Autor: Thomas Schwingenschlögl am 30. Mai 2008 Schon vor zweihundert Jahren wurde eine Verbindung zwischen Schuppenflechte (=Psoriasis) und Gelenksentzündungen (=Arthritis) gesehen. Heute weiß man, daß bei bis zu 50% von Patienten mit Psoriasis Gelenks- und Weichteilbeschwerden auftreten. Meist tritt die Erkrankung vor dem vierzigsten Lebensjahr auf, bei Männern gleich häufig wie bei Frauen.
Neben den charakteristischen Veränderungen der Haut und der Nägel im Rahmen der Schuppenflechte kommt es zu Entzündungen und Schmerzen in diversen Gelenken, der Wirbelsäule, den Kreuzdarmbeingelenken aber genauso in Muskeln, Sehnen und im Bindegewebe. |
Die typischen Symptome im Überblick:
- Gelenksentzündungen: Meist an den Finger- und Zehenendgelenken. Oft ist ein ganzer Finger oder eine Zehe wurstförmig verschwollen. Häufig sind auch die großen Gelenke der Beine wie Knie, Hüfte, Sprunggelenke oder Fußwurzelgelenke betroffen. Die entzündeten Gelenke sind geschwollen, gerötet, heiß, druckempfindlich und sehr schmerzhaft. Wird nicht behandelt, dann verformen sich die Gelenke und werden steif.
- Wirbelsäulenbefall: Entzündliche Veränderungen an Wirbelsäule und Kreuzdarmbeingelenken äußern sich als tiefsitzende Kreuzschmerzen, Ruheschmerzen beim Liegen und eine ausgeprägte Morgensteifheit.
- Die Haut: Die Schuppenflechte kann von milden Verläufen mit einzelnen Flecken am Kopf oder Nabel bis hin zu einem Ganzkörperbefall alle Varianten zeigen. Finger- und Zehennägel sind so gut wie immer befallen. Die psoriatischen Veränderungen gehen der Arthritis meist einige Jahre voraus.
- Weichteilentzündungen: Charakteristisch sind Entzündungen der Sehnenansätze wie z.B. am Fersenbein, an der Achillessehne, am Brustbein, an den Beckenknochen oder am Ohrknorpel. Viele Betroffene schildern wandernde Muskel- und Bindegewebsschmerzen am ganzen Körper.
Bei manchen Patienten finden sich auch Veränderungen an den Augen wie Bindehaut- oder Regenbogenhautentzündungen oder chronische Darmentzündungen.
Wegen der oft starken Gelenksdeformierungen ist für die Psoriasis-Arthritis eine frühzeitige Therapie besonders wichtig.
Immuntherapie
Bei Gelenksentzündungen handelt es sich um Störungen unseres Immunsystems, welches überaktiv ist und sich gegen unseren eigenen Körper richtet.
Durch die Gabe sogenannter „Basismedikamente“ gelingt es den Ärzten das überaktive Immunsystem auf ein normales Niveau herunterzufahren. Dabei kommt es zu einem Stillstand der Entzündung in Gelenken, Wirbelsäule und inneren Organen. Entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und die Bewegungseinschränkung lassen meist schlagartig nach.
Speziell die Entwicklung von neuen Substanzen, die die entzündlichen Botenstoffe unseres Immunsystems blockieren wie die TNF-Alpha-Blocker, hat zu einer Revolutionierung der Therapie geführt. Diese neuen Mittel werden mit dem Namen "Biologika" bezeichnet. Sie können entweder als Infusion oder subcutan, das heißt unter die Haut gespritzt, verabreicht werden. Im Gegensatz zu den bislang zur Verfügung stehenden Therapien führen Biologika oft zu einem völligen Stillstand der Gelenkszerstörung. Aber auch die bislang verwendeten Basismedikamente wie Sulfasalazin, Methotrexat und Leflunomid werden weiterhin mit gutem Erfolg eingesetzt. Alle genannten Basismittel führen in den meisten Fällen auch zu einer deutlichen Verbesserung der Psoriasis. Die Anwendung solcher Medikamente erfolgt nach strengen ärztlichen Kriterien und gehört in die Hand eines erfahrenen Spezialisten.
Auf den Einsatz von Schmerzmitteln wie den Antirheumatika kann man bei keiner Gelenksentzündung, zumindest zeitweilig, verzichten. Bei akuten Schüben hat sich die Gabe von antirheumatischen Mischinfusionen in Kombination mit hochdosierten Vitaminen besonders bewährt. Auch die Injektion von kleinen Kortisonmengen in die Gelenke führt zu einem raschen Abklingen der Entzündung.
Sind die Gelenke durch die Entzündung bereits abgenützt, dann kann man durch einen gezielten Knorpelaufbau die Funktion wieder verbessern. Manche Präparate werden dabei direkt in das Gelenk gespritzt, andere werden oral eingenommen.
Physikalische Therapien, Kurmaßnahmen aber auch die Alternativmedizin ergänzen die klassische Schulmedizin und steigern das Wohlbefinden.
Jeder Rheumapatient braucht natürlich sein individuelles Therapieschema. Dank neuester Medikamente und einem komplexen Therapieangebot kann heute fast jeder Rheumapatient gut behandelt werden. Eine schnelle Diagnose und der sofortige Beginn einer effizienten Therapie sind dabei besonders wichtig.
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