Autor: Helmut Holzdorfer am 11. Dez 2007 Als Österreich gemeinsam mit der Schweiz am 12. Dezember 2002 den Zuschlag zur EM 2008 bekam, war dies fast für das ganze (Fußball) Land Österreich ein Grund zur Freude. Man schien nun endlich die Möglichkeiten zu bekommen, den Fußball in Österreich nach vorne, ins internationale Blickfeld zu bekommen. Man hoffte, einen großen Schritt nach vorne tun zu können. Doch ist das wirklich so? Was steckt dahinter und wie ist es um den österreichischen Fußball, mit allem, was dazugehört, knapp 6 Monate vor dem zweitgrößten Fußballturnier der Welt, wirklich bestellt? |
Sportliche Bestandsaufnahme
Was hatte man nicht für Hoffnungen in dieses Turnier gelegt, bzw. was hat man für Chancen gesehen, um bei dieser EURO eine wirklich Rolle zu spielen.
Endlich schienen die Spieler und die Vereine eine Perspektive zu haben für die es sich lohnt Entbehrungen und Training auf sich zu nehmen. Jetzt haben junge Spieler die Chance, sich in den Vordergrund zu spielen und bei der EURO in der Auslage zu stehen und dann die große Karriere zu machen. In Deutschland, in Italien, in England oder Spanien. Im Fußballparadies. Raus aus Pasching, Altach und Mattersburg und rein ins Nou Camp, Old Trafford oder San Siro.
Fußballer, die 2002 erst 17 oder 18 waren, sollten nun bei den Vereinen Fuß fassen und dann, als 23 oder 24 Jährige, also im besten Fußballeralter, zu Stars zu reifen. Die Vereine würden der EURO vieles unterordnen, und auf den Kauf von 32 jährigen ehemaligen Ersatzspielern bei zweitklassigen Nationalmannschaften verzichten und lieber das junge Eigengewächs aus und heran zu bilden und dem Teamchef im Jahre 2008, einen fertig ausgebildeten Teamspieler zu übergeben, der eventuell nach der EURO gewinnbringend verkauft werden kann. Mit dem eingenommenen Geld investiert man in den nächsten jungen Spieler, indem man die Infrastruktur der Akademien, der BNZs, der Trainingsplätze, verbessert und gute Trainer für die Jüngsten anstellt.
So hätte es laufen können, vielleicht sogar müssen, doch was geschah? Eine Zeit lang spielten 100 Legionäre bei den 10 Klubs der obersten Spielklasse. Zum Teil wurden selbige um teures Geld eingekauft und mussten daher spielen. Oft zum Leidwesen der jungen Spieler, die dann nur zweite Wahl waren. Seit dem Jahre 2002 sind in Österreich nicht weniger als 3 Traditionsklubs entweder Pleite gegangen oder wurden aus wirtschaftlichen Gründen verkauft und müssen wieder ganz unten anfangen. Sturm Graz musste ebenso wie sein Stadtrivale GAK im Jahre 2007 Konkurs anmelden. Sturm Graz hat irgendwie die Kurve bekommen und ist nun ein Verein, der mit jungen Spielern recht erfolgreich in der höchsten Spielklasse spielt. Der GAK bekam im Sommer 2007 keine Lizenz und spielt nun in der Regionalliga West und kämpft auch dort bereits um die wirtschaftliche Existenz. Austria Salzburgs Lizenz wurde von Red Bull gekauft. Danach gründete sich der mehrmalige österreichische Meister neu und spielt nun aktuell in der 1. Klasse in Salzburg, während Red Bull immer noch von internationalen Erfolgen träumt.
Leidenschaft ohne Emotion?
Fußball war immer das Spiel der Massen, auch der eher einfachen Menschen. In den letzten Jahren geht es in eine Richtung, die dieses Spiel immer mehr von seiner Basis entfernt. Vieles ist Verklärung und Vergangenheitsromantik, aber kaum eine Sportart lebt mehr von Tradition und Emotionen, wie Fußball.
Dazu kommt, dass der ÖFB die wenigen internationalen Stars die Österreichs Fußball die letzten Jahrzehnte hervorgerbracht hat, konsequent nicht am Projekt EURO 2008 teilnehmen lässt. Legenden wie Hans Krankl, Toni Polster oder Herbert Prohaska wurden ignoriert. Anstelle dessen gibt es fußballfremde Persönlichkeiten die in der Öffentlichkeit ein Euphorie enfachen sollen. Ehemalige Skifahrer, Schwimmer, Turmspringerinnen oder Menschen, die man eher aus der Society Gesellschaft kennt, sollten als so genannte Botschafter der Leidenschaft positive Stimmung verbreiten.
Ist es dann ein Wunder, wenn sich wirkliche Fußballfans ein wenig in die Irre geleitet fühlen und sich für diese Veranstaltung wenig erwärmen können?
Viele Geschäftemacher und Menschen an der Spitze des Fußballs haben dafür offensichtlich leider kein Verständnis mehr und es ist zu befürchten, dass dieses wunderbare Spiel nur noch für das TV und vor großen Wirtschaftsbossen in VIP-Clubs stattfindet. Publikum ist nur noch erwünscht, wenn es kritiklos alles hinnimmt und brav seine verdienten Euro beim Fanshop abgibt. Aktive Teilnahme am Vereinsleben, das integrieren von Herzblut ist nicht mehr erwünscht. Warum? Weil Emotionen nicht berechenbar sind. Aber heute muss auch der Fußball berechenbar werden. War nicht genau das unberechenbare immer das Schöne am Fußball?
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