Autor: Doris Getreuer am 06. Dez 2009 SchülerInnen, LehrerInnen wie der Regenbogen - sie erstrahlen in bunten Farben! Muss es erst regnen, um das wahrzunehmen?
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Gedanken … sind frei!
Da kann man nichts machen! Mit dem Stoff muss fortgefahren werden! Wie kommen die anderen dazü Meine Kollegin ist krank – natürlich wird nicht suppliert und ich stehe wieder allein in der Klasse – ich bin ja eh da … tsss.
Warum hab ich den Job als Integrationslehrerin angenommen? Ich dachte, da ist man immer zu zweit und kann so viel besser auf die Kinder eingehen – naja!
Wenn ich es jetzt für den einen erkläre, ist den anderen fad und ich weiß ganz genau, was denen dann wieder einfällt … Ich habe lauter Individuen vor mir – 25 – jedes braucht was anderes und ich bin allein – der Trottel vom Dienst, das Mädchen für alles – ein Lehrer halt!
Wie gerne würde ich auf diesen Schüler eingehen und herausfinden, welche Strategie dahinter steckt, um zu erkennen. Wie kommt er auf dieses Ergebnis? Ich könnte speziell auf ihn eingehen, in aller Ruhe ohne Zeitdruck. Ach, es läutet schon wieder!
„Schau, die Hausübungsbeispiele sind genau so, wie die, die wir in der Schule gerechnet haben, nur mit anderen Zahlen! Und wenn du es nicht verstehst, dann lerne es eben auswendig! Ich habe es wirklich schon oft genug erklärt!“
Was red ich da? Ich will das überhaupt nicht sagen, aber ...?
Erste Stunde Mathe, zweite Stunde Englisch, dritte Stunde Deutsch …. Was für eine Hetzjagd ... von einer Blume zur anderen oder von einem Kaktus zum anderen, je nachdem - nur ein bisschen antupfen … nein – nur nicht tief in die Materie eindringen, dafür ist keine Zeit! Wir müssen mit dem Stoff durchkommen! Schon Rudolf Steiner wusste - egal!
Gesetzt den Fall, ich schreibe einen Artikel und nach 50 Minuten läutet es – der Artikel wird vertagt, auf morgen: zuerst vertieft, dann rausgerissen – grauslich! Was mach ich dann mit meinem Schreibfluss?
Meine armen Schüler haben das jeden Tag, mindestens fünf mal. Dabei hätt ich es ja noch besser – ich hab es mir ja auch ausgesucht, einen Artikel zu schreiben – sie müssen, egal, ob sie wollen oder nicht! Es gibt so viele Möglichkeiten Schreiben zu lernen – aber nein – alle schreiben jetzt einen Artikel … und dann: „Na soooo kannst das aber nicht schreiben!“
Gibt es überhaupt noch Stunden, in denen die Schüler ihren Selbstausdruck üben können?
...in Zeichnen, wenn sie das malen müssen, was alle malen müssen?
...in Musik, wo kaum mehr gesungen wird?
Na gut, jetzt ist mir alles klar – kein Wunder, dass viele ihren Selbstausdruck in fast jeder Stunde lautstark und teilweise recht originell üben! Ich mag sie so sehr!
Außerdem, seit wann darf in der Schule Selbstausdruck geübt werden? Wo denk ich da schon wieder hin? Wäre ja auch blöd – woher sollten sie das überhaupt können, sie hätten ja sicher keine Idee, wie sie sich selbst ausdrücken sollten – es wird ja immer für sie ausgedrückt – frontal. In diesen Stunden müssen sich die Schüler ja um quasi nichts kümmern, sie können zuhören, beim Fenster rausschauen oder träumen … ja, vielleicht ein paar Fragen beantworten … Es spielt keine Rolle, ob sie hören wollen – sie haben zuzuhören- ob sie es können oder nicht!
Wann hab ich eigentlich gelernt zuzuhören? Was brauch ich, um wirklich zuhören zu können? Interesse ... der Mensch muss mir irgendwie sympathisch sein und ich muss ziemlich ausgeglichen sein ... einen relativ freien Kopf muss ich haben und das Herzal muss auch dabei sein, dann kann ich wirklich zuhören – hm – pubertierende Kinder …
400 : 100 = 5 …. „Falsch!“ Also, wenn ich denke, ich bin ja doch zu dumm, das zu verstehen, dann kann ich auch nicht zuhören …
Die Politik hört auch nicht besonders gut zu, nach dieser Negativkampagne der letzten Monate! Lehrer – faul, unfähig, arbeiten nichts ….
Jedenfalls, eines ist klar: Die Politik weiß! ...ist doch überhaupt nicht umzusetzen in diesem engen System! Ah, die nächste Kollegin ist krank … jaja, ich mach die Stunde allein – ich bin ja eh da und individualisieren und differenzieren tu ich auch – kein Problem ….
Warum glaubt die hohe Politik mit einer Runtermache verändern zu können?
Nörgeleien veränderten doch noch nie nachhaltig – Wertschätzung hingegen ….
Wertschätzung
Den SchülerInnen und vor allem demjenigen, der für sich weiß, dass 400 dividiert durch 100, 5 ergibt, gehört absolute Wertschätzung entgegengebracht! Sie wollen wahrgenommen werden!
Den LehrerInnen gehört absolute Wertschätzung entgegengebracht – sie haben in dieser Enge durchgehalten und ihr Bestes gegeben – sie wollen wahrgenommen werden!
Durch Wertschätzung wahrnehmen - den Regenbogen wahrnehmen, der durch die Sonne im Regen erstrahlt.
SchülerInnen, LehrerInnen wie der Regenbogen – es hat geregnet - lassen wir jetzt die Sonne durch!
hier geht es zu meinem Artikel Gedanken einer Lehrerin 2
Um Kommentare erstellen zu können, bitte einloggenZentrum für Reformpädagogik
Autor: Ernst Zlo am 2011-04-15 11:14:11
DANKE!
Zuerst gibt man dem Lehrer weder die Zeit noch die nötigen Werkzeuge in die Hand und dann deutet man vorwurfsvoll auf ihn, wenn etwas schiefgeht.
Ist doch seltsam, dass sich - nach Auswertung der letzten Pisastudie - SOFORT und ALLE darüber einig waren, dass sich die Methoden in den Ländern, in denen die Schüler viel besser waren, NICHT bei uns anwenden lassen.
p.S.: Selbst die Mathematik kann manchmal zweideutig sein.
3, 5, 7 ... was ist die nächste Zahl?
11
"FALSCH!
9 ... ist doch schlimm wenn einer nichtmal die ungeraden Zahlen kann..."
ABER: 11 ist AUCH richtig, weil es die nächste Primzahl in der Reihe der Primzahlen ist.
Moral: wer glaubt, dass es nur eindeutige Antworten gibt, fehlt immer. Und wer Kinder unterschätzt erst recht! (Die Auswirkungen, die eine Fehlbeurteilung = FehlURTEIL im Kind auslöst, sehen wir täglich)
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Autor: Doris Getreuer am 2011-04-15 13:08:08
Ja, Ernst, so ist das!
Allerdings lassen sich die Methoden aus anderen Ländern, in denen die SchülerInnen besser abgeschnitten haben, wirklich nicht bei uns anwenden!
Warum?
Die gesamte LehrerInnenausbildung müsste sich ändern!!! Dazu müsste es Professoren geben, die ihren Studenten individualisiertes, ganzheitliches, etc. Unterrichten nahebringen könnten, und zwar nicht nur in Theorie - es gibt sie bestimmt irgendwo in Österreich - sie werden nur leider nicht gefragt! ... also, mich hat z.B. noch keiner gefragt ... 
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Autor: Ernst Zlo am 2011-04-15 13:58:27
Und solange die sogenannten "alternativen" Lehrmethoden bei der Ausbildung eines Lehrers als "Trick für schwierige Fälle" ankommen, wird sich daran wenig ändern.
Dann macht man - wenn alles andere nicht funktioniert - mal 1 oder 2 Stunden ein wenig "Montessori", weil die hat so lustige Würferl oder "Steiner" und wenn das nicht klappt, ist halt das Kind schuld, und "man kann da nichts tun".
Solange der fundamentale Unterschied der alternativen Methoden "ich gehe vom Kind aus" zu "ich bringe irgendwie den Stoff durch" der herkömmlichen Methode nicht begriffen ist, wird sich da, so fürchte ich auch, nicht viel tun (lassen).
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Autor: Doris Getreuer am 2011-04-16 11:25:49
Ja - 
... deshalb hab ich ja auch die Träumerei ins Leben gerufen - ich denke, ich trage damit an einem Umdenken bei: http://www.zfr.at/schule_neu.php
Vielleicht magst du mir ja auch deinen Traum schicken?
Für mich, macht es keinen Sinn mehr, mich aufzuregen - ich habe mich genug aufgeregt ... 
Auf Schule - wie im Himmel auf Erden!
Alles Liebe!
Doris
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