Autor: Roland Grün am 16. Aug 2011 Sind Manager Pfeffersäcke oder die edlen Ritter des Wirtschaftswachstums © Bild: Foto: MEV |
In Anlehnung an John Foden´s Buch "Bezahlt, um zu entscheiden - 30 Schlüsselthemen, die kein Manager ignorieren kann" (erschienen im Ueberreuter Verlag Wirtschaft ISBN 3-80000-3431-X) möchte ich heute einerseits Vorurteile über das angeblich so tolle Leben von Führungskräften in der Bel-Etage abbauen und andererseits sozusagen die Rückseite des Spiegels der Verantwortung von Spitzenführungskräften beleuchten.
Was sind die Anforderungen an einen Manager - wobei ich das Wort sowohl für männliche als auch weibliche Führungskräfte gebrauche?
Das ist klar zu differenzieren in fachliche Anforderungen und persönliche Anforderungen:
fachlich:
hat jeder Manager seine Kernkompetenz, von seiner Ausbildung und Berufserfahrung ist er eher Kaufmann oder Techniker - auch Mischungen aus beiden sollen schon vorkommen. In Technik-Konzernen sind der Generaldirektor, mit den modernen Anglismen kurz CEO = Chief Executive Officer, zumeist Techniker - zB bei VW in Wolfsburg Martin Winterkorn, in anderen Konzernen sind es oft Manager mit dem Hintergrund Marketing und Vertrieb oder Finanzen, zB Siemens Peter Löscher, STRABAG Hans Peter Haselsteiner, UNIQA Dr. Andreas Brandstätter, OMV Mag. Rois
persönlich:
sind die Vielzahl der Führungskräfte nicht jünger als 40, haben sich sehr oft im Unternehmen die Sporen verdient und zeichnen sich aus durch: Visionen, klare Strategien, Umsetzungs- und Durchsetzungsstärke, sind meist gute Kommunikatoren, gute Netzwerker, zielorientiert, ausgeglichen, mit beiden Beinen am Boden der Realität, bringen Themen und Probleme klar auf den Punkt, hohes Maß an Berechenbarkeit, können sowohl im Team als auch allein bestehen, wägen Risken in allen Facetten ab
der Tagesablauf eines CEOs ist streng von seinem Büro eingeteilt, von 7.00 h früh bis 21.00 h abends mit Mittagspause ist jede Minute klar eingeteilt, der Manager läuft genauso wie Otto Normalverbraucher im Hamsterrad, nur mit dem Unterschied, er läuft gleichmäßiger und nach eigenem Tempo
er hat vor allem die Zukunft des Unternehmens klar im Visier, ist dem Aufsichtsrat verpflichtet, hat meist eine gute Gesprächsbasis mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden - meist wurde er von diesem bestellt.
Hier scheiden sich sehr oft die Geister:
ist der CEO dem shareholder value = den Interessen der Aktionäre oder dem Stakeholder value - den Interessen der Interessenspartner, also dem Aktionär, Mitarbeiter, Kunden, Gesellschaft und Lieferanten/Geschäftspartner verpflichtet.
Heutezutage leider sehr oft dem Shareholder Value, denn, wie kann es anders sein, der Bonus für den CEO wird vom Aufsichtsrat festgesetzt und das sind die bestellten Vertreter der Aktionäre.
Was aber klarerweise auch seine Auswirkungen in der Lenkung des Unternehmens hat - wenn bei der Gewinnverteilung pro Aktien die Dividende zu knapp ist, wenn vorgegebene Ziele nicht erreicht werden, Schlüsselprojekte nicht an Land gezogen werden können, dann sind die Tage des CEOs im Unternehmen gezählt.
Gerade die öffentliche Hand = die Republik bzw. Bundesländer als Eigentümer von Unternehmen á la ÖBB, Post, ORF, Flughafen Schwechat hat schon mehrmals nach Änderung der politischen Landschaft und Umbesetzung von Ministerien sich von Führungskräften trotz aufrechten Verträgen getrennt -
dem Manager egal, er ist halt dann mit Millionengage in der Tasche von Abfertigung angefangen bis Ausbezahlung des laufenden Vertrages und vorenthaltener Bonuszahlungen in die Wüste geschickt worden, doch trägt er sein Schicksal mit Fassung, seinen Abgang ließ er sich finanziell ordentlich versüßen.
Oft hat Otto Normalverbraucher den Eindruck, die da "Oben" könnten eingespart werden, die kosten nur Geld, aber bringen nichts.
Weit gefehlt - ein Beispiel sei in Erinnerung gerufen:
als der ehemalige Verstaatlichtenminister Dkfm. Ferdinand Lacina in den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts den aufgrund der Intertrading Affäre angebotenen Rücktritt des VOEST Vorstandes unter der Leitung von Dkfm. Heribert Apfalter annahm und 13 Direktoren abdankten, brach das darauffolgende Jahresergebnis an Umsatz und Gewinn über 60% ein.
Gibt es außer der Gage etwas beneidenswertes am Manager-Dasein?
Öfters kommt es vor, dass ein Manager heute gefeiert wird und morgen gefeuert.
Gerade bei privaten Unternehmen sind es oft persönliche Animositäten von Eigentümern, die von heute auf morgen einen Gesinnungswandel durchmachen, sich mit den Führungskräften nicht mehr verstehen oder Zielvorgaben verlangen, die weit ab von Markt und Realität sind.
Viele Führungskräfte werden nicht so alt an Lebensjahren, wie die viel gepriesenen Eisenbahner. Der Druck und das doch hohe Arbeitspensum hat seinen Preis. Es ist auch schon vorgekommen, dass Manager sich als Unternehmer versucht haben und kläglich gescheitert sind.
Da erinnere ich mich an den berühmten ÖIAG General Hugo Michael Sekyra, der nach Ausscheiden aus der ÖIAG versuchte ein Unternehmen aufzubauen. Das Scheitern hat ihn persönlich derart frustriert, dass er selbst seinem Leben ein Ende setzte.
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