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Eine Woche bei Portugals Pferden

Gestüt Jose Fontes, Stutenkoppel Autor: margit melcher am 20. Apr 2010
Alles in einer Woche: Burgen, Schlösser, Kirchen, Nachtleben in Lissabon, wunderschöne Landschaft mit grünen Hügeln und rotstämmigen Korkeichen, und Lusitanos: vom Nationalgestüt über einen professionellen Züchter und Ausbildner toller Pferde zu einem Züchter aus Leidenschaft und einen alten Portugiesen, der Tiere liebt und eine kleine Privatherde sein eigen nennt. Was für ein Land! Am liebsten wäre ich gleich dort geblieben!

Lissabons Fußgängerzone mit Straßencafes

Lissabon-altes Haus mit Bewuchs

Lissabon- schräge Straßenbahn

Lissabon-Blick auf Burg und Tejo

Gestüt Fontes - Jährlinge beim Mittagsschlaf

Gestüt Fontes - neugierige Zweijährige

Frühstücksterrasse bei Heinz und Ingrid Florzinha

Köhlerei in Portugal

Rodrigo Torres mit Vadio

Zaphyrus und ich in der Halle

Stutenherde bei der Tränke, Staatsgestüt Portugal

Ritterrüstung im Staatsgestüt-Museum

Gestüt Fontes - Hengst mit Ricardo Bicho

Nazare, Portugal

Marktstand in Nazare

Kirche in Nazare

Kirche zwischen Nazare und Abrantes

schmucklos aber beeindruckend

Tomar - Templerburg

Tomar - Templerkirche

Tomar - Templerburg, Steintreppe

Tomar - Templerburg, Brunnen im Innenhof

Tomar - Templerburg, Kirche

wilde Herde in Constancia

Junghengst in Constancia

Hengst treibt seine Stuten von uns weg

Korkeichen mit Lupinien, Portugal

 Meine Freundin Karin wohnt seit September vorübergehend in Portugal. Sie will sich dort einen Lusitano kaufen, das typische portugiesische Pferd mit langer geschichtlicher Tradition.

Das einzige dieser Rasse das ich je in Österreich gesehen habe, hat mich eher abgeschreckt, aber eine Woche Urlaub mit freier Unterkunft für meinen Schatz und mich, dafür dass ich ihr bei der Auswahl helfe, kann man ja nicht abschlagen...

Also nichts wie hin! In Lissabon wurden wir von Karin und ihrer Freundin Yvonne abgeholt, einer lebenslustigen Deutschen, so wie Karin mit ihrem dort vorübergehend arbeitenden Mann in dieses Land "verschlagen". Nach einem Essen in einer Pizzeria schlenderten wir durch diese schöne Stadt.

Lissabon hat einen Hauch von Kultur überall, aber auch einen Hauch von morbidem Verfall. Überall stehen mal verfallene Häuser, vom Dach her kaputt, mit Grünzeug bewachsen, die nur sehr schleppend renoviert werden. Aber dazwischen wunderschöne Häuser, Brunnen, Kirchen! Und Straßennamen und Geschäftsbezeichnungen sind alle auf Fliesen gemalt und an die Fassade geklebt! Die Flußmündung des Tejo ins Meer ist auch sehenswert: sowohl die Hängebrücke, die an San Francisco erinnert, als auch der Turm von Belem, an dem Schiffe früher ihre Gebühren entrichten mussten.  Wir fahren mit dem alten Lift in den oberen Stadtteil und schlendern durch schön angelegte Parks mit wunderbarer Aussicht auf die alte Burg und den Tejo und fahren mit einer schrägen Straßenbahn wieder hinunter. Den Abend verbringen wir in einem der zahlreichen Straßencafes mit Livemusik, die Musiker gehen dann mit ihrem Hut durch die Tische und bitten um eine Spende.

In einer riesigen Wohnung in Abrantes, ca. eine Stunde Autofahrt von Lissabon entfernt, bekommen wir ein Zimmer mit eigenem Bad. Von der Küche aus kann man die kleine Burg am gegenüberliegenden Hügel sehen. Mein Schatzi setzen wir am nächsten Morgen in einem Park aus, damit er sich auf den Wiener Marathon vorbereiten kann und Karin und ich machen uns auf ins ortseigene Gestüt von Jose Fontes. Er ist Arzt, führt aber das Gestüt mit Familientradition aus Liebe zu Pferden weiter. Es gibt riesige Stutenkoppeln, die bis zum Fluß reichen und einige für die Jährlinge, zweijährigen und älteren Pferde. Alle sind sehr zutraulich und unglaublich neugierig. In einer Stallung stehen an die 20 Hengste in Boxen und blicken uns erwartungsvoll entgegen. Zwei Junghengste werden in einer Halle longiert und es gibt kein Geschrei, als einer der beiden die Halle verläßt. Diese Pferde sind dermaßen leicht handlebar, dass man vergißt einen Hengst in der Hand zu halten. Einer der Ausbildner, Ricardo Bicho, kann Englisch und versichert uns, dass dies das Wesen dieser Pferde sei.  Nach den Erfahrungen der restlichen Woche kann ich dem nur zustimmen.

Am Abend machen wir einen Flußspaziergang in Constancia und stibitzen uns ein paar Orangen frisch vom Baum!

Am nächsten Tag treffen wir uns mit einem deutschen Pensionisten-Paar, das sich in Constancia eine Quinta (sowas wie ein Bauernhaus mit entsprechend Land) gekauft hat und diese Gästen als Ferienwohnungen zur Verfügung stellt. Heinz und Ingrid sind seit ca. 13 Jahren hier und kennen beinahe alles und jeden. Sie wollen uns zu einem Gestüt begleiten, in dem deutsche Freunde von ihnen ein Pferd zur Ausbildung gebracht haben, das zum Verkauf steht - Zeit die Reisthose einzupacken! Auf dem Weg dorthin bleiben wir bei einer kleinen Köhlerei stehen, wo Holzkohle hergestellt wird - das sieht man nicht alle Tage!

Das Gestüt liegt in der Nähe von Alter da Chao, bei Seda. Laut Heinz haben die dort 10.000ha Land, auf dem sie Pferde und soweit ich gesehen habe, auch Rinder züchten. Rodrigo Torres ist der Bereiter der Pferde und aus seinem Stall wie auch aus seiner Hand sind schon viele erfolgreriche Pferde gekommen. Im Moment hat er einen schönen braunen Hengst aus eigener Zucht, der einmal Dressur bei Olympia unter ihm gehen soll, wenn alles so läuft wie er es sich wünscht. Talent dazu sieht man sowohl beim Hengst als auch beim Reiter...

Er stellt uns Vadio vor, einen Apfelschimmel, der aus einem deutschen Lusitano-Gestüt kommt. Er ist nicht mein Fall, weil er einen typischen Ramskopf hat, der mir nicht gefällt. Außerdem ist er ein bisschen träge und ich liebe feurige Pferde... Aber Karin ist ganz begeistert. Wir dürfen beide probereiten und sehen, dass den Hengst weder der kläffende kleine Basset noch die Stuten von der benachbarten Koppel aus der Ruhe bringen. Aber er soll 25.000€ kosten und Karin hat sich bei 20.000 ein Limit gesetzt. Also stellt uns Rodrigo noch Zaphyrus vor, einen der seltenen Wallache. Und von dem bin ich so begeistert, dass ich ihn am liebsten gleich eingepackt hätte! Auch er ist ein Schimmel, mit noch schwarzer Mähne, aber viel mehr in seiner eigenen Mitte und mit Temperament, das jedoch leicht kontrollierbar ist. Er kann auch schon mehr, da er schon seit 2 Jahren zur Ausbildung hier ist. Ich sitz also oben und denke an die schöne Passage, die Rodrigo mit ihm vorgezeigt hat und schon schwebt er so dahin...

Heinz und Ingrid begleiten uns noch mit Rodrigo in ein kleines Restaurant in der nächsten Ortschaft und wir essen Fisch, "schwarzes Schwein" mit Beilagen und Salat, Getränke, Kaffee und Nachspeisen für 10€ pro Person. Danach reisen wir weiter ins Staatsgestüt, vergleichbar mit unserem Piber. Wir buchen dort eine Führung, ohne die man nicht wirklich hineinkommt, aber leider ist es nur auf portugiesisch... aber die Gebäude und die Pferde, die Kutschen, das kleine Museum und die Falknerei sind auch so sehenswert.

Der nächste Tag ist noch einmal beim Gestüt Fontes, wo wir uns einen Reittermin vereinbart haben. Ich reite dort einen sehr jungen Dunkelfuchshengst, den ich Karin aber nicht empfehlen kann, weil er für sie noch zu wenig kann und noch viel Arbeit braucht. Dann noch einen schönen dunkelbraunen Hengst, von dem schon einige Nachkommen existieren und einen kleinen Grauen. Der Ausbildungsstand der Pferde ist bei weitem nicht so hoch, aber trotzdem scheint der fliegende Galoppwechsel fast angeboren zu sein und alle älteren Pferde sind leicht zu kontrollieren und es macht Freude sie zu reiten. Die Stuten werden fast nur zur Zucht verwendet in Portugal, ich habe keine einzige unter dem Sattel gesehen und ihre Mähnen sind alle geschoren.

Am Abend machen wir nochmal Lissabon unsicher, suchen ein Fado-Lokal. Es ist Samstag und nach langem Herumirren ist uns ein junges portugiesisches Pärchen behilflich in die richtige Straße zu finden, wo viele Fado-Lokale sind. Es scheint hier die ganze Familie zu singen. Obwohl die Bedienung zu wünschen übrig lässt und das Essen nicht besonders, dafür aber teuer ist, wird es ein schöner Abend. Die Portugiesen lachen und singen und die Gitarristen geben ihr bestes und das Ganze klingt wirklich toll.

Am Sonntag machen wir einen Ausflug ans Meer: Nazare ist ein Städtchen, das sowohl eine Steilküste als auch einen langen Sandstrand aufweist. Man hat eine schöne Aussicht von oben und wir genießen Kaffee und Kuchen. Am Kirchenplatz sind Stände für Touristen und wir finden kleine Mitbringsel für unsere Kinder. Nach einem Besuch der Marina machen wir uns durchs Hinterland auf den Heimweg und finden vom Blick der Ruine, die wir eigentlich suchten noch eine schöne, riesige Kirche auf halbem Weg zurück nach Abrantes, leider weiß ich den Ort nicht mehr. Aber es ist beeindruckend, nicht so barock wie die meisten bei uns, sehr schlicht innen aber tolle Steinmetzkunst. Am Abend treffen wir uns nochmal mit Heinz und Ingrid - ein Nachbar von ihnen, mit Resataurants in Frankreich reich geworden, zeigt uns seine "kleine Farm" mit vielen Tieren, ein paar Pferde hat er auch zu verkaufen. Man sieht ihm an, dass er stolz ist auf das, was er sich hier geschaffen hat. Er hat eine kleine Herde mit 3 Stuten und einem Hengst, die beinahe wild auf den Wiesen lebt. Sie haben jedenfalls noch nie einen Stall gesehen, kommen aber auf Pfiff angelaufen. Ein hübscher Dreijähriger wäre günstig abzugeben, weil er alleine auf einer abgetrennten Wiese sein muss, damit er nicht mit dem Herrn Papa um die Stuten kämpfen kann. Alle Pferde dort sind zutraulich und neugierig. Aber als wir uns zum Gehen wenden und die Stuten uns ein Stück begleiten, greift der Hengst ein und treibt Stuten und Fohlen von uns weg. Beeindruckend, wenn man das beobachten kann, was man sonst nur im Fernsehen sieht. Jedenfalls haben diese Lusitanos die Kraft, unser Herz zu erobern - sogar mein Robert, der eigentlich nichts mit Pferden am Hut hat, könnte sich vorstellen, mit so einem jungen Pferdchen ins "Reiterleben" einzusteigen!

Am vorletzten Tag steht Kultur am Plan. Wir fahren nach Tomar zu einem Templerburgenkomplex, der zu einem Convent ausgebaut wurde. Das war außer den Pferden das beeindruckendste, was ich in der einen Woche Portugal gesehen habe. So eine riesige Anlage mit Innenhöfen, Kapellen und Steinmetzarbeit vom Feinsten - steinerne Wendeltreppen, Figuren, Bögen.... man kann Stunden hier verbringen und hat grad mal einen Blick auf nicht mal alles geworfen.

An unserem letzten Tag fahren wir noch ein letztes Mal zu Rodrigo Torres und reiten diese beiden Pferde noch einmal. Ich hoffe, Karin entscheidet sich für Zaphyrus, dann kann ich ihn öfter reiten, wenn sie wieder in Österreich ist!

Ich genieße noch einmal die Umgebung, das warme Wetter und wünsche mir im Geheimen, einmal so eine Quinta hier zu besitzen und mit meinem Schatz und all meinen Tieren hier zu leben. Portugal, ich komme wieder!!!

 

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