Sommer, Sonne, Strand und Meer oder Berge und Seen – ein herrliches Lebensgefühl auf das wir uns jedes Jahr wieder freuen. Und wie in jedem Jahr so gehen wir auch heuer wieder in die Falle der Urlaubs-Wüsten, weil wir sie nicht ins Bewusstsein nehmen, vorher, sondern sie sich vielmehr ins Bewusstsein drängen, nachher. © Bild: Walter Frehner, pixelio.de |
Also, was spricht dagegen sich diesmal darauf vorzubereiten, dass jeder wirkliche Urlaub mit einer Wüstenerfahrung beginnt, die vom Mangel an Alltag gespeist wird?
Viele Urlaubs-Fachleute empfehlen uns daher, langsam, Schritt für Schritt das Arbeitstempo vor dem Urlaub zu reduzieren, um nicht in den Urlaub zu „plumpsen“, also keinen Urlaubsschock zu erleiden. Und dann die Aktivitäten an den Anfang des Urlaubs zu stellen und diese nach und nach ausklingen zu lassen. Eine Idee.
Es gibt aber auch noch eine andere, deren Weisheit viel älter ist – und deswegen nicht schlechter: den Urlaub nämlich wirklich als Chance zu sehen, mal wieder sauber zu machen im Inneren, in der Seele, im Bewusstsein. Überall dort, wo in der Bibel von Wüste die Rede ist, die Beteiligten Wüstenerfahrungen machen (z.B. Mose, Elia, Jesus), bringt die Wüste Entwicklungsschritte und persönliche Reifung.
Mose führt die Seinen – dem göttlichen Auftrag folgend – aus der Gefangenschaft des Pharao (Sinnbild für alles, was uns abhängig macht bzw. wovon wir uns abhängig machen) in die Freiheit. Doch nicht sogleich wird das gelobte Land, in dem Milch und Honig fließen, erreicht, sondern zuerst ist die Wüste zu durchqueren. Eine elendslange Zeit ist das – zumindest kommt uns das so vor (biblisch ausgedrückt: 40 Jahre). Und dennoch: mit Geduld und den richtigen Aktivitäten zum richtigen Zeitpunkt (im Osten spricht man von wu wie – Handeln durch Nichthandeln) gibt es immer Wasser und Nahrung – und das Ziel wird erreicht. (Exodus)
Elia zieht sich nach seinem Massenmord an den Baals-Priestern erdrückt von Schuldgefühlen zum Sterben in die Wüste zurück. Doch auch er findet auf wunderbare Weise einen schattigen Baum und wird mit heilsamer, himmlischer Nahrung versorgt. Und er begegnet Gott in der Stille, also dann, wenn er innerlich still geworden ist. (1 Könige 19)
Schließlich erfahren wir von Jesus, der, um sich seines Lebensauftrages bewusst zu werden, die Einsamkeit der Wüste sucht und dort mit seinen - den typisch menschlichen - Schattenseiten konfrontiert wird. Die Bibel legt diese Versuchungen dem Teufel in den Mund. (Matthäus 4)
Im Sich-Einlassen auf die Leere (vom Alltäglichen) wird eine Fülle von noch nicht verarbeiteten Themen sichtbar (meist in Gedanken und Träumen oder plötzlich auftauchenden Gefühlen).
Diese gilt es nicht wegzudrängen (durch andere Gedanken) oder zu unterdrücken (z.B. durch Erhöhung der Aktivität), sondern bewusst wahrzunehmen. Schreiben Sie sie auf, malen sie ein Bild derselben oder vertonen Sie sie (mit der Stimme oder einem Instrument). So befreit können Sie beruhigt auf die Verbindung zu Ihrem Höheren Selbst und zum Höchsten Selbst (in der Bibel Gott genannt) warten. Auch das ist nicht zu erzwingen, sondern stellt sich zur rechten Zeit ein. Pflegen Sie die alte Tugend der Muße, üben Sie Gelassenheit. Sie werden erleben wie der Urlaub dadurch wirklich erholsam wird - und mit positiven Veränderungen in Ihrem Leben dauerhaft nachwirkt.
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