Die Meldung im Ö1 Morgenjournal vom Freitag, 26. März 2010 ist ist sicherlich für viele Ohren der Befürworter gentechnikfreier Zonen eine Wohltat als auch Überraschungsmeldung. Wäre hätte sich schon gedacht, dass gerade Bulgarien die EU austrickst und gentechnikfrei bleibt!
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Die genaue Meldung im Ö1 Morgenjournal lautet folgendermaßen:
Entgegen einer entsprechenden EU-Richtlinie bleibt Bulgarien gentechnikfreie Zone. Der Grund: Rund um Bienenstöcke, Naturschutzgebiete und Bio-Anbauflächen gelten neue Schutzbestimmungen. Damit bleibt praktisch kein Platz für genmanipulierte Pflanzen. Ein Erfolg für die Gentechnik-Gegner.
Druck der Straße
"Saubere Erde, gesunde Kinder" – mit dieser Forderung gingen Tausende von Gentechnik-Gegnern in ganz Bulgarien in den vergangenen Wochen auf die Straße. Im Internet und mit Kinderpostkarten machten sie mobil und begründeten ihren Protest.
"Wer hat etwas von der Gentechnik", fragte ein Demonstrant.
"Der Nutzen ist fast gleich Null: In den ersten vier Jahren steigen die Erträge, aber danach sinken sie dramatisch. Die Landwirtschaft wird versklavt, und die Chemiekonzerne verdienen jedes Jahr mehr an den Patenten."
"Wir wollen keinen Gentechnikanbau. Der Schaden für die Menschen ist zu groß", erklärte eine Frau. "Man bekommt Allergien und alle möglichen Krankheiten. Und wenn Babys Gentechnik-Kulturen in der Nahrung haben, wissen wir nichts über die Spätfolgen."
Bienenzüchter retten Gentech-Verbot
Die Demonstranten liefen Sturm gegen ein neues Gentechnik-Gesetz - und sie hatten damit Erfolg. Der Beschluss des Parlaments in Sofia stellte am Ende die ursprünglichen Pläne auf den Kopf. Trotz anderslautender Richtlinien aus Brüssel wird Bulgarien als jüngstes EU-Mitgliedsland nun auch künftig gentechnikfreie Zone bleiben. Der Erfindungsreichtum der Abgeordneten macht es möglich: Weil ein generelles Verbot von gentechnisch veränderten Organismen nach europäischem Recht nicht zulässig ist, nutzten die Parlamentarier den Spielraum einer anderen EU-Richtlinie aus. Dabei kam ihnen unter anderem zu Hilfe, dass Bulgarien offenbar ein Paradies für Hobby-Imker ist.
Schutzradien um Bienenstöcke
Rund um jeden einzelnen Bienenstock im Land gilt nämlich künftig ein Gesetz, das einen Schutzradius von zehn Kilometern ohne Gentechnikanbau vorsieht. Betreibt ein Bauer irgendwo Bio-Landwirtschaft, so dürfen dort im Umkreis von sieben Kilometern ebenfalls keine gentechnisch veränderten Organismen angebaut werden. Und rund um Naturschutzgebiete gilt sogar ein entsprechender Radius von 30 Kilometern. In einem kleinen Land wie Bulgarien bleibt da nicht mehr viel übrig - oder eigentlich gar nichts.
Mehr biologische Landwirtschaft
Bulgariens Staatspräsident Georgi Parwanow ist zufrieden: "Ich empfinde Genugtuung darüber, dass letztendlich unter dem Druck der Bürger eine vernünftige Entscheidung getroffen wurde. Damit gelingt es uns, Bulgarien sauber von Gentechnik-Einflüssen zu halten und die Voraussetzungen zur Entwicklung einer biologischen Landwirtschaft zu schaffen."
Einfallstor geschlossen
Dabei galt Bulgarien unter Gentechnik-Experten neben Rumänien lange Zeit als mögliches Einfallstor für neue gentechnisch veränderte Pflanzen in die Europäische Union. Nun aber könnten stattdessen die Gentechnik-Gegner auch in anderen EU-Mitgliedsländern auf das bulgarische Beispiel aufmerksam werden.
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