Autor: Sana Brauner am 25. Sep 2010 Mit UNCLE BOONMEE - erinnert sich an seine früheren Leben gewann der ungewöhnlichste Beitrag des Filmfestvals Cannes 2010 die Goldene Palme.
|
Kurzinhalt
Uncle Boonmee leidet an Nierenversagen. Seine letzten Tage will er auf seinem Landgut im Nordosten Thailands verbringen, umgeben von Verwandten und Freunden, die ihn lieben. Dort taucht plötzlich der Geist seiner verstorbenen Frau auf, um für Boonmee zu sorgen. Auch sein lange verschollener Sohn kehrt zurück – in Gestalt eines Affen. Nachdem Boonmee über die Ursachen seiner Krankheit nachgedacht hat, bricht er mit seiner Familie zu einer Reise durch den Dschungel auf. Die endet in einer geheimnisvollen Berghöhle - dort, wo Boonmees erstes Leben begann.
Der Regisseur Apichatpong Weerasethakul über seinen Film
UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN ist eine Hommage an meine Heimat, aber auch an eine besondere Art Kino, mit der ich aufgewachsen bin. Ich glaube an Seelenwanderungen zwischen Menschen, Pflanzen Tieren und Geistern. Die Geschichte von Uncle Boonmee erzählt vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier, zugleich überwindet sie die Linie, die beide trennt. Wenn das Kino so etwas zeigt, wird es zur gemeinsamen Erinnerung von Filmcrew, Schauspielern und Öffentlichkeit. Die Erinnerung der Zuschauer erweitert sich um eine neue, wenn auch simulierte Schicht. In dieser Hinsicht funktioniert Filmemachen so ähnlich, als würde man künstliche vergangene Leben erschaffen. Ich möchte die Eingeweide dieser Zeitmaschine erforschen. Vielleicht sind dort geheimnisvolle Kräfte am Werk, die nur darauf warten, enthüllt zu werden. Manche Praktiken, die als Schwarze Magie abgetan wurden, sind inzwischen ja auch wissenschaftlich bestätigt worden. Für mich bleibt Filmemachen eine Quelle, deren Energie wir noch nicht wirklich genutzt haben. So, wie wir auch die inneren Vorgänge im Gehirn noch nicht wirklich erklärt haben.
Mich interessiert auch, wie Kulturen und Arten zerstört und ausgerottet werden. Weil ein Militärputsch den Nationalismus angefacht hat, stehen sich in Thailand in den letzten Jahren Ideologien unversöhnlich gegenüber. Es gibt nun eine staatliche Behörde, die sich als Moral-Polizei versteht. Unterdrücken will sie „unangemessene“ Aktivitäten und die Inhalte, um die es dabei geht. Auch damit steht die Geschichte Uncle Boonmees und seines Glaubens natürlich in Verbindung. Er verkörpert etwas, das im Verschwinden begriffen ist; etwas, das zerfällt wie jene alten Kinos, Theater und Schauspiel Stile, die nicht mehr in unsere Landschaft passen.
Um Kommentare erstellen zu können, bitte einloggenHilfe
Als Mitglied können Sie auf Facebook einen Kommentar posten. Dazu müssen Sie sich einloggen.





