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Bibelweisheit: Dekalog – zehn Worte zu einem Leben in Freiheit

Autor: Dipl.-Päd. Michael Karjalainen-Dräger am 30. Aug 2011
Lesen wir die zehn Gebote wie sie gemeint sind, werden sie zu einer ethischen Grundlage für ein Leben in Freiheit.
Der Dekalog ist in der Bibel gleich an 2 Stellen zu finden, nämlich im Buch Exodus (Ex 20,2–17) sowie im Buch Deuteronomium (Dtn 5,6–21) was seine Wichtigkeit als Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft unterstreicht.

© Bild: Karina Wieland Müller, pixelio.de

Als Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft aufgeschrieben, in der es keine persönlichen Sicherheiten außer die Familie gibt, wurde er in weiterer Folge immer mehr als moralisches Druckmittel verwendet, um Menschen zu disziplinieren. Das konnte nicht gut gehen und widerspricht den Intentionen eines christlichen Weltbildes.

Kehren wir daher zum Original zurück und wir werden feststellen, dass eine Übersetzung der Einleitung jedes „Gebotes“ aus dem Hebräischen mit den Worten „Du sollst“ äußerst fragwürdig ist. Denn diese Formulierung berücksichtigt nicht die (lange) Vorgeschichte, bis das Volk Israel am Berg Sinai ankommt, noch nimmt sie die Einleitung des Dekalogs ernst.

Die HebräerInnen werden aus einer jahrelangen Knechtschaft in Ägypten von Mose und den Seinen (Aaron und Mirjam) in einem langen (die Bibel verdeutlicht dies, in dem sie von 40 Jahren spricht) Weg durch Wüsten und schmerzliche Erfahrungen ins gelobte Land geführt. Die Erfahrung dieser Zeit zeigt deutlich, was Freiheit bedeutet, dass sie immer wieder errungen werden will und dass es auch zahlreicher Bemühungen bedarf, sie zu erhalten (zur Exodusgeschichte in einer späteren Kolumne mehr).

Im Prolog des Dekalog, der integraler Bestandteil des Gesamten ist, heißt es: „Ich bin Jahwe (Der „Ich-bin-da“, Anm.), der dich aus Ägypten geführt hat, dem Sklavenhaus.“ Und daher: weil ich dich in die Freiheit geführt habe, „wirst du“ all diese Regeln halten. Es geht also nicht um Dankbarkeit einem „strengen, rachsüchtigen“ Gott gegenüber sondern vielmehr um den liebevollen Wunsch Gottes, dass die Menschen in Freiheit bleiben und daher diese ethischen Grundregeln einhalten. Ein Abweichen führt wieder in eine Abhängigkeit und damit in die Unfreiheit, nicht weil Gott, das will, sondern weil es die logische Konsequenz aus unserem Verhalten ist.

Aus dieser Perspektive betrachtet wird der Dekalog ein Appell an uns alle, uns die Freiheit zu bewahren und Gott zu einem liebenden Vater, einer liebenden Mutter, der/die nichts anderes will, als dass die Menschen im Glück leben.

Zu den einzelnen Geboten werde ich in den nächsten Kolumnen schreiben.

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