Autor: Sana Brauner am 04. Mär 2011 Die Piste ist lang. Der Flughafen klein, doch sein Name berühmt: Kilimanjaro International Airport. Die holländische Fluglinie KLM fliegt diesen aus Amsterdam sogar nonstop an. Die Zollformalitäten sind schnell erledigt – das Visa lässt sich vor Ort um 50 Dollar oder 50 Euro besorgen. Gelbfieberimpfung wird verlangt. Da ich mich prinzipiell nicht impfen lasse, habe ich eine ärztliche Bestätigung gegen Unverträglichkeit dieser. Unser Vertreter ist nicht da
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Warum der Aufstieg in der Nacht erfolgt ist jetzt klar
Wir warten noch auf drei weitere Passagiere, die mit einem gerade aus Uganda ankommenden Flieger landen. Eine Dame erscheint sobald, die Koffer der anderen beiden sind unauffindbar. Es heißt warten und diese Zeit nützen wir, um uns im Transferbus sitzend mit der Dame zu unterhalten. Denn sie hatte vor zwei Wochen – Mitte Jänner - bereits den Kilimanjaro bestiegen, und zwar unter sehr schlechten Wetterbedingungen. Regen über Stunden hinweg war täglicher Begleiter der Gruppe. Sich Informationen von vielen Seiten einzuholen empfehle ich übrigens sehr. Am besten sind die Reportagen im Internet. Da die meisten zu unterschiedlichen Jahreszeiten – die beste soll Juli sein – den Kilimanjaro besteigen, sind die Erfahrungen entsprechend vielfältig und eine große Entscheidungshilfe für die persönliche Reiseplanung. Schließlich sind unser aller Bedürfnisse sehr unterschiedlich. Was tatsächlich für die Besteigung mitzunehmen ist, wird bei allen Reiseveranstaltern sehr detailliert aufgelistet.
So will der eine sich gerne einer Gruppe anschließen, andere sind wieder lieber individuell, alleine oder zu zweit. Die Zeit spielt ebenso eine wichtige Rolle. Will ich zu jedem Termin starten können oder an ein festes Programm gebunden sein. Das vorhandene Budget ist einer weiterer Punkt und wirkt sich im Komfort aus. Meist in der Größe des Zeltes oder in der Tatsache, dass man zum Essen auch Tisch und Stuhl bekommt oder mit den naturgegebenen Bedingungen Vorlieb nehmen muss. Man kann sogar um eine tragbare Toilette ansuchen. Wie gesagt, alles eine Kostenfrage. Denn die Ausrüstung haben Träger den Berg hinauf und wieder hinunter zu tragen. Persönlich trägt man einen Rucksack, mit jenem Gepäck, das man stets griffbereit zur Verfügung haben will. Besondere Aufmerksamkeit ist dem Wasser zu widmen. Den täglichen Vorrat bekommt man morgens, wie viel immer man auch braucht, und hat es über den Tag durch aufzuteilen. Ich habe den Rat eines Freundes, trinke wie ein Kamel, befolgt und bin damit sehr gut gefahren.
Ob man den Gipfel schafft oder nicht, hängt von vielen Umständen ab. Die körperliche Kondition lässt sich vorbereiten. Die Wetterbedingungen sind ein wesentlicher Faktor,inwieweit der Aufstieg erschwert wird. Wichtig ist daher eine atmungsaktive Kleidung. Diese sollte man gleich einer Zwiebel Schicht für Schicht, je nach Wetter, an- oder ausziehen können. Ob sich die Höhenkrankheit einstellt (Kopfweh, Schwindel, Erbrechen....), erfährt man erst vor Ort. So gesehen kommt neben dem guten Willen das Ziel zu erreichen auch noch das Glück ins Spiel. Die Aufstiege und Nächtigungen sind entsprechend der Anpassung an die unterschiedlichen Höhe geplant.
Wir haben den Tag des Aufstieges vor uns. Unser Führer Kabila fragt uns, ob wir bereit sind. Wir haben aufgrund des guten Wetters und flottem Tempos einen Tag Vorsprung, und entscheiden uns, anders als sonst, für den Aufstieg bei Tag. Doch warum dieser gegen Mitternacht stets stattfindet, ist sicherlich nicht allein wegen dem zu erlebenden Sonnenaufgang, sondern wurde uns bald klar: Das Ende lässt sich erahnen, doch im Dunkeln nicht sehen. Bei Tag sieht man wiederum, es ist kein Ende in Sicht.
Schritt für Schritt, die Luft wird immer dünner, geht es steil und immer steiler hinauf. Die Zeit spielt keine Rolle mehr. Der Weg in die ewige Unendlichkeit hat ihren Lauf genommen. Doch irgendwann, Pole, Pole, ist es soweit. Zuerst der Steela Point und hier heißt es: nicht lange überlegen, weitergehen, schön langsam, Pole, Pole doch immer weiter.
Und nach etwa einer weiteren Stunde stehen diese vom Wind, Sturm und Schnee gekennzeichneten Bretter vor uns mit der Aufschrift:
Gratulation: Du befindest dich am Uhuru Peak, 5895 Meter
Diesen seit 1973 unter nationalem Schutz und seit 1989 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählenden höchsten Berg Afrikas zu besteigen ist eine stolze Leistung. Die Freude ist entsprechend groß, wenn auch kaum fassbar, wir haben es tatsächlich geschafft. Die Strapazen der letzten Stunden waren enorm und schließlich stehen nun auch Stunden des Abstieges vor uns. Doch Pole, Pole werden auch diese zu einem Ende kommen. Und als Erinnerung bleibt: Man hat eine der seltenen sportlichen Herausforderungen des Lebens gemeistert - man hat das Dach Afrikas bestiegen.
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