Autor: Gudrun Graf am 17. Jun 2011 Hinter deiner großen, aufopfernden Hingabe versteckt sich die Erwartung, etwas zurückzubekommen
. irgendwann
Eines Tages wirst du gelernt haben, dass deine Rechnung für deine Opferbereitschaft nicht aufgegangen ist. Für dein "Ich gebe, damit ich bekomme" gibt es keinen Dank. |
Irgendwann fallen dann die Bindungen weg: Die Eltern sterben, der Partner hält den durch deine Opfer immer größer gewordenen Schuldendruck nicht mehr aus. Allein stehst du dann am Anfang eines schmerzhaften Prozesses, in dem es darum geht, wieder Vertrauen zu finden und zu lernen, sich um sich selbst zu kümmern.
Eine Meisterin der Kümmerei
Um deinen Leben Sinn zu geben, brauchst du die anderen, besonders die Bedürftigen. Die Welt draußen ist hart und rau, ja oftmals bedrohlich. Deine Kräfte reichen zwar nicht aus, allen Ansprüchen nachzukommen, aber in deinem Wunsch für alle da zu sein, erschöpfst und überforderst du dich gerne. Im Schrebergarten deiner Gefühle ist dein Nahziel die Familie. Egal, ob deine Herkunftsfamilie, oder später deine eigene.
Es mildert die eigene Hilflosigkeit, wenn man helfen darf. Lange bemerkst du das Unwohlsein der Menschen um dich nicht, bestraft sie mit deinen Launen, weil sie deine Erwartungen nicht erfüllen. Deine Erwartungen, etwas zurückzubekommen. Und oft bleibt dir neben dem „sich kümmern“ leidvoller Kummer nicht erspart.
Der Preis für dein hohes Einfühlungsvermögen ist deine ebenso hohe Verletzbarkeit
Dein Bedürfnis dazuzugehören stammt aus deinem Herkunftssystem, und nahtlos geht es über in deine Partnerschaft. Auf deiner Suche nach Hilfe gegen den Ansturm des Lebens bist du nicht geschaffen für flüchtige Abenteuer, sondern suchst im Mann einen Vater. Einen Vater für deine Kinder. Trotz deiner weiblichen Ausstrahlung bist du schüchtern und schnell bereit zum Rückzug. Du gibst Gelegenheit, verführt zu werden, selbst launisch lachendes Kind.
Du wirkst ungewöhnlich erotisch, empfindsam und zärtlich, doch deine Unsicherheit und Empfindlichkeit machen dich auch egoistisch. Mit dir kommt es auch im Bett zum Machtkampf, zu Streitereien und langer Perioden der Dürre…..
In gleichem Maß in dem du versuchst unabkömmlich zu sein, steigt auch deine existenzielle Abhängigkeit, während deine Familie, dein Mann, gut ohne deine Hilfe auskommen. Dir gegenüber sind sie gezeichnet von schlechtem Gewissen.
Hilfe ohne Gegenleistung zu erwarten
Wenn es dir dann gelingt, Mutter zu sein, der Mütterlichkeit willen, Kind zu sein, der Kindlichkeit willen – und Hilfe anzubieten ohne ein Danke zu erwarten dann wächst du über dein Märtyrertum hinaus und deine Gefühle erpressen deinen Nächsten nicht mehr. Dann wachsen deine Gabe, Gegebenheiten als Gegebenheiten anzusehen, deine Weisheit und dein Mitgefühl. Wenn wir sehen, wie du gut für dich selbst sorgst, lassen wir uns in unserer Seele gerne von dir berühren und tief bewegen!
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