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Hilfe bei Rheuma (Teil 2) - Allgemeiner Überblick

Rheuma Foto by_Uta-Herbert_pixelio.de Autor: Thomas Schwingenschlögl am 16. Feb 2010
Unter dem Begriff "Rheuma" fasst man alle länger anhaltenden Schmerzen und Funktionsstörungen am Bewegungsapparat zusammen.
Rheuma - die Krankheit mit vielen Gesichtern: Fast zwei Millionen Österreicher sind davon betroffen! Der folgende Beitrag gibt Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Rheumaarten und die neuesten Behandlungsmethoden.

© Bild: Uta Herbert / PIXELIO

Ab dreißig leiden die Gelenke unter Abnutzung

Die Gelenksabnützung (=Arthrose) ist die mit Abstand häufigste Gelenkserkrankung und eine wahre Volksplage. Erste Symptome der Arthrose treten oft schon im Alter von dreißig Jahren auf - zu einem Zeitpunkt, wo die wenigsten Menschen darin die Ursache für ihre Gelenksbeschwerden vermuten. Die Früherkennung ist besonders wichtig, da Verschleißerscheinungen lange Zeit unbemerkt bleiben. Treten erst einmal starke Schmerzen auf, ist die Erkrankung bereits weit vorgeschritten.
Betroffen sind vor allem die Gelenke, die wir am meisten beanspruchen: die durch das Körpergewicht belasteten Gelenke der Beine wie Knie-, Hüft- und Sprunggelenke. Zur zweiten großen Gruppe zählen Hand-, Finger- und Zehengelenke.

Symptome, auf die Sie achten müssen:
· Anlaufschmerzen nach längerem Sitzen und Liegen
· Gelenkssteifigkeit
· Gelenksgeräusche bei Belastung
· Bewegungseinschränkung
· Plötzliche Bewegungsausfälle
· Kraftlosigkeit
Wer dieses Stadium nicht ernst nimmt und behandelt, muß mit deutlichen Gelenksdeformierungen, Schwellungen und Dauerschmerzen rechnen.

Weichteilrheuma

Während Arthrosen und Gelenksentzündungen sich im Inneren unserer Gelenke abspielen, befällt der Weichteilrheumatismus jene Strukturen, die außerhalb unserer Gelenke und Knochen liegen, also unsere Weichteile.
Weichteilrheuma kann in jedem Lebensalter auftreten und ist die mit Abstand häufigste Form von Rheuma.
In den meisten Fällen tritt er nur lokalisiert auf. Der Tennisellbogen ist ebenso wie Muskelverspannungen im Nacken und Sehnenscheidenentzündungen der Hände ein typisches Beispiel einer solchen Erkrankung.

Manchmal dehnen sich die Beschwerden auf den ganzen Körper aus, es schmerzt einfach überall. Experten sprechen vom Fibromyalgie-Syndrom.
Diese Krankheit ist durch großflächige Muskelschmerzen am ganzen Körper mit zusätzlichen typischen Druckschmerzpunkten charakterisiert. Die Betroffenen sind oft extrem berührungsempfindlich. Die Beschwerden können von Tag zu Tag bezüglich Lokalisation und Intensität sehr variieren, manchmal schmerzt einfach alles. Dazu kommen eine starke Müdigkeit und Erschöpfung schon auf geringe körperliche und geistige Belastungen, Schlafstörungen, Angstgefühle, Depressionen aber auch andere vegetative Störungen wie Reizdarm, Reizblase und Schweißausbrüche. Schmerzen und Müdigkeit sind oft so stark, daß die Betroffenen kaum noch arbeitsfähig sind. Die Lebensqualität ist massiv beeinträchtigt.
Das Tückische an der Fibromyalgie ist, dass selbst bei oft sehr ausgeprägten Beschwerden alle Untersuchungen wie Labor, Röntgen oder Ultraschall völlig unauffällig sind. Weichteilrheumatismus läßt sich nur durch eine gründliche klinische Untersuchung von einem Rheumaspezialisten eindeutig feststellen.

Immuntherapie bei Gelenksentzündungen

Bei Gelenksentzündungen wie der rheumatoiden Arthritis, bei Schuppenflechte und bei Morbus Bechterew kommen in erster Linie sogenannte "Basismedikamente" zum Einsatz. Diese Arzneien drosseln das überaktive Immunsystem und bringen es auf ein gesundes normales Niveau. Entzündungen in den Gelenken und Wirbelsäule lassen schlagartig nach.

Speziell die Entwicklung von neuen Substanzen, die die entzündlichen Botenstoffe unseres Immunsystems blockieren, wie die TNF-Alpha- Blocker, haben zu einer Revolutionierung der Therapie geführt. Jetzt können mit zwei neuen Medikamenten die aggressiven Zellen des Immunsystems (B- und T-Zellen) auch direkt beeinflusst werden. Ebenso sind andere Botenstoffe unseres Immunsystems wie Interleukin 1, 6 oder 12 neue Ziele für die Rheumatherapie.
Alle diese neuen "biologischen Medikamente" werden als Infusion verabreicht, oder der Patient kann sich die Substanzen selbst unter die Haut spritzen, ähnlich einer Thromboseprophylaxe. Die Biologika führen oft zu einem völligen Stillstand der Entzündung in Gelenken und Wirbelsäule. Wirkung und Verträglichkeit sind ausgezeichnet.

Schmerztherapie

Antirheumatika und Analgetika wirken entzündungshemmend und schmerzstillend und sind neben einer Basistherapie ein wesentlicher Bestandteil jeder Behandlung.
Neben der oralen Einnahme von Antirheumatika zur zeitweiligen Schmerzbekämpfung hat sich gerade bei akuten Schüben die Gabe von antirheumatischen Infusionen mit hochdosiertem Vitamin-B-Komplex zur raschen Unterdrückung der Beschwerden besonders bewährt. Im akuten Stadium kommt teilweise auch Kortison in kleinen Mengen zum Einsatz. Die lokale Verabreichung von geringen Dosen direkt in die entzündeten Gelenke ist dabei besonders wirksam.

Knorpelschutzpräparate

Bei jeder Art von Arthrose sollten Knorpelaufbaumittel unbedingt zum Einsatz kommen. Sie bewirken eine Zunahme der Beweglichkeit, eine Schmerzlinderung und damit eine Verbesserung der Lebensqualität.
Bei großen Gelenken wie Knie, Hüfte, Sprunggelenke und Schulter hat sich die intraartikuläre (direkt in das Gelenk verabreichte) Injektion von Hyaluronsäure bestens bewährt. Bei richtiger Durchführung ist dies auch kaum schmerzhaft. In den letzten Jahren werden mit dieser Therapiemethode auch Daumensattel- und Großzehengrundgelenke erfolgreich behandelt.
Zwei Zyklen einer Therapieserie im Jahresabstand sind von der Wirkung auf Schmerz und Funktionsfähigkeit der Gelenke jeder anderen medikamentösen Therapie überlegen.
Für die kleinen Finger- und Zehengelenke haben sich Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat und der IL-1 Inhibitor Diacerein als orale Medikamente bewährt. Die Verbindung von Entzündungshemmung und Knorpelaufbau führt in vielen Fällen zu einer deutlichen Funktionsverbesserung der Gelenke mit erheblich verminderten Beschwerden.

Individueller Therapieplan

Jeder Rheumapatient braucht sein individuelles Therapieschema. Dazu gehören neben den medikamentösen Therapien auch physikalische Behandlungen wie Massagen, Heilgymnastik und die Kurmedizin. Alternativ-medizinische Heilverfahren wie Akupunktur, Homöopathie, Magnetfeldtherapie, Chiropraktik und Neuraltherapie haben sich in den letzten Jahren zunehmend etabliert und können ideal mit der Schulmedizin kombiniert werden. Und auch die richtige Ernährung hilft bei der Behandlung mit.

Rheumapatienten kann in jedem Stadium geholfen werden. Eine frühe Diagnose erhöht die Chancen auf einen kompletten Stopp der Erkrankung. Wer also mehr als drei bis vier Wochen an rheumatischen Beschwerden leidet, sollte unbedingt einen Spezialisten aufsuchen.


 

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