Autor: Sana Brauner am 23. Jan 2008 Die Kirschen, die im Garten des Nachbarn wachsen, versprechen immer die süßesten zu sein. Wir neiden anderen Aussehen, Macht, gesellschaftliche Stellung, Besitz, und glückliche Beziehungen.
Durch Nachahmung von Verhaltensweisen anderer versuchen wir, deren Lebensstil zu kopieren, um in die von uns idealisierten Kreise zu gelangen. Dahinter steht stets das Ringen um Ansehen und Aufmerksamkeit. |
Aber wir ahmen nicht nur die Verhaltensweisen anderer nach, sondern all ihr Begehren. Alles, was die anderen wollen, wollen wir auch. Warum? Das Buch „Die Neidgesellschaft“ versucht dieses „Warum“ zu erklären.
Abgesehen von den primitivsten Triebinstinkten ist der Mensch von Geburt an darauf angewiesen, seine Vorbilder nachzuahmen. Man nennt dies „das liebevolle Nachahmen“. Wenn aber die Eltern die Kinder nicht nur liebevoll führen, sondern in wesentlichen Entwicklungsphasen darauf bestehen, dem Kind die eigenen Vorstellungen aufzudrängen, dann lernt das Kind, sich selbst zu verachten. Daraus entwickelt sich dann die Einstellung, dass mit den mächtigen Eltern alle anderen Menschen überschätzt werden. So glaubt man, dass nur die Anderen wissen, wo und wie der Mensch seine eigentliche Lebenskraft finden kann. Also ahmt der Mensch alles nach, was die Anderen wollen oder sagen oder tun.
Diesen von dem 1923 in Avignon geborenen Literaturwissenschaftler Renè Girard entdeckten menschlichen Defekt, nenne ich „wahnhafte Nachahmung“. Der Wahn besteht darin, dass der Mensch fest davon überzeugt ist, Andere wüssten, was für ihn gut ist. Er braucht nur ihr Begehren zu kopieren, und gelangt so an seinen Lebensschatz. Man lebt in dem Wahn, dass der Andere einem den Lebensschatz zeigt und einen dann daran hindert, ihn zu erreichen. Überwindet man einmal seinen Widerstand und erobert das gemeinsam begehrte Objekt, so ändert sich gar nichts. Die Enttäuschung folgt dem Erfolg auf dem Fuß. Man wendet sich auf Grund vieler Enttäuschungen jetzt nur mehr jenen mächtigen Vorbildern zu, die einem das größte Hindernis vor das Objekt stellen. Denn, so denkt man, je größer das Hindernis, desto wichtiger der Schatz, der hier gehütet wird.
Wenn man um Objekte rivalisiert, wird man zu feindlichen Brüdern, die sich gegenseitig in der Rivalität hinaufschaukeln. Man kann sich aber der größten Macht auch direkt zuwenden, sei es als Sadist oder als Masochist.
So kreisen feindliche Brüder, Sadisten und Masochisten um die Mächtigsten und bilden um sie einen Kreis. Innen und oben in diesem Kreis sitzt die größte Macht. Da will jeder hin. Umgekehrt hat jedermann Angst über den Kreisrand hinaus zu fliegen. Im Kreis herrscht eine Regel, ein unausgesprochener Code, das so genannte „Man“. Dieses Man prägt alles, was man zu tun, zu sagen oder zu denken hat. Verstößt man gegen diese Norm, so stürzt man ab bzw. fällt aus dem Kreis heraus. Im Kreis ist jeder gegen jeden, weil alle das Gleiche wollen, nämlich nach oben kommen.
Wenn solche Kreise durch die gegenseitige Rivalität der Einzelnen in ihrem Scheinfrieden gefährdet werden, dann werden diejenigen einmütig ausgestoßen, die nach Meinung aller für den Unfrieden allein verantwortlich sind. So wandelt sich das in Kreisen übliche „jeder gegen jeden“ in ein einmütiges „alle gegen einen“. Es kommt zum einmütigen Ausstoßen dieses „Sündenbocks“ und damit tritt Frieden ein. Gelingt dies auf Dauer nicht, so beginnen Kreise gegen andere Kreise Krieg zu führen. Diese Phänomene werden an zwei typischen Kreisen demonstriert: An der österreichisch-ungarischen Monarchie und an der Nazi-Diktatur.
Im dritten Teil des Buchs werden dem Leser dann anhand der eigenen Bekehrung Möglichkeiten vor Augen gestellt, wie er selbst einem solchen Kreisleben entrinnen könnte.
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| IN UNSEREM SHOP Die Neidgesellschaft. Warum wir anderen nichts gönnen Autor: Klaus Bolzano |
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