Nein! Aber nicht nur für den Berliner Zoo war Knut ein „Goldesel“, auch für Souvenir-Artikel-Hersteller, Film und Fernsehbranche wussten, Knut und seine Geschichte erfolgreich zu vermarkten.
Selbst jetzt noch nach seinem Tod zeigt Zoo-Chef Blaszkiewitz kein Erbarmen. Nun wird noch Knuts „Fell versoffen“ und als Präparat im Naturkundemuseum zur Schau gestellt. Der Berliner Zoo hat seine Entscheidung damit gerechtfertigt, „da es ja nicht mehr so viele Eisbären gibt“. Eine wirklich clevere Idee seitens der Zooleitung, denn nun werden weiterhin Besucherströme zu erwarten sein – eine richtig Goldgrube, dieser Knut. Na ja, wenigstens bekommt der Arme das nun nicht mehr mit!
Kritischer Blick auf die sogenannte artgerechte Tierhaltung in Zoos
Mit dem plötzlichen, viel zu jungen Ableben sollte die Haltung von Wildtieren in Zoos endlich einmal kritisch überprüft werden, so wie es verschiedene namhaften Tierschutzorganisationen bereits zuvor immer wieder gefordert hatten, was jedoch seitens der Zoos bisher ignoriert wird. Unter anderem wurde eine umfangreiche Eisbärenstudie von PETA Deutschland e.V. in Berlin vorgestellt, mit der das Auslaufen der Eisbärenhaltung gefordert wurde – ohne Erfolg! (Aber wen interessiert das schon, solange die Kasse stimmt?!)
Insbesondere PETA hatte auch die Verantwortlichen des Berliner Zoos in den vergangenen Jahren mehrmals auf das Leiden und die Verhaltensstörungen von Knut aufmerksam gemacht und auf die Notwendigkeit einer Umsiedelung in ein anderes größeres Gehege hingewiesen. Das „Mobbing“ der drei Eisbärinnen waren enorm traumatisierend, denn Knut konnte den Beiß-Attacken ja nicht entfliehen. Auch auf die Nachteile einer Handaufzucht von Knut wurde aufmerksam gemacht, denn von Hand aufgezogene Wildtiere sind auf den Menschen geprägt und nicht auf das Zusammenleben mit Artgenossen vorbereitet. Sie zeigen wesentlich häufiger Verhaltensstörungen als Tiere, die von ihren Müttern großgezogen werden.
Die aufrichtige Gewissens-Frage, die sich jeder „tierliebe“ Besucher eines Zoo – gerade auch nach den aktuellen Ereignissen – endlich einmal stellen sollte, müsste lauten: Kann ein Tier, das hinter Gittern sitzt, jemals Freude haben und sich wohl fühlen? Kann ein verantwortungsbewusster Mensch so etwas zulassen? Hat der Mensch das Recht, diesen wunderbaren Mitgeschöpfen die Freiheit zu nehmen, nur um die eigenen Bedürfnisse zu stillen?
Weltweite Trauer um den kuscheligen „Superstar“
Die Nachricht von Knuts Tod verbreitete sich rasend schnell – die ganze Welt trauert, so scheint es. Ob bei Facebook, Youtube oder Twitter – überall Betroffenheit und Beileidsbekunden in zahlreichen Sprachen. Internationale Medien berichten darüber, Fassungslosigkeit und Trauer bei all seinen „Fans“!
Wie blind können Menschen eigentlich sein, sich selbst als Tierfreunde zu bezeichnen und gleichzeitig die Qualen und Leiden von Tieren hinter Gittern nicht zu sehen – nicht mitzufühlen.
Knut hatte wenig Freude in seinem kurzen Leben!
Ich jedenfalls bin froh für Knut, dass sein Leiden ein Ende hat. So ein Leben, das er zu führen gezwungen wurde - das alle Zoo- und Zirkustiere durch uns Menschen zu leben gezwungen werden -, würde ich keinem Freund wünschen!
Gute Reise nach Hause, kleiner Knut – nun bist Du endlich frei!
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