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Herausforderung Kind

Die Erwartungen werdender Eltern entsprechen oft nicht der RealitätDie Erwartung Autor: Sana Brauner am 16. Feb 2010
Heutzutage denken Paare immer genauer darüber nach, ob sie überhaupt Kinder bekommen möchten. Wird die Frage trotz aller Gegenargumente mit Â"jaÂ" beantwortet, stellen sich weitere Fragen für das Paar: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Welchen Einfluss wird ein Kind auf die Karriere der Eltern haben? Ist ein Kind finanziell überhaupt leistbar?

Mütter bekommen ihre Kinder immer später

In den 1980iger Jahren lag das Alter jener Frauen, die ihr erstes Kind bekamen, noch bei ca. 25 Jahren, jetzt liegt es bei knapp 30 Jahren. Tendenz steigend. Ist die Entscheidung für eine Familie erst einmal gefallen, so laufen gerade jene Paare, die sich erst relativ spät für ein Kind entscheiden, Gefahr, die bevorstehende Familiengründung ausschließlich durch die rosarote Brille zu sehen.
Dabei übersehen sie oft, dass nicht nur die Fragen nach Geld und Karriere rechtzeitig geklärt
werden sollten, sondern auch andere Themen an Bedeutung gewinnen, beispielsweise: Wie
ändert sich das soziale Umfeld durch ein Kind? Wie geht frau damit um, nicht mehr
ausschließlich über die eigene Person und die eigenen Leistungen definiert zu werden,
sondern auch als Mama eines Kindergartenkindes oder Schulkindes? Wie ändert sich das
Verhalten von Freunden, Großeltern und des eigenen Partners, sobald das Kind auf der Welt
ist?

Fallen vermeiden

Michaela Sauer, selbst Mutter von zwei Kindern und Beziehungs- und Erziehungsberatung
und jahrelang in Expertenteams verschiedener Tageszeitungen tätig, kennt die Probleme,
die auf junge Eltern zukommen können, nur zu gut: „Mittlerweile gehört für so gut wie jedes
Paar ein Geburtsvorbereitungskurs in der Zeit der Schwangerschaft selbstverständlich dazu.
Auch über die Entwicklungsschritte, die das Kind in den ersten Jahren durchmachen wird,
sind die werdenden Eltern bestens informiert – aber über das Leben danach, das Leben zu
dritt, wird meist nur am Rande gesprochen.“

Buch „Ein Kind ändert alles“

In ihrem Buch „Ein Kind ändert alles“ bespricht sie die möglichen Konfliktfelder der neuen Dreisamkeit und gibt Tipps, wie diese Konflikte entweder vermieden oder zumindest leichter bewältigt werden können. Durch die Verwendung von Beispielen aus der Praxis, entweder aus dem eigenen Familienkreis oder aus ihrer beruflichen Erfahrung zeigt sie auf, worauf die Neo-Eltern nach der Geburt des Kindes achten sollten und gibt ihnen einen Leitfaden mit, wie sie das Familienglück auch wirklich genießen können, ohne in vermeidbaren Fallen des Elterndaseins zu tappen.

Neues Rollenbild

Bereits während der Schwangerschaft wird eine Frau oft von der erfolgreichen Karrierefrau
zur „Schwangeren“, später kann es sein, dass über sie oft nur noch als die Mutter ihres
Kindes gesprochen wird und ihr eigener Name dabei kaum noch erwähnt wird. Michaela
Sommer rät Frauen nach der Geburt auch darauf zu achten, sich nicht komplett von der
Mutterrolle vereinnahmen zu lassen, sondern sich selbst zwischendurch immer wieder etwas
zu gönnen. Auch die sozialen Beziehungen ändern sich. Das Familienglück kann eine
Belastung für viele Freundschaften darstellen, besonders dann, wenn die Freunde keine
Kinder haben und daher oft nicht verstehen, dass spontane Treffen mit der frischgebackenen
Mama nicht mehr so leicht möglich sind. Doch nicht nur die Freundschaften ändern sich,
auch die Beziehung zu den Großeltern des Kindes wird eine andere. Die gut gemeinte
Einmischung der Großeltern kann manchmal sogar eine veritable Ehekrise auslösen. In
beiden Fällen hilft das Gespräch, damit sich alle problemlos an die neue Rolle gewöhnen
können.

Weniger Zweisamkeit

Vor der Geburt eines Kindes haben die werdenden Eltern an alles gedacht, vom Wickeltisch
über den Kinderwagen und das Kinderbett. „Eines können sie allerdings am wenigsten
vorbereiten: sich selbst“. Bald schon wird das Paar feststellen, dass gemeinsame Abende ohne Kind eine Seltenheit sind. Sobald das Kind auf der Welt ist, sind sie hauptsächlich Eltern und kaum noch ein Liebespaar. „In vielen Beziehungen leidet die Qualität der Gespräche sehr. Die Themen über die gesprochen wird, verändern sich – weg von der Beschäftigung mit dem anderen hin zu organisatorischen Gesprächen“, weiß die Expertin. Sie rät, sich trotzdem immer wieder bewusst Zeit füreinander zu nehmen und Konflikte, die durch die neue Situation entstehen, unbedingt anzusprechen.

Konflikte und Tabuthemen nehmen zu

Gerade jene Paare, die sich das Leben zu dritt in den schönsten Farben ausgemalt haben,
müssen oft feststellen, dass ihre Erwartungen nicht eintreten und sind dann enttäuscht. Doch
oft wird über diese Gefühle nicht geredet und nach außen hin eine heile Welt demonstriert,
Probleme werden tot geschwiegen. Häufig werden die Gründe auch beim Partner gesucht,
Schuldzuweisungen und Überreaktionen sind die Folge. Die Konflikte zwischen den Eltern
steigen in der ersten Phase nach der Geburt des Kindes um 20 bis 30 %. Darf das Kind
etwas von den elterlichen Konflikten mitbekommen? Sollten diese aus Rücksicht auf das
Kind einfach hinuntergeschluckt werden? Die Autorin rät, sachliche und fair ausgetragene
Konflikte ruhig auch vor den Kindern auszutragen. „Wenn am Ende eines solchen Gesprächs
noch eine gute Lösung herauskommt und sich Mama und Papa danach wieder anlächeln,
können Kinder von diesem Konfliktverhalten sogar profitieren“, meint sie. Vor einem richtigen
emotionalen, impulsiven Streit sollte man Kinder jedoch schützen.

Nein zum Perfektionsmus

Das Familienleben kann stressig sein. Um diesen Stress zu reduzieren, ist es wichtig, sich
von dem Gedanken zu lösen, immer alles richtig machen zu müssen. Egal, wie die
Aufgabenaufteilung im Haushalt oder in der Kinderbetreuung aussieht, Gespräche helfen
auch hier. Vom reinen Liebesglück zu einem harmonischen Familienglück ist es ein weiter
weg – doch auf vieles kann ein Paar sich gut gemeinsam vorbereiten.

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