Autor: Sana Brauner am 27. Jun 2008 Sie wollten schon immer nach Bhutan? Eines darf Sie von Anfang an beruhigen – in Bhutan werden Sie niemals verloren gehen. Auf Schritt und Tritt werden Sie, sei es in der Stadt oder in den Bergen, drücken wir es einmal so aus, vom örtlichen Reiseleiter begleitet. Vom herzlichen Willkommensgruß bis zur ebenso freundlichen Verabschiedung ist jeder Besucher in Bhutan ein gläserner Gast. Hat man eine Gruppenreise über einen Reiseveranstalter gebucht, so wird man davon wenig mitbekommen. Möchte man gerne individuell anreisen, vor Ort ein Hotel buchen, per Mietwagen durch das Land fahren oder sich mit dem Rucksack am Buckel auf Wanderung begeben, so ist das in den meisten Ländern leicht durchführbar – nicht so in Bhutan. Hier laufen die Uhren anders. Und nicht einmal so verkehrt, nur eben anders. |
Gehen wir es der Reihe nach an und gehen wir davon aus, dass Sie über das Internet buchen, was sehr erwünscht ist, so haben Sie sich auf jeden Fall ein Visum zu besorgen. Um dieses zu bekommen, ist der gesamte Reisebetrag im voraus an einen lokalen Reiseveranstalter zu überweisen. Dieser ist ab sofort der einzige Ansprechpartner in allen Angelegenheiten. Übrigens haben auch alle weltweiten Reiseveranstalter ihre Buchungen über einen lokalen Reiseveranstalter durchzuführen.
Touristen sind in Bhutan sehr willkommen, sind sie doch die an erster Stelle liegende Einnahmequelle. Es gibt keine jährlichen Einreisebeschränkungen in Zahlen. Diese erfolgen meine ich, durch die hohen Ansprüche, die man an den Gast stellt. Pro Tag und Person zahlt man schließlich je nach Hotelkategorie ab 180,- Dollar aufwärts. Flugkosten extra, denn der einzige Flughafen befindet sich in Paro und wird nur von der heimischen Fluglinie Drukair angeflogen. Stolz darf Bhutan behaupten, dass ja bereits die An- und Abflüge eine Erlebnis für sich sind – hat man doch die Bergkulisse der weltweit höchsten Gipfel vor der Linse – natürlich nur, wenn das Wetter mitspielt, aber im Preis ganz sicher bereits inkludiert.
Auf jeden Fall können Sie davon ausgehen, dass man sich bemüht, alle Wünsche zuvorkommend zu erfüllen. Die meisten Gäste kommen, um die sehr gut erhaltenen kulturellen Sehenswürdigkeiten wie Tempel, Klöster und Städte zu besichtigen.
Viele verbinden die kulturelle Seite mit dem Erlebnis der berühmten, bunten, traditionellen Feste dieses Volkes. Immer mehr kommen auch, um die Natur, Täler, Nationalparks und Bergwelt Bhutans während einer Trekkingreise zu entdecken. Trekkingreisen werden von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen, wie dem weltweit einzigartigen Snowman-Trek, bei dem man über 24 Tage insgesamt 12 Pässe in einer Höhe von 4.500 bis 5.300 Meter überquert, angeboten. Schließlich bietet Bhutan auch Abenteuerprogramme wie z.B. Mountainbiking, Kayaking und Rafting an.
Das Land des Donnerdrachens, Druk-Yul, hat jedenfalls und offensichtlich seine Tradition bewahrt und in den Alltag integriert. Sei es in der Bauweise der Häuser und Tempel, der Kunst, der Kleidung, der lebendig gebliebenen Rituale. Ob weiblich oder männlich, seinen Namen erhält man von dem jeweiligen Tempel, der als Taufe im buddhistischen Sinne dient. So hatten sowohl der männliche Reiseleiter als die weibliche Chefin des Reiseveranstalters beide den Namen Dechen. Das typische Essen besteht aus rotem Reis und Chilli mit Butter und könnte durchaus zu einer meiner Leibsspeisen zählen. Im Gegensatz dazu könnte ich mit Bhutans Nationalsport Bogenschießen leider nur wenig anfangen.
Beispielhaft ist wie die Regierung ihre Aufgaben dem Volk gegenüber erfüllt. So hat der jetzige 52-jährige 4. König von Bhutan, S.M. Jigme Singye Wangchuck, der im Alter von 17 Jahren an die Macht kam, diese am 24. März dieses Jahres an eine demokratische Regierung abgegeben. So wurde freiwillig die absolute Monarchie beendet. Unabhängig davon bleibt sein Anspruch auf den Titel als König von Bhutan, indem er nun hauptsächlich repräsentative Pflichten erfüllt. Erst im Juni erfolgte die Machtübergabe mit der Krönung seines nun 28-jährigen Sohnes, Absolvent der britischen Eliteuniversität Oxford, zum König. Der Spruch- alles zum Wohle des Volkes- wird in Bhutan vorbildlich gelebt. An erster Stelle steht die Autarkie des Volkes. Große Konzerne aus dem Ausland haben keine Chance, hier Fuß zu fassen.
Auf die Frage: „Ist allgemein Hilfe erwünscht?“ bekommt man als Antwort: „Ja, jedoch streng ausgewählt nach Bedarf“. Selbst Non-Profit-Organisationen bedürfen einer Genehmigung für ihre Arbeit, und natürlich verläuft der Finanzfluss streng kontrolliert über die Regierung. Somit kommt die Hilfe gezielt dort an, wo tatsächlich Nachfrage besteht und das zur Gänze. All diese Maßnahmen sollen zum Bruttonational-Glück, statt wie in den meisten Ländern zum Bruttonational-Produkt, beitragen.
Ach ja, ein Wort zum Rauchen. Es gibt in Bhutan keine Zigaretten zu kaufen, obwohl rauchen grundsätzlich erlaubt ist. Dass hier ein Schwarzmarkt entsteht, ist wohl selbstverständlich. Damit wären wir auch bei dem Hinterfragen des Werbeslogans:
Bhutan ...das letzte Geheimnis auf Erden. Wie lange wohl kann es noch abgegrenzt vom Rest der Welt, und eingequetscht zwischen den zwei Riesen China und Indien, in seinem Dornröschenschlaf verweilen?
Wie auch immer, brechen Sie zu einer Reise nach Bhutan auf, denn noch ist Bhutan – einfach unverschämt exklusiv!
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