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David gegen Goliath oder gemeinsam sind wir stark

Foto von 458161_R_by_rundumkiel.de_pixelio Autor: Michael Gosch am 29. Jun 2010
In Absprache mit Frau Ennsthaler stellen wir Ihnen hier die wichtigsten Stationen der erfolgreichen Abwehr eines Übernahmeversuches eines traditionellen Familienbetriebes (Verlag und Buchhandlung Ennsthaler in Steyr) durch einen Konzern vor

© Bild: rundumkiel.de / PIXELIO

Auslöser einer sich in wenigen Tagen entwickelnden Unterstützungsgemeinschaft für den Verlag Ennthaler war ein Email von Frau Regina Ennsthaler an 30 Freunde. Durch Weiterleitungen ist innerhalb weniger Tage eine Welle der Empörung entstanden.

Diese Öffentlichkeitswirkung dürfte Thalia nicht geschmeckt haben. Nach letzten Berichten ist das ursprüngliche, lange für beide Seiten gut funktionierende Geschäftsverhältnis wieder hergestellt.

Info 1:
Mail/ Brief von Regina Ennsthaler vom 24.06.2010

Liebe Freunde,

Täglich bekomme ich und Ihr Emails mit der Bitte Stellung zu beziehen, es geht um Walfangquoten, Delfine zu schützen, BP aufzufordern die Kosten für ihr Chaos zu übernehmen usw. Natürlich beziehen wir Stellung, schicken Mails weiter unterschreiben und wünschen uns, das wir etwas bewirken und das tun wir auch.

Und manchmal passiert etwas, da trifft es uns persönlich, da kommt das Leben mit voller Wucht daher, da können wir uns nicht entziehen. Und dann bist du plötzlich wie vor den Kopf geschlagen, hilflos von Angst geschüttelt und fragst dich, was tun gegen eine scheinbare Übermacht, mit der Du plötzlich konfrontiert bist, die Dich bedroht und so viel größer ist, so viel mehr Geld hat als Du. Und dann musst Du Stellung beziehen, über die Angst gehen, es fordert Dich persönlich heraus, Deine Haltung wird überprüft, ob Du Dich persönlich beugst oder Haltung zeigst, Wiederstand leistest.

Nun zu unserer jetzigen Situation:
Wir sind seit 65 Jahren ein Familienbetrieb, haben 20 Angestellte, wir haben eine Buchhandlung, eine Auslieferung ( wir liefern deutsche Verlage, wie Arun, Jan van Helsing, Nietsch und viele andere Verlage in Österreich aus) und haben auch einen Verlag mit dem Motto" Bücher für ein bewusstes Leben" Wir sind ein ganz normaler mittelständischer Betrieb in Oberösterreich wie so viele andere auch. Mittlerweile arbeitet die dritte Generation unserer Familie in unserer Firma. Als Familie sind mein Mann und ich seid 38 Jahren ein glückliches Team, wir haben 6 Kinder, darunter ein liebenswerte besondere Tochter mit Downsyndrom, Schwiegerkinder, sechs Enkelkinder, also eine geballte Kraft an Leben und Lebendigkeit mit allem Chaos, das so eine große Familie mit sich bringt. Wir haben es im Griff und halten zusammen.

Leider hat Thalia jetzt sein begehrliches Auge auf uns geworfen. Sie hätten einfach mehr Umsatz, wenn es unsere Buchhandlung nicht gäbe, wenn sie unseren Standort hätten. Sie haben uns vor einem halben Jahr ein Kaufangebot gemacht, wir haben kurz überlegt und dann abgelehnt. Ein ganz normaler Vorgang, das war es, dachten wir. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine branchenübliche Geschäftsbeziehung mit Thalia, sie haben unsere Bücher aus Verlag und Auslieferung bestellt, wir hatten eine gute Geschäftsbeziehung.
Bei Thalia gab es einen Geschäftsführerwechsel, einer der beiden Geschäftsführer verlies die Firma und es kam ein neuer Geschäftsführer aus Deutschland. In Deutschland ist Thalia marktführend und hat laut Wikepedia alle großen Verlage ziemlich im Griff. Nun weht ein anderer Wind, wäre doch gelacht, diesen kleinen Ennsthaler in Steyr nicht in den Griff zu bekommen. Der deutsche Geschäftsführer kam in unser Haus zu einem Vorstellungsbesuch, wie er sagt. Leider war dieser Besuch kein höflicher, wie wir dachten. Entweder wir verkaufen oder sie bestellen nichts mehr bei uns. Mein Mann hat ihn höflich aber bestimmt hinausgeworfen. Naiv wie wir waren hat mein Mann noch den österreichischen Geschäftsführer informiert über das Verhalten seines Kollegen. Der hat uns erklärt, dies sei die übliche Vorgehensweise
von Thalia und es zählen nur Fakten, Emotionen hätten da keine Platz.

Das Verhalten von Thalia ist erstmalig im österreichischem Buchhandel, es weht also ein neuer Wind. Verkaufts Du nicht, zerstören wir Dich. Ich will haben, ist das Motto. Wir sind jetzt als Verlag und Auslieferung in den Computern von Thalia gesperrt. Als Kunde könnt Ihr keine Bücher mehr von uns bei Thalia kaufen. Offizielle Begründung, Ennsthaler hat die Geschäftsbeziehung mit Thalia eingestellt., so wurde es auch angeblich den Angestellten von Thalia mitgeteilt. Wir haben eine Gegendarstellung gemacht, haben klargelegt, wir verkaufen unsere Buchhandlung nicht, das ist eingestellt, dies hat nichts mit unserer Auslieferung oder dem Verlag zu tun. Die Antwort ist, solange dieser "strittige" Punkt nicht geklärt ist, wird nicht bestellt. Wir sind kein strittiger Punkt in der Welt von Thalia, wir sind eine Familie, die ihre Buchhandlung einfach behalten will. Punkt.

Sie haben jetzt die Vorgehensweise verschärft, indem sie Keile zwischen uns und unseren Autoren treiben. Sie erklären unseren Autoren, wen sie ihre Werke direkt an sie liefern, dann verkaufen sie die Bücher. Sie rufen die Verlage an und versuchen direkt zu bestellen, mit der Begründung, sie nehmen keine Bücher mehr von Ennsthaler an. Sie haben den Bücherpaketdienst angerufen und angewiesen, keine Bücher mehr zuzustellen, die von uns kommen. Sie zwingen also die Verlage, vertragsbrüchig zu werden und direkt zu liefern oder die Auslieferung zu wechseln. So sitzen wir ganz schön in der Zwickmühle.

Nun ich bin eine Frau, bin Ehefrau, Mutter, Großmutter, Schamanin, liege in den letzten Monaten meiner Ausbildung zum systemischen Lebensberater, hab meine Kinder zu aufrichtigen Menschen erzogen und habe den Glauben an das Gute in der Welt noch nicht verloren. Es ist mir wichtig, welche Welt ich meinen Kindern und Enkelkindern überlasse. Die Spiele der großen Herren dieser Welt habe ich nie verstanden. Ich will in dieser Welt einen kleinen positiven Fußabdruck hinterlassen, nach meinen Möglichkeiten.

Ich habe mich am Wochenende gefragt, was ist meine Rolle in diesem Spiel des Lebens. Diejenigen von Euch, die mich besser kennen, wissen, ich neige nicht dazu, laut in die Öffentlichkeit zu gehen, für meine Belange schon gar nicht. ich löse meine Geschichten lieber alleine und im stillen Kämmerlein. Es fällt mir schwer zu sagen, jetzt brauche ich Hilfe, jetzt reicht es.

Jetzt ist offensichtlich die Zeit, wo mich das Leben auffordert, hinauszutreten aus der stillen Kammer, weil es jetzt nicht mehr alleine
geht. Ich habe Emotionen, auch wen das von Thalia nicht erwünscht ist. Wir haben uns aus ganzem Herzen bemüht, die Situation nicht eskalieren zu lassen, Wege offen zu lassen, damit sich die Lage beruhigen kann. Die letzten Monate habe ich mich immer gefragt, wem diene ich, der Angst oder der Liebe. Ich habe mich für die Liebe entschieden. Ich habe auch keine Angst, wir werden überleben als Menschen und als Seele.

Manchmal ist es aber an der Zeit Grenzen zu setzen, Grenzen die so stark sind, das sie spürbar sind für den, der sie verletzt. Die Wahrheit zu sagen, nicht mehr leise zu ertragen, weil die Methoden der Konzerne subtil und zerstörerisch für uns alle sind. Sie passieren in unserer Stadt, in unserem Umfeld und wir bekommen sie oft nicht mit, weil wir uns schämen, das es uns passiert, weil wir keine Hoffnung haben, das uns geholfen wird.

Mit manchem von Euch habe ich gesprochen, Ihr habt mir gesagt, gehe an die Öffentlichkeit. Nun dies ist der erste Schritt dazu. Als Frau sage ich jetzt, ich stehe diesen Spielen von Zerstörung und Vernichtung eines menschlichen und wertschätzenden Umgangs miteinander, nicht mehr zur Verfügung. Es kann nicht sein, dass das einzige Ziel die Gewinnmaximierung eines Konzerns ist.

Jetzt ist es an der Zeit für mich laut zu werden, ein positives Signal zu setzten, so geht es nicht, das muss anders werden.

Ich bitte Euch um Eure Unterstützung für uns und unsere Mitarbeiter ( unsere Mitarbeiter und ihre Familien sind uns einfach wichtig, wir wissen auch, wenn wir verkaufen, sind sie arbeitslos, Thalia übernimmt sie sicher nicht) Eure positiven Ideen, was immer jetzt auch helfen mag. Schickt das Email weiter, haltet meine Hand, gebt Eure Kundenkarte bei Thalia zurück, wenn Ihr mit diesen Vorfällen nicht einverstanden seid,sprecht sie drauf an ( übrigens, die normalen Angestellten von Thalia, sind nicht glücklich über diese Vorgehensweise und können nichts dafür, wie ihre Chefetage vorgeht , wie wir aus einigen Telefonaten mit Filialen wissen ), bestellt Eure Bücher bei uns oder dem örtlichen Buchhändler ( der kann es auch brauchen, schmöckern könnt Ihr ja bei Amazon und dann unterstützt den kleinen Buchhändler, indem ihr bei ihm kauft. Der Preis ist ja der selbe, weil es ja einen gebunden Ladenpreis gibt).

Ich habe keine Ahnung, was momentan hilft, aber ich bin überzeugt, das es eine Lösung gibt, die gut für uns alle.

Ich wünsche Euch viel Bewusstsein, einen aufrechten Gang und danke Euch für Eure Geduld, das Ihr diese lange Email gelesen habt.

Alles Liebe

Regina Ennsthaler

Info 2
Brief von Regina Ennsthaler vom 26.06.2010

Betreff: Versöhnung

Als systemische Lebensberaterin i.A.u.S. und initiierte Schamanin ist es mir wichtig, meine Rolle in dieser Diskussion einzunehmen. Ich bin Ehefrau, Mama, Oma, derzeit in Bildungskarenz. Ich war noch nie Geschäftsführerin, bin es nicht und werde es nie werden. Ich habe am Mittwoch 30 E-Mails an meine Freunde geschickt mit der Bitte um Ideen und Hilfe. Mit diesem enormen Echo habe ich nicht gerechnet. Es hat die Menschen berührt, sie haben es weitergeschickt und viele haben mir geschrieben und mich angerufen, weil es ihnen wichtig war, mich zu unterstützen und mir Mut zu machen. Dafür danke ich euch allen von ganzem Herzen.

Meine Aufgabe als Berater ist es, Menschen zu berühren, sie zu unterstützen, nicht sie zu verletzen. Ich schätze die Mitarbeiter von Thalia, sie sind Berufskollegen meines Mannes und meines Sohnes. Sie sind Menschen wie ich, und ich arbeite mit Menschen. Ich kann auch nicht mit einer Werbeagentur in Diskussion treten, denn das ist nicht mein Metier. Ich bin jederzeit bereit, mit jedem, der es wünscht, offen und ehrlich zu reden, von Mensch zu Mensch. Wir sind alle Wassertropfen desselben Meeres der Gefühle. Wenn ich Menschen mit meinen E-Mail berührt habe, habe ich ihre Gefühle berührt, ihr Unbehagen über die Entwicklung der Wirtschaft, sonst hätte es nicht dieses enorme Echo gegeben. Es hat mich viel Mut gekostet und ich habe es getan. Ich habe mich nicht versteckt, sondern habe erzählt, wie es mir geht. Das hat die Menschen bewegt, es hat in ihnen ihren Wunsch nach Mut und Vielfalt geweckt, hat ihnen bewusst gemacht, was auch sie wollen und was nicht. Sie wollen Vielfalt und da haben wir alle Platz. Der Kunde entscheidet und das ist gut so.

Konflikte sind da, wenn etwas nicht mehr stimmt, wenn das Unbehagen groß wird. Offensichtlich stimmt vieles nicht mehr, sonst gäbe es nicht diese Reaktion, das kann man nicht planen. In Konflikten gehen die Wogen hoch, wir haben Gefühle und Ängste. Wir setzen uns an einen Tisch und wenn wir uns gegenseitig respektieren und wertschätzen - auch mit unseren Gefühlen - werden wir uns als Menschen begegnen. Mein Wunsch war und ist es noch immer, einen Normalzustand des gegenseitigen Respekts zu erreichen, mit klaren Regeln.
Ich habe ein Thema berührt, habe es thematisiert (das ist meine Aufgabe). Ein Thema, das viele betrifft: Wie stehen wir in dieser Welt, wie aufrichtig sind wir, welchen Mut haben wir, wofür entscheiden wir uns.

Jetzt reden wir darüber und ein jeder ist für seine Worte und Handlungen verantwortlich. Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln und meine Worte und bitte alle, die jetzt daran beteiligt sind, dasselbe zu tun. Nach dem Motto, was Du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu. Wir haben als Menschen die Fähigkeit, uns jederzeit zu versöhnen. Nichts hindert uns daran.

Alles Liebe Regina Ennsthaler

Info 3
Nachricht auf börsenblatt net 29.06.2010

Thalia und Ennsthaler wieder vereint
Die Zeit, in der Thalia und Ennsthaler getrennte Wege gehen, ist vorbei: In einer Stellungnahme erklärt die österreichische Thalia-Tochter den Konflikt für beendet. Der Verlag aus Steyr liefert also weiter – und Thalia kauft ein.

Laut Verleger Gottfried Ennsthaler soll Thalia die Titel des Verlags (insgesamt 600) ausgelistet haben. Seit Mitte Mai seien die Bestellungen auf Null gegangen – weil er sich nicht zu einem Verkauf seiner im Zentrum von Steyr gelegenen Buchhandlung habe entschließen können (200 Quadratmeter; Filiale von Thalia ca. 150 Meter entfernt). Thalia hält jedoch dagegen – und teilt mit, dass Ennsthaler selbst die Geschäftsbeziehung beendet habe. 

Diskussionen auf Facebook  
Öffentlich geworden ist der Konflikt durch eine E-Mail von Ennsthalers Frau; das Schreiben landete vergangenen Mittwoch zunächst bei Facebook – worauf sich Ennsthaler zufolge bereits innerhalb der ersten 24 Stunden mehr als 1.400 Fans gemeldet hatten. Über soziale Medien gelangte die Botschaft schließlich an die Medienagenturen und Nachrichtensender; Thalia wurde landesweit zum Thema.

Das Happy End nach fünf Tagen ................

Weitere Infos auf börsenblatt.net


 

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Kommentare
ennsthaler
Autor: margit melcher am 2010-06-29 10:01:34

na bitte - endlich funktioniert mal was in der art "der kunde ist könig", sprich der leser diktiert den buchhandel. wenn wir zusammenhalten ist alles möglich! ich freue mich mitgewirkt zu haben, dass das passieren konnte, dass david gegen goliath erfolgreich war!!

und marketingmäßig möchte ich anfügen: 30 mails an die richtigen leute und es geschehen wunder! ich wünsche ennsthaler viel erfolg und freue mich über den sieg eines "kleinen" verlages.


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sieg eines "kleinen" verlages
Autor: Michael Gosch am 2010-07-05 18:00:33

ich erkenne daraus weniger einen Sieg eines "kleinen" über einen "großen", als
1. die Fähigkeit "namenloser" sich rasch und wirksam zu formieren
2. den Willen eine klare Meinung zu äußern
3. den Mut sich zu seiner Meinung auch namentlich zu bekennen

das gibt Kraft für eine bessere Welt für ALLE einzutreten

herzliche Grüße
Michael


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Ennsthaler
Autor: Gudrun Graf am 2010-07-04 13:44:07

Hallo Michael,

ich freu mich über den Ausgang und v.a. auch, dass Initiativen im Facebook wirklich auch wirksam werden....


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Ennsthaler
Autor: Roland Grün am 2010-07-18 16:26:25

ja, genau das ist es ... wir lehren, anstatt wir lernen

wir erinnern uns noch an Bruno Kreisky, die Herren und Damen lernen ja nichts aus der Geschichte ...

DAHER warum lernen wir eigentlich nichts sondern stellen einfach Behauptungen auf, fressen am liebsten die anderen auf, wie die Fa.Ennsthaler nicht in das Konzept von Thalie gepasst hat und daher gekauft werden muss

kennen wir keine anderen Formen als Krieg, Hass und Neidgenoschenschaft - leben und leben lassen, und wenn ich am anderen Gefallen finde, dann reden wir doch auf Augenhöhe über Kooperation und nicht Divide et Impera

habe diese Woche von Fünf Damen im EPU Forum der Wirtschaftskammer Wien gehört:

www.die5imachten.at eine tolle Erfolgsstory von 5 Damen die der Welt zeigen, wir schaffen es, wir haben die Power, wir sind alle für eine und eine für alle

Liebe Grüsse

 

Euer

Roland Grün

    

 


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