Autor: Thomas Schwingenschlögl am 30. Apr 2009 Beobachtungen über einen Zusammenhang zwischen Gelenkserkrankungen und Ernährung existieren seit mehr als tausend Jahren. Dank der Erforschung unseres gestörten Immunsystems bei Rheuma versteht man heute die Einflüsse der Ernährung auf Gelenksbeschwerden. So spielen bestimmte tierische Fette bei der Auslösung der Entzündungsreaktionen eine zentrale Rolle. |
Die Ernährungsempfehlungen im Detail:
• Arachidonsäure meiden: Diese Fettsäure wird ausschließlich mit tierischen Nahrungsmitteln zugeführt. Mit der in Industrienationen üblichen Kost werden täglich etwa 300 mg zugeführt, der Verbrauch liegt dagegen unter 0,1 mg. Damit reichert sich Arachidonsäure in den Körperzellen an und aktiviert Entzündungsvorgänge. Besonders hohe Mengen von Arachidonsäure enthalten Schweineschmalz, Schweineleber, Leberwurst, Eigelb und Schweinefleisch aber auch Rind- und Kalbfleisch, Camembert und Huhn. Pflanzliche Produkte wie Obst, Gemüse, Kartoffeln, Nüsse und Sojaprodukte sowie aus Pflanzen gewonnene Öle enthalten keine Arachidonsäure. Eine lakto-vegetabile Kost wirkt sich äußerst günstig auf Rheumatismus aus.
• Mehr entzündungshemmende Fettsäuren: Die Zufuhr von 50g Linolsäure pro Tag, welche reichlich in Olivenöl enthalten ist, kann Entzündungsvorgänge positiv beeinflussen. Auch Fischölfettsäuren reduzieren die entzündliche Aktivität. Dabei sind 30 mg Omega-3-Fischölfettsäuren pro Kilogramm Körpergewicht und Tag erforderlich. Neben Meeresfischen aller Art sind auch Fischölkapseln als Alternative denkbar.
• Fasten: Zahlreiche Studien zeigen, dass Fasten den Patienten mit chronischer Polyarthritis oft eine überraschende Verbesserung bringt. Das Fasten wird meist als Nulldiät mit einer täglichen Flüssigkeitszufuhr von 2-3 Litern durchgeführt. Schon nach dem zweiten Tag wird eine Verbesserung der Gelenksbeschwerden beobachtet. Bei anschließender Umstellung auf eine vegetarische Kost bleibt der entzündliche Prozess vermindert. Der Erfolg kommt hier durch eine verminderte Zufuhr von Arachidonsäure und eine erhöhte Ausschüttung von Kortison während des Fastens zustande.
• Antioxidantien: Vitamin C und E, Provitamin A, Selen, Zink und Kupfer können Entzündungsvorgänge positiv beeinflussen. Für Rheumatiker wird derzeit eine Vitamin C Zufuhr im Bereich von 200 mg pro Tag angestrebt. Vitamin C ist reichlich in allen Arten von frischem Obst und Gemüse enthalten, so in rotem Paprika, Broccoli, Zitrusfrüchten, Spinat und Kartoffeln.
Für Vitamin E wird eine Dosierung von 800-1200 I.E. gefordert. Vitamin E ist zwar in den meisten pflanzlichen und tierischen Fetten und Ölen enthalten, für die erforderlichen Tagesdosen muß jedoch das Vitamin als Supplement verabreicht werden.
Für Provitamin A (Betakarotin) wird derzeit keine medikamentöse Substitution gefordert. Bei einer ausgewogenen Mischkost ist die Zufuhr ausreichend.
Werden hohe Dosen von Zink (300 mg pro Tag) über eine längere Zeit zugeführt, kommt es zur Hemmung von Entzündungsreaktionen. Bei einem Erkrankungsschub kann daher die zusätzliche Gabe von Zink als Supplement sinnvoll sein. Dies ist für Kupfer bislang nicht bewiesen worden.
Für Selen ist ein Zusatz von 200 μg Selen pro Tag empfehlenswert. Besonders im frühen Stadium der Erkrankung wurde eine deutliche Besserung der Beschwerden gefunden.
Weitere Tipps: Wie bei der Osteoporose ist auch bei chronischer Polyarthritis auf eine ausreichende Kalziumzufuhr zu achten, da die Gelenksentzündung eine gelenknahe Osteoporose bewirken kann. Ein halber Liter Magermilch/-produkte pro Tag oder 10 dag fettarmer Käse sind angeraten. Bitte phosphatreichen Schmelzkäse meiden.
Der Alkoholkonsum sollte unbedingt eingeschränkt werden.
Die Zufuhr von Eisen bei Patienten mit chronischer Polyarthritis ist nur bei Vorliegen eines echten Eisenmangels indiziert. Der im Bluttest oft niedrige Eisenspiegel ist lediglich entzündlich bedingt. Eine Eisenzufuhr würde in diesem Fall zu einer Verstärkung des Entzündungsgeschehens führen.
Essen im Alltag bei Rheuma
• Five a day – fünfmal am Tag Obst und Gemüse/Salat
Als Ernährungsform wird eine lactovegetabile empfohlen, das bedeutet täglich zwei Obstmahlzeiten und drei handvoll Gemüse/Salatportionen, wenn möglich anstelle von Fleisch bzw. als Beilage zu Fisch. Damit erhöhen Sie die Aufnahme an Vitamin C, Carotin und reduzieren die Zufuhr der entzündungsfördernden Arachidonsäure !
• Zweimal pro Woche eine Fischmahlzeit
Wildlachs, Makrele, Hering, Sardinen, Heilbutt in jeder Form liefern reichlich Omega 3 Fettsäuren.
• 2 Esslöffel Pflanzenöl, das reich an Linolensäure ist wie Raps-, Soja-, Oliven-, Walnuss- und Leinöl sowie Vitamin E reiche Pflanzenstreichfette.
• Einmal pro Woche Hülsenfrüchte und täglich Vollkorn!
Damit nehmen Sie vermehrt Selen auf
• Anstelle von Fleisch und Wurst Sojaprodukte verwenden!
Liefern die für Sie positiven Fettsäuren. Gleichzeitig reduzieren Sie die Aufnahme der ungünstigen Arachidonsäure.
• Milchprodukte unter 1 % Fett täglich.
Austauschbar auf Sauermilchprodukte wie Buttermilch, Joghurt unter 1% Fett, Molke oder ¼ l Magermilchgetränk, auf 5 dag Käse mit max. 35 % F.i.Tr. oder 10 dag Magertopfen, Picotta.
Tagesplan:
Frühstück oder kaltes Abendessen:
2 Stück Vollkorngebäck ↔ 6 Esslöffel Getreideflocken
10 dag Topfen ↔ ¼ l Buttermilch, Joghurt oder Molke
Gurken, Tomaten, etc. ↔ frisches Obst
1/8 l Fruchtsaft, frisch ↔ 1/8 l Fruchtsaft, frisch
Gabelfrühstück und Jause:
Obst oder magere Milchprodukte
Mittags oder warmes Abendessen:
Gemüse/ Salatgerichte
Beilagen: Reis, Teigwaren, Kartoffeln
2 x pro Woche Fisch
2 x pro Woche Fleisch- bzw. Sojaersatzgerichte
3 x pro Woche fleischlose Gerichte
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