Es ist soweit. Alle Jahre wieder bricht ganz plötzlich und unerwartet der große, böse Pisa-Schock über das kleine, arme Österreich herein. Doch heuer ist ein neues Argument zu hören, warum unsere SchülerInnen in allen untersuchten Bereichen so miserabel, ja so katastrophal abgeschnitten haben. © Bild: Gerhard Altmann / PIXELIO |
Der Hauptgrund für das schlechte Ergebnis sind die Kids, die einfach gestreikt und sich blöd gestellt haben. Wie so oft, wenn es im Schulsystem nicht funktioniert, so sind sie auch jetzt schuld an der Misere. Damit gibt man Kindern und Jugendlichen Verantwortung, die sie nicht haben und die ihnen auch nicht übergeben werden darf. Und bitte, verstehen Sie mich nicht falsch: ich rede nicht davon, dass die SchülerInnen keine Verantwortung für ihr Lernen haben. Nein, es geht darum, dass sie nicht am demotivierenden Lernumfeld und an den elenden Verhältnissen im System und an vielen Schulen schuld sind.
Den LehrerInnen möchte ich eines ins Stammbuch schreiben:
Warum, liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst ihr euch von einer solchen sogenannten Interessensvertretung, auf diese Weise vertreten? Warum organisiert ihr euch nicht endlich außer-gewerkschaftlich, um euren wahren Interessen zum Durchbruch zu verhelfen? Im schulischen Kontext zählen nur parteipolitische Intentionen, und das auf allen Ebenen. Hier gilt das Gesetz der shareholder-value auf andere Weise und die betroffenen Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern gehen allen am ..... vorbei. Das Unternehmen ist längst bankrott, aber alle Aktionäre freuen sich guter Gewinne in Form von politischen Postenbesetzungen und Budgetmitteln, die sie für noch eine (parteipolitische) Verwaltungsebene ausgeben, anstatt sie direkt in die Bildung zu investieren.
Viele Ideen sind geboren worden, um die Schule zu retten.
Die wichtigsten sind wohl folgende:
1.) Einführung von Ganztagsschulen aus pädagogischen Gründen (und um die Eltern endlich von der Hausaufgabenpflicht zu entledigen), denn nur so ist kontinuierliches, erfolgreiches und kontrolliertes Lernen möglich.
2.) Einführung einer gemeinsamen Schule der 10-14-jährigen mit einer starken individuellen Differenzierung, die fordert und fördert die Abschaffung der Leistungsgruppen, weil diese nicht fördern sondern Ghettos schaffen.
3.) Möglichst weitreichende Autonomie an den Schulen, sowie Personalverantwortung für die Leiter, die nicht von politischen Gremien bestellt werden sondern von der Schulgemeinschaft, sowie bürokratische Entlastung derselben durch ein Sekretariat.
4.) Abschaffung von Landes- und Bezirksschulräten und Einführung einer Schulaufsicht, die diesen Namen wirklich verdient.
5.) Ausbildung aller Lehrenden (inklusive KindergartenpädagogInnen) an einer pädagogischen Hochschule sowie kontinuierliche und professionelle Weiterbildung.
6.) Überarbeitung der Lehrpläne und der Bildungsinhalte sowie Förderung einer umfassenden Allgemeinbildung zusätzlich zu fachspezifischen Ausbildungen.
Abschließend sei festgehalten, dass der Begriff Schule vom griechischen scholae kommt, was soviel wie Muße bedeutet. Also sollte den Lernenden soviel Zeit zur Verfügung stehen wie sie brauchen, um sich eine umfassende Bildung anzueignen.
Und: Bildung ist mehr als Wissen! Das aber ist eine andere Geschichte - und die soll ein anderes Mal erzählt werden.
Autor: Ernst Zlo am 2011-05-09 19:10:26
Ich fürchte leider, dass folgendes passieren wird:
Pkt. 1 (Ganztagsschule) wird umgesetzt, der Rest nicht - irgend eine Partei wird sich aus irgendeinem Grund schon gegen einige Punkte stark machen.
Die "österreichische" Lösung des falsch verstandenen Kompromisses.
Nach dem Prinzip, "Wir haben festgestellt, dass eine Schraube mittels Hammers nicht wirklich gut ins Holz geht. Also hauen wir mit einem größeren Hammer länger und fester auf die Schraube. Und noch fester."
<seufz>
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