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Gefährlich & Gemein: Exotische Tiere im Wohnzimmer

Leguan Autor: Harald Ullmann am 20. Jun 2008

Tierbörsen sprießen wie Pilze aus dem Boden...
...und auch über das Internet blüht der Handel mit Schlangen, Kaimanen, Leguanen, Agamen, Spinnen, Chamäleons, Fröschen und vielen anderen Tieren. Längst hat sich, unbemerkt von der Öffentlichkeit, eine neue Nische der auf Gewinn-orientierten Händler aufgetan, die für die betroffenen Tiere in der Regel Elend, Siechtum und oftmals den frühzeitigen Tod bedeutet.

Wie Obst und Gemüse, aber nicht wie Lebewesen werden die Tiere angeboten:
Übereinander gestapelt, in sogenannte Heimchendosen verpackt, rücksichtslos, respektlos! Sammelwütige „Tierfreunde“ oder uninformierte Menschen: Sie kaufen/handeln mit fühlenden Lebewesen, doch ihr eigenes Mitgefühl scheint ihnen abhanden gekommen zu sein.

Auch Schildkröten vegetieren rücksichtslos, respektlos

Echsen in sogenannten Heimchendosen verpackt

Leguane in heimischen Parks ausgesetzt

Woher kommen die Tiere?

Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) wurden in 2006 allein nach Deutschland 94.373 Reptilien und 1351 Amphibien eingeführt. Erfasst sind hier aber nur die Tiere, die einen geschützten Status haben, also vom Aussterben bedroht sind. Die Zahl der nichtgeschützten Arten liegt um ein Vielfaches höher, das BfN drückt es wie folgt aus: „Die geschützten Arten machen maximal ein Fünftel des tatsächlichen Exoten-Imports aus“. Demnach sind in 2006 knapp 500.000 exotische Tiere nach Deutschland eingeführt worden. Dabei sind die illegalen Einfuhren noch gar nicht mitgerechnet. Denn durch die europäische Osterweiterung hat sich ein enormer illegaler Tierhandel entwickelt. In den Stuttgarter Nachrichten steht in der Ausgabe vom 19. Mai 2008 folgendes geschrieben: „Der illegale Handel mit Tieren wird weltweit so professionell betrieben wie der Drogenschmuggel“. Und weiter „… Die Tricks der Schmuggler scheinen unerschöpflich: Da werden kleine Schildkröten zu Hunderten eng im Koffer verschnürt, --- Leguane und Vögel in enge Plastikröhren gepackt oder seltene Frösche in Trinkflaschen gequetscht. Nach Schätzungen der Umweltschützer werden pro Jahr 38 Millionen Tiere im Wert von rund einer Milliarde Dollar aus Brasilien hinausgeschmuggelt“.

So gut wie alle exotischen Tiere werden aus ihren Ursprungsländern hergekarrt, um für den Rest ihres Lebens in deutschen Wohnzimmern in Gefangenschaft zu leben. Man spannt Netze über Biotope und nennt die sich darunter vermehrenden Tiere Nachzuchten anstatt Wildfänge. Doch egal ob Wildfang oder Nachzucht: Exotische Tiere über Tausende von Kilometern in Kisten „on Tour“ zu schicken, bedeutet immer extremes Tierleid und hohe Todesraten in Kauf zu nehmen.

Die Gefahren

In Deutschland werden immer mehr Tiere ausgesetzt oder sie entlaufen, und das betrifft keineswegs „nur“ Hunde und Katzen, sondern gerade auch exotische Tiere. Dabei können exotische Tiere sehr gefährlich für Menschen oder andere Tiere werden. Unfälle mit Riesenschlangen, Skorpionen, Vogelspinnen, Schlangen & Co. sind massiv im Ansteigen begriffen. Bedenkt man, dass das Gift einer bestimmten Art des Pfeilgiftfrosches ausreicht, um 10 Menschen zu töten, wird die Gefahr für die Öffentlichkeit deutlich.

Tierschutz

Während die Tierheime in Deutschland mit Hunden, Katzen, Nagetieren oder Vögeln überfüllt sind, stehen nun auch exotische Tiere vor den Tierheimtoren. Viele Halter erkennen, dass die Haltung von Schlangen & Co äußerst aufwendig und kostspielig ist. Die Haltung dieser hochsensiblen Lebewesen setzt enormes Fachwissen voraus und überschreitet sehr schnell das Budget der Tierhalter. Unkenntnis über die unterschiedlichen Anforderungen an Licht, Feuchtigkeit, Wärme, Belüftung, Substrat und vieles mehr führt zu Krankheit, Siechtum und schließlich zum Tod. Schlangen & Co sind nicht domestiziert, sie leiden extrem in Gefangenschaft hinter den Glaskästen und durch die unsachgemäße Behandlung des Tierhalters.
Tierschutz muss mehr zählen als die extravaganten Wünsche der Menschen. Wir brauchen nicht mehr Tiere, die in Gefangenschaft leben, sondern weniger!


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