Autor: Dirk Osada am 18. Feb 2011 Der biologische Anbau von Pflanzen ist ein stetig sich entwickelndes Thema.
Dabei wird viel von dem Verzicht auf Chemie gesprochen aber nicht oft hört man, was darüber hinaus zu beachten ist. |
In der Geschichte von Landwirtschaft und Gartenbau gibt es eine Zeit wo die mineralische Düngung noch kein Thema war und Chemie in Form von chemischen Fungiziden, Herbiziden usw. noch nicht vorhanden war.
Genau dort liegt der Ansatz für den biologischen Bereich. Das bedeutete für den Landwirt auch ein ständiger Kulturwechsel, d. h. 4 bzw. 3 Felderwirtschaft. Warum? Um einmal eine Ruhephase für den Boden zu finden und zum anderen zu verhindern, dass Schädlinge und Pilze sich Kulturbezogen vermehren.
Natürlich gab es zu dieser Zeit noch nicht die Sorten an Pflanzen im Kulturpflanzenbereich wie heute. Aber darum geht es eigentlich nicht. Zu dieser Zeit war es üblich entsprechend organisch zu düngen, das geschah mit abgelagertem Stalldung und Unterpflügen von organischem Material. Zwischenzeitlicher Anbau von Leguminosen war auch früher schon eine zusätzliche Variante der Gründüngung. Bekannt ist, dass ein Misthaufen 2 bis 3 Jahre liegen muss um entsprechen vorgerotteten Dung zu haben.
Das ist kaum mehr möglich, durch einstreulose Haltung, zu geringe Lagerflächen oder gar behördliche Auflagen. Darüber hinaus sind die Tierbestände im Vergleich zu den bewirtschafteten Flächen meist zu gering um hier Lieferant von ausreichender biologischer Düngung zu sein.
Die Entwicklung künstlich hergestellter Dünger nahm immer mehr zu, da sie einfach in der Handhabung waren, schnell wirkten und am Anfang dazu noch preiswerter waren.
Damit wurde aber zunehmend das Augenmerk weggelenkt vom Humus und der biologischen Düngung. Was zählt ist der Bedarf an einzelnen chemischen Elementen, insbesondere Stickstoff. Ist das wirklich so einfach?
Der Boden ist ein lebendiger Organismus, oder wie der Naturwissenschaftler und Chemiker Justus von Liebig sagte „Der Boden ist die Quelle aller Güter und Werte“. Dieses Thema findet erst jetzt wieder Beachtung, da zunehmend Probleme auftreten. Durch einseitige Fruchtfolge, einseitig mineralische Düngung, unsachgemäße Bodenbearbeitung und chemischen Pflanzenschutz. Es ist bekannt, dass ohne Fruchtwechsel z.B. Schädlinge sich kulturbezogen rapide vermehren. Sie glauben das nicht? In Brandenburg gibt es mittlerweile über 10000 ha Fläche, wo landwirtschaftliche Betriebe mit Getreidenematoden zu kämpfen haben. Zurzeit gibt es kein in Deutschland zugelassenes Mittel was das Problem ernsthaft beheben kann. Die befallene Fläche wächst von Jahr zu Jahr und dehnt sich Richtung Norden aus. Ein Fruchtwechsel hilft bei diesem Starkbefall nur sehr begrenzt.
Im Februar 2007 wurde im Deutschlandfunk ein Beitrag ausgestrahlt über ein EU-Agrarforschungsprojekt, was dokumentierte, das Stickstoff-Mineralstoffdünger Getreidekrankheiten insbesondere Mehltau auslöst und Halmbruch verstärkt auftritt bei solcher mineralischer Düngung.
Der chemische Pflanzenschutz an sich hat Begrenzungen zu Aufwandmengen, damit keine Rückstände im Produkt zurückbleiben, was passiert aber im Boden? Reichert er sich an durch wiederholte Ausbringung? Die Hersteller verneinen das. Studien vielfältiger Art beweisen aber, dass immer wieder neue Langzeitwirkungen entdeckt werden. Bekanntestes Beispiel ist DDT, obwohl auch andere chlorierte Kohlenwasserstoffe und weitere Produkte, Erkrankungen beim Menschen herbeiführen und ganze Teile von Nahrungsketten verschwinden lassen.
Aber nicht nur der chemische Pflanzenschutz stellt ein Problem dar.
Ein Punkt hierbei ist abzugehen von Umgraben bzw. Pflügen. Diese Methoden entblößen den Boden und behindern die Bodenbiologie. Die Lockerung ist rein mechanisch und der Effekt ist nach einer Vegetationsperiode wieder hinfällig, wenn nicht die Zuführung bodenbildender Stoffe im mineralischen Bereich und eine Anregung der Biologie erfolgen. Darüber hinaus gibt es jährlich immer noch einen Eintrag an Säure, Schwermetallen, Stickoxiden u.ä. mehr, die zur Absenkung der pH-Werte führen. Bei Umgraben und Pflügen bringe ich somit immer wieder diese Schicht in den Untergrund und eine eventuell bessere Schicht nach oben. Früher war das kein Problem. Der Boden hat über die Biologie diese Belastung neutralisiert. Aber in der heutigen Zeit mit sinkenden Dauerhumusgehalten und abnehmender bzw. inaktiver Bodenbiologie ist dieser Abbau kaum noch gewährleistet.
Der natürliche Bodenaufbau in Hinsicht Durchlüftung erfolgt in der Natur im Wesentlichen durch absterbende Pflanzenwurzeln, die Kanäle bilden und Kleinlebewesen, wie dem Regenwurm. Grundlage ist natürlich ein Nährstoffgefüge, das ein Gleichgewicht bietet im mineralischen Bereich. Dabei spielen nicht nur die Makroelemente in Form der Hauptnährstoffe eine Rolle, sondern auch Meso- und Mikroelemente.
Ein aktiver Boden ist schon optisch erkennbar an Hand der Spatenprobe. Ergeben sich kantige Partikel im Boden ist davon auszugehen, dass kaum Bodenbiologie aktiv ist bzw. auch eine Mineralstoffdisbalance existiert. Ein gesunder Boden kennt nur runde Strukturen (Krümel).
Eine Bedeckung - ganzjährig – mit Mulch, Zwischenfrüchten oder ähnlichem, bietet einen Verdunstungs- und Erosionsschutz und eine Behausung für das Bodenleben. So bearbeitete Böden starten im Frühjahr eher und sind frostsicherer.
Das sind nur kurze Beispiele, die aber die Brisanz heutiger Anbaumethoden zeigen und das nicht nur in der Landwirtschaft sondern auch im Gartenbau.
Nun können wir das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Aber mit einer systematischen Umstellung der Bewirtschaftung, auch in kleinen Schritten sind Erfolge möglich.
Dabei ist die Wechselwirkung Boden-Pflanze ein Punkt an dem wir immer wieder ankommen. Eigentlich müssen wir von dem System Boden-Pflanze-Tier-Mensch sprechen.
Entscheidend ist, die Biologie wieder mehr ins Auge zu fassen. Es heißt so schön „Die Natur hilft sich selbst“. Aber ehrlich gesagt, Unterstützung benötigt sie schon.
Wichtig ist Wechselwirkungen zu erkennen und auf sie einzugehen mit der Bewirtschaftung und dem Einsatz entsprechender Produkte.
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