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Hypnose als Machtmittel oder als Hilfsmittel? - Teil 3

Harald Mizerovsky, Dipl. HMI Autor: Harald Mizerovsky am 26. Jul 2009
Auch Kinder und Jugendliche stehen heute oft vor Aufgaben, die sie scheinbar, ohne fremde Hilfe, nicht lösen können. Sei es der Druck in der Schule, die Angst bei der Prüfung versagen zu können oder auch die emotionale Betroffenheit, weil Mama und Papa schon wieder streiten. Es können aber auch ganz banale Ängste, wie die Angst vor dem Zahnarzt sein, die Kinder beschäftigt. Im Prinzip handelt es sich um die selben Blockaden und Hemmungen, die Erwachsene erleben, allerdings werden diese oft noch weniger kommuniziert, weil das Kind noch nicht gelernt hat darüber zu reden oder sich für diese Emotionen schämt.

Für Eltern, Lehrer und andere Helfer ist auch oft die Ursache der Probleme nicht bekannt und es werden nur die Symptome behandelt.

Am Beispiel Nachhilfe wird die Symptombehandlung klar: Wenn die schulischen Leistungen nachlassen, wird die Nachhilfe bestellt. Nun wird nicht mehr nur in der Schule gepaukt, sondern auch noch zu Hause und mit Hilfe der Nachhilfelehrer rund um die Uhr gelernt. Sehr oft stellt sich aber keine Verbesserung der Leistung, sondern sogar noch eine Verschlechterung der Leistung ein. Das Kind ist verzweifelt, es zweifelt an sich selbst. Die Eltern sind verzweifelt, sie zweifeln an ihren Kindern und an ihren Erziehungsmethoden. Die Nachhilfelehrer glauben zumindest einen guten Job zu machen, weil zu Hause bei der Probeschularbeit können die Kinder meistens die Lernziele auch erreichen, nur in der Schule klappt es nicht. Damit wird das Kind noch mehr in die Problemtrance hineingezogen und glaubt von sich selbst, dumm zu sein, was das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein sinken lässt.

Die Lehrer in der Schule hinterfragen ihre eigenen Leistung nicht.

Dabei sollte sich jeder Lehrer in Frage stellen, wenn ein Schüler oder mehrere in ihrem Unterricht die Lernziele nicht erreichen können. Ich habe noch nie einen Zusammenhang zwischen schulischer Leistung und Intelligenz feststellen können. Schulische Bestleistungen haben mit Spaß am Lernen, mit Neugier und Interesse zu tun, aber keinesfalls sind sie ein Gradmesser für Intelligenz. Es hat mit Lernatmosphäre und Sympathie zu tun. Der Lehrer muss Vertrauen aufbauen, um seinen Schülern etwas lernen zu können. Lehrer sollten auf die unterschiedlichen Lerntypen eingehen und den Lehrstoff interessant und spannend gestalten. Menschen lernen am besten, wenn sie gar nicht das Gefühl haben, etwas Neues zu lernen, wenn sie spielerisch aus Eigeninteresse lernen und dieses zu wecken, ist Aufgabe der Lehrer.

Ein Fallbeispiel, das ich vor langer Zeit mit einer Nachhilfeschülerin erlebt habe, zeigt den Zusammenhang von Ursache und Wirkung sehr schön: Eine Mutter war schon verzweifelt, weil ihre elfjährige Tochter in der Schule einfach zu dumm war. Das Mädchen glaubte von sich selbst dumm zu sein und ihr Selbstbewusstsein war am Boden. Die Mutter hatte schon einen Lehrer, einen Studenten und einen Schulpsychologen um Hilfe gebeten und alle drei kamen aber zum Schluß, dass das Mädchen ein hoffnungsloser Fall sei. Sie können sich die Verzweiflung in der Familie vorstellen. Das Mädchen war unreif und unsicher in ihrem gesamten Verhalten. Die Eltern konnten weder schreiben noch lesen und die Mutter verwöhnte ihre Tochter täglich mit Schokolade. Darüber hinaus war nicht genug Geld in der Haushaltskassa vorhanden, um dem Mädchen ein altersentsprechendes Outfit zu kaufen. In der Schule wurde das Mädchen von den Mitschülern und sogar von manchen Lehrern aufgrund ihres andersartigen Verhaltens nicht ernst genommen und als dumm verkauft. Letztendlich glaubten schon alle Menschen, rund um das Mädchen, dass es einfach dumm sei und die Schule niemals schaffen werde.

Ich begann mit dem Mädchen suggestiv zu arbeiten, um sie auf die nächste Mathematik Schularbeit vorzubereiten. Sie durfte Bilder malen, wie sie sich selbst als beste Schülern in Mathematik bei der Prüfung an der Tafel sehen konnte. Sie malte ihre MitschülerInnen, die sogar applaudierten, weil sie jede Aufgabe, mit Leichtigkeit und selbstbewussten Auftreten lösen konnte. Die Schokolade wurde vom Ernährungsplan gestrichen und durch Vollkornbrot und Obst ersetzt. Ich erklärte dem Mädchen den Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und Leistungs- bzw. Konzentrationsfähigkeit. Die Mutter wurde gebeten das Mädchen anlässlich des bevorstehenden Geburtstages zum Friseur zu schicken, ihr eine coole Jean und neue T-Shirts zu kaufen. Um die Merkfähigkeit zu erhöhen baute ich einen Geruchs- und Geschmacksanker ein. Das Mädchen trank immer, wenn es Mathematik lernte eine bestimmte Sorte Kräutertee, um den Lernstoff mit dem Geruch und den Geschmack des Tees zu verbinden und bekam den Auftrag, diesen Tee auch in den Pausen vor Schularbeiten und Prüfungen in Mathematik zu trinken. Damit schafft man eine Erinnerung zum Erlernten (was man als Anker bezeichnet).

Ich brachte ihr bei, wie sie durch Autosuggestionen ihr Selbstbewusstsein und ihre Leistungsfähigkeit steigern kann. Sie formulierte sich Sätze wie: „Ich bin die Beste in Mathematik und alle meine Mitschüler bewundern mich deswegen.“ Sie stellte sich vor dem Einschlafen bildhaft vor, wie ihre Lehrer zu den schulischen Leistungen gratulieren und sie anlächeln. Sie brachte ihre selbstgemalten Bilder oberhalb des Bettes an, wo sie diese jeden Tag beim Aufstehen und Schlafengehen sehen konnte.

Nach relativ kurzer Zeit, es waren ca. 6 Wochen vergangen, ging das Mädchen gerne zur Schule, freute sich auf die Reaktionen der MitschülerInnen auf ihr „neues“ Verhalten und ihr hübsches Outfit und lernte gerne Mathematik. Schon die nächste Schularbeit war ein befriedigender Erfolg und drei Monate später war sie tatsächlich die Beste ihrer Klasse in Mathematik. Sie erklärte mir auch warum: „Ja Herr Lehrer, ich bin jetzt so gut in der Schule, weil ich täglich ein Glas Milch trinke und ein Vollkornbrot als Jause in der Schule mit habe und weil ich täglich das selbst gemalte Plakat bei meinem Bett sehe!“

Von ihrem Umfeld bekam sie nur noch Lob und Bewunderung und es wurde ein selbstbewusster Teenager aus ihr. Heute studiert sie Medizin.

Was kann man aus diesem Fallbeispiel für die hypnotische Arbeit mit Kindern lernen?

1.) Kinder und Jugendliche reagieren aufgrund ihrer bildhaften Vorstellungskraft und kindlichen Phantasie viel besser und schneller als Erwachsene auf positive Bilder und Autosuggestionen.

2.) Kinder gehen viel lieber als Erwachsene in eine Tagtrance, wo sie sich die Welt so vorstellen können, wie es ihnen gefällt (Selbsterfüllende Prophezeiung).

3.) Kinder und Jugendliche können sich sehr rasch neue Realitäten ausdenken und erschaffen, um Problemlösungen kreativ zu erarbeiten. Es laufen ganze Filme in ihrem Kopf ab.

4.) Wer schon als Kind lernt sich mit Selbsthypnose zu helfen, kann dieses Instrument ein Leben lang positiv für sich nutzen.


5.) Das Wort Hypnose sollte bei der Arbeit mit Kindern nicht verwendet werden, weil es vielleicht mit negativen Comicfiguren verbunden wird. Schon bei Walt Disney wird Hypnose immer als Machtmittel in die Geschichten eingebaut und alle Comiczeichner der Welt stellen Hypnose falsch dar, was natürliche Ängste entstehen lässt.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern viel Erfolg beim Bilder malen.

Harald Mizerovsky, Dipl. HMI

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