Autor: Maria Neuberger-Schmidt am 17. Sep 2010 Szene im Supermarkt, Feinkost: Der schüchternen Erwin, 7, möchte eine Wurstsemmel. Sein Vater meint: "Komm, stell dich an, ich hole inzwischen Milch."
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Als Erwin an die Reihe kommt, traut er sich nichts zu sagen und fängt an zu weinen.
Sein Vater erscheint und sagt ungehalten: „Jetzt stell dich doch nicht so an. Sag doch endlich, was du willst.“ Jetzt verliert Erwin erst recht die Fassung. Die freundliche Verkäuferin errät die Not des Kindes: „Willst du vielleicht eine Wurstsemmel oder lieber eine Käsesemmel?“ Der Vater, geniert und ungehalten: „Geben Sie ihm eine Wurstsemmel, damit wir Ruhe haben!“ Die prägende Botschaft zwischen den Zeilen lautet eindeutig: „Du bist unfähig!“
Gefühle akzeptieren statt ausreden
Ein anderer Vater oder Mutter würde vielleicht meinen: „Du brauchst ich doch nicht zu fürchten! Da kann doch nichts passieren!“ Oder: „Komm mach schon! Da ist doch nichts dabei!“ Auch solch „tröstliche“ Aussagen vermitteln die Botschaft „du bist ein Trau-mich-nicht“. Der Vater bestätigt durch seine mitleidige Reaktion das schwache Selbstbild des Sohnes. Durch solch gut gemeinte, ungeduldige oder ungehaltene „Sei nicht so...“ Aussagen erreichen Eltern das Gegenteil: Das Kind wird noch unsicherer, fängt womöglich an zu stottern – und ein schwer zu durchbrechender Kreislauf beginnt.
Ernst nehmen und Verständnis zeigen
Wie alle Menschen, so sind auch Kinder von Natur aus verschieden. Es gibt die frechen und mutigen, die introvertierten und schüchternen, die lauten und die leisen. Wenn wir das Verhalten eines Kindes ändern und Entwicklung fördern wollen, müssen wir es zunächst einmal dort abholen, wo es gerade steht. Das Kind braucht die Gewissheit, dass es so, wie es gerade ist, geliebt und angenommen wird - anstatt „Gefühle auszureden“, auch nicht zum Trost. Durch emotionale Annahme, Verständnis ohne Mitleid, lernt das Kind, zu sich selber zu stehen und Kraft zur Überwindung seiner Schwierigkeiten zu finden.
Denn so vermitteln Sie Ihrem Kind: „Ich nehme dich ernst und trau dir zu, dass du damit klar kommst!“ Solche Botschaften bauen auf, denn sie enthalten „Vitamin C“ zur Stärkung des kindlichen Selbstbewusstseins.
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie alles Liebe
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