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Kampagne-Erfolg nach Aufruf: Todschicke Jeans kosten Menschenleben

Sandgestrahlten Jeans - Foto: Clean Clothes Autor: Sana Brauner am 01. Jul 2011
Um Jeans einen modisch abgenutzten Look zu verleihen, wenden Bekleidungsunternehmen noch immer die Sandstrahltechnik an und riskieren so die Gesundheit der ArbeiterInnen. Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April veröffentlicht die Clean Clothes Kampagne eine Liste für KonsumentInnen, die zeigt, wie sich Markenfirmen zur Sandstrahltechnik positionieren

Kampagneerfolg:
New Yorker und Orsay verzichten auf Sandstrahltechnik


Nachdem die Clean Clothes Kampagne im April  - siehe unten stehenden Artikel vom
08. Apr 2011 - bekannt gemacht hat, dass Jeanshersteller bei der Produktion mit der Sandstrahltechnik die Gesundheit von türkischen ArbeiterInnen massiv gefährden, teilten New Yorker und Orsay der Clean Clothes Kampagne nun mit, dass sie auf diese Technik verzichten wollen.

Tausende KonsumentInnen aus ganz Europa haben seit dem 8. April, dem Weltgesundheitstag, Protest-E-Mails an Unternehmen geschickt, die bisher das Sandstrahlen in ihrer Zulieferketten nicht verboten hatten oder sich nicht dazu äußerten. Die italienischen Luxusmarken Armani, Versace, Dolce&Gabbana und Roberto Cavalli haben trotz der Protestaktionen bisher nicht reagiert. New Yorker und Orsay aber folgten dem Beispiel vieler Jeanshersteller und Modefirmen und wollen nun ein Verbot der Sandstrahltechnik in ihren Zulieferketten einführen.

Die Reaktionen von New Yorker und Orsay sind ein echter Erfolg für die betroffenenen Arbeiterinnen und Arbeiter!“, freut sich Philip Doyle von der Clean Clothes Kampagne Österreich. Nun bleibe aber abzuwarten, wie die Unternehmen das Verbot der Sandstrahltechnik wirkungsvoll umsetzen und überprüfen werden. Außerdem habe sich kein Unternehmen – auch von denen, die schon vor Monaten ein Verbot der Sandstrahltechnik erlassen hat –bisher dazu bereit erklärt, Verantwortung für die ArbeiterInnen zu übernehmen. Die Clean Clothes Kampagne fordert alle Unternehmen auf, die oftmals prekär beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter kostenlos zu untersuchen, Erkrankte medizinisch zu versorgen und finanziell zu entschädigen“ so Doyle.

Sandstrahlarbeiter - Foto: Clean Clothes

Artikel vom 08. Apr 2011:

Das Geschäft mit den modischen Sandstrahl-Jeans ist für Markenfirmen ein profitables Geschäft – die Kosten für das Sandstrahlen in der Türkei sind extrem gering, der Umsatz, der mit solchen Hosen gemacht wird, hingegen hoch. Den ArbeiterInnen allerdings können diese todschicken Jeans das Leben oder zumindest die Gesundheit kosten. Mit Schläuchen richten sie quarzhältigen Sand mit Hochdruck auf bestimmte Stellen des Stoffes. Dabei gelangen Unmengen von Sandstaub in die Luft und - ohne ausreichende Schutzkleidung, wie es vielerorts üblich ist - in die Lungen. Dort verursacht er schnell und mit hoher Wahrscheinlichkeit die unheilbare und oft zum Tod führende Krankheit Silikose (Staublunge).

Das türkische Solidaritätskomitee für SandstrahlerInnen schätzt, dass alleine in der Türkei 4000-5000 ArbeiterInnen von der Krankheit betroffen sind; 46 ArbeiterInnen kostete der Modetrend bereits das Leben. Adulhalim Demir, ein Aktivist dieses Komitees befürchtet, dass die Dunkelziffer sogar deutlich höher liegen dürfte.
Er arbeitete selbst nur ein Jahr lang als Sandstrahler für Leke Jeans, einem Zulieferbetrieb von Tommy Hilfiger und erkrankte rasch an Silikose: Bereits 46 Prozent meiner Lunge sind zerstört. Ich kann keine körperlich belastende Arbeit mehr machen. Ich kann nicht laufen. Ich bekomme schwer Luft und kann nicht gut sprechen.“ Adulhalim Demir ist arbeitsunfähig, aber er setzt sich nun für seine KollegInnen ein. 

Aufgrund des enormen Gesundheitsrisikos hat die Türkei das Sandstrahlen von Jeans im März 2009 gesetzlich verboten. Auch in der Bekleidungsbranche gibt es erste positive Signale.

Ein Teil der Modebranche reagiert
Über 20 Markenfirmen haben in der Zwischenzeit reagiert und öffentlich ein Sandstrahlverbot für ihre Jeansprodukte erlassen, darunter bekannte Namen wie C&A, Mango, H&M, Levi Strauss & CO., Burberry und Vero Moda.

Luxusmarken und Billigketten unbeeindruckt
Luxusmarken zeigen sich aber weiterhin unbeeindruckt von den Forderungen der Clean Clothes Kampagne. Einzig Gucci hat reagiert, sich öffentlich zu einem Sandstrahlverbot bekannt und in Zusammenarbeit mit lokalen Gewerkschaften eine Untersuchung eingeleitet. Armani, Dolce&Gabbana, Roberto Cavalli und Versace hüllen sich in Schweigen, ebenso die Billigkette Orsay. Die Trendmarke New Yorker, mit 842 Filialen in 31 Ländern vertreten, schrieb der Clean Clothes Kampagne, dass sie die von ihren Zulieferern angewandte Sandstrahltechnik vorerst nicht explizit verbieten werde. Es ist beschämend, dass Unternehmen wie New Yorker das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter mit diesem Modetrend wissentlich aufs Spiel setzen und, dass Luxusmarken wie Armani die Forderung völlig ignorieren“ empört sich Philip Doyle von der Clean Clothes Kampagne und fährt fort: Zwar ist es ein erster Teilerfolg, dass viele Unternehmen ein öffentliches Sandstrahlverbot erlassen haben, doch darf das Engagement nicht dort aufhören. Firmen müssen jetzt mit geeigneten Maßnahmen das Verbot lückenlos durchsetzen. Und sie müssen Verantwortung für bereits erkrankte ArbeiterInnen übernehmen. So weit geht bis jetzt noch kein Unternehmen.“

Nur die Spitze des Eisbergs
In Bangladesch boomt die Jeansindustrie und die Situation ist ähnlich dramatisch wie in der Türkei. Netzwerkpartner der Clean Clothes Kampagne schätzen, dass es dort bereits mehrere hundert Kleinfabriken gibt, die Jeans sandstrahlen. Die Zahl der betroffenen ArbeiterInnen dürfte um ein Vielfaches höher sein, als die der offiziell registrierten Fälle.

KonsumentInnen erhalten jetzt Kaufhilfe
Um Jeans-KäuferInnen eine Orientierungshilfe zu geben, hat die Clean Clothes Kampagne eine Liste erstellt, die zeigt, wie sich Markenfirmen zur Sandstrahltechnik positionieren. Die Clean Clothes Kampagne ruft KonsumentInnen auf, konsequent in den Läden nachzufragen und nur Jeans zu kaufen, die nicht sandgestrahlt wurden. Zudem lanciert die Clean Clothes Kampagne anlässlich des Weltgesundheitstages eine Online-Protestaktion gegen die Ignoranten unter den Firmen.

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