Autor: Andreas Bayer am 02. Nov 2009 Der erwachsene Mann zwischen 24 und 48 Jahren in der chinesischen Medizin. Die Nutzung der Kraft als erwachsener Mann bedeutet in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) das weise Verwalten einer nur vorgeblich unerschöpflichen Energie.
Geschafft! Endlich erwachsen. Hinein ins Leben und mit vollen Händen ausgegeben. Der Körper erscheint in den ersten Jahren des Erwachsenenlebens als selbstreinigendes Backrohr. Es gibt nichts, was er nicht aushält. |
Der erwachsene Mann in der chinesischen Medizin
In China ist das Erwachsenenalter die eigentliche Prüfung der Fähigkeit, die Körperenergien zu regenerieren und zu stärken. In den ersten acht Jahren (24 – 32), so sagen die alten Chinesen, soll man ein Haus bauen, eine Familie gründen und Kinder zeugen. In den zweiten acht Jahren (32 – 40) soll man das Bewusstsein schärfen, damit man die eigene Kraft schützen lernt. In den dritten acht Jahren (40 – 48) ist die Ordnung des Erreichten und das bedachte Handeln im Vordergrund.
Das Leben als Wanderung
Das Leben wird in Asien als eine Wanderung über einen Berg gesehen. Der Aufstieg ist der Abschnitt der Entwicklung der Persönlichkeit und des Körpers von Geburt bis zum 24 Lebensjahr. Der Abschnitt auf dem Plateau des Berges ist die Leistungszone zwischen 24 und 48 Jahren. Der Abschnitt der Verwaltung und Lehre an junge Menschen, die den Berg hinauf eilen, beginnt ab dem 48. Lebensjahr. Junge, dynamische und hyperaktive Menschen, die unsere Gesellschaft so schätzt, werden in China misstrauisch betrachtet. Warten wir einmal, bis er 60 Jahre alt ist und ob es ihm immer noch so gut geht, sagen die Asiaten dann. Geachtet und respektiert wird derjenige, der im Alter noch voller Kraft und Energie steckt.
Das in den letzten Jahren in den Industrieländern populär gewordene Anti-Aging ist in China gänzlich unbekannt. Bewusstes Altern steht im Vordergrund. Altern gilt als natürlicher Prozess, den man selber begleiten muss. Die Verhinderung des Alterns ist nicht nur nicht möglich sondern hat auch negative Konsequenzen für den Weg, den wir alle gehen. Man wird kaum einen Asiaten treffen, der seiner Jugend nachweint. Jeder Abschnitt hat seine Vor- und Nachteile. Die Kraft der Niere im Alter von 24 bis 32 wird durch das erweiterte Bewusstsein zwischen 32 und 40 mehr als kompensiert. Schließlich beginnt man ab 40 zunehmend die Früchte seiner Arbeit zu ernten und lernt, dass Leistung alleine noch nicht alles gewesen ist. Jeder der drei 8-Jahres Abschnitte hat seine Wertigkeit und seine eigene Qualität. Nutzung der Kraft bedeutet in diesem Sinne das bewusste Durchlaufen jedes Abschnittes. Mit 42 Jahren zu versuchen, sich wie ein 24 jähriger Mann zu gebärden, wirkt nicht nur lächerlich sondern gefährdet auch die eigene Gesundheit.
Die Kraft der Niere
Die Nutzung der Kraft der Niere bedeutet bis zum 32 Lebensjahr, dass die schöpferische Komponente und die Durchsetzungskraft gestärkt wird. Der Geist steckt voll unkonventioneller Ideen, die man unbedingt probieren sollte. Auch wenn das bedeutet, zu scheitern. Nur jene Handlungen, die man ständig wiederholt, werden zu Fehlern, sagt Chuang Tse (369 - 286 v.Chr.). Sport sollte auf jeden Fall im Vordergrund stehen. Hier empfehlen die chinesischen Quellen Kampfsportarten wie Gong Fu oder Schwert Qi Gong. Wichtig ist auch die energiereiche Ernährung. Der Schwerpunkt liegt auf Fischen, aquatischen Produkten, Wurzelgemüse und Fleisch. Besonders schädlich sind Salz, Alkohol und rohe Ernährung im Übermaß.
Die Kraft der Milz
Die Nutzung der Kraft der Milz im Alter von 32 bis 40 Jahren bedeutet das Erlernen der Nutzung des Bewusstseins. Als sportliche Aktivität wird in Asien das Gehen bzw. Wandern empfohlen. Man erlernt die Techniken des Ba Duan Jin (8 Brokatübungen) des Qi Gong, um seine eigene Kraft gezielt einsetzen zu können. Die Ernährung sollte fettarm und arm an schleimenden Produkten (Milch und Milchprodukte, Zucker, Weißmehl) sein. Besonders Gemüse und gekochtes Fleisch braucht nun der Körper. Kalte und rohe Kost gehören vermieden. Zur Kraft des Handelns der Niere kommt das Bewusstsein der Verantwortung für die Konsequenzen. Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man unterlässt, meint Laotse (604 v. Chr.) hiezu.
Die Kraft der Leber
Im besten Fall hat man mit 40 Jahren die Kraft gestärkt, das Bewusstsein geschult und genug Erfahrung gesammelt, um langfristig positive berufliche und private Entscheidungen zu treffen. In Asien erklimmt man in diesem Alter die ersten Leitungspositionen, um seine erworbenen Kenntnisse einzusetzen. Nun erst kann man die eigene Dynamik wirklich ausschöpfen, ohne zu impulsiv und unbedacht zu handeln. Als sportliche Aktivität wird zunehmend auch die Meditation und die langsame Bewegung geübt. Tai Chi Chuan (Schattenboxen) steht jetzt auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Die Schärfung des Verstandes und der Fähigkeit zu kombinieren verlangt eine neue Form des Lernens. Der Körper und der Geist benötigt nun leichte und vollwertige Ernährung mit hohem Gemüseanteil, geringerem Fleischanteil und der Vermeidung von Fetten und Alkohol. Habe keine Angst langsam zu gehen, habe nur Angst stehen zu bleiben, sagt Chuang Tse (369 - 286 v.Chr.).
Die Periode der Kraft von 24 bis 48 Jahren gibt den Takt für das restliche Leben vor. Korrektes Handeln in dieser Periode führt zum Gefühl „alles richtig gemacht zu haben“. Die Wurzel des Glücks des Lebens wird in China in diesen Lebensabschnitt gelegt. Ebenso aber auch die Wurzel der Weisheit.
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handelt: Erstens durch Nachdenken, das ist der Edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der Leichteste. Und drittens durch Erfahrung, das ist der Bitterste, beschreibt dies Konfuzius (551 bis 479 v. Chr.)
Die Kraft des Mannes - Teil 1
Die Kraft des Mannes zwischen 48 und 72 Jahren -Teil 4
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