Autor: Sana Brauner am 17. Dez 2010 Die Mausklick-Organisation AVAAZ übergab gemeinsam mit Greenpeace zum Thema Gentechnik mehr als eine Million Unterschriften an die EU-Kommission. Warum gerade in diesem Fall große Vorsicht angebracht ist.
Vortäuschung falscher Tatsachen: Gleich zweimal sammelte Avaaz für ein EU-weites Â"Gentechnik-MoratoriumÂ" Unterschriften: einmal mit dem üblichen Verfahren, beim zweiten Mal verlangte die Organisation noch weit mehr Daten von den Unterstützern. |
Klaus Faißner, freier Journalist für die Initiative Gentechnikverbot leistete eine hervorragende Recherche zur Organisation AVAAZ.
Lesen Sie folgende Hintergrundinformationen dazu:
Doch das war von Anfang an eine Augenauswischerei: Spätestens im Mai 2010 war bekannt, dass die Ausführungsbestimmungen für eine solche „EU-Bürgerinitiative“ frühestens Anfang 2011 fertig sind.[1] Erst Ende 2011 kann das erste Begehren eingereicht werden.[2] Trotzdem wurden in einer Riesenkampagne mehr als 1,2 Mio. „Unterschriften“ gesammelt und am 9. Dezember 2010 von Avaaz- und Greenpeace-Mitarbeitern an EU-Kommissar John Dalli übergeben – ohne jegliche Rechtskraft.
Gründer von Avaaz:
„MoveOn.org“ und „Res Publica“ – beides Organisationen, die eng mit George Soros in Verbindung stehen bzw. von ihm viel Geld erhalten haben.[3] Soros ist der wohl bekannteste Spekulant und Hedgefondsmanager der Welt, der personifizierte Inbegriff des Heuschrecken-Kapitalismus. Er brachte 1992 das britische Pfund an den Rand des Zusammenbruches, soll gegen den Euro gewettet haben, wurde 2006 in Frankreich wegen Insiderhandels, der ihm 2,2 Mrd. Dollar gebracht hatte, verurteilt und verdiente alleine im Krisenjahr 2009 geschätzte sagenhafte 3,3 Mrd. Dollar.[4]
Spendeneinnahmen: Laut Avaaz wurden seit 2007 „über 10 Millionen Dollar Online gesammelt“.[5]
Weltweiter Leiter: Ricken Patel, arbeitete u.a. schon für die Rockefeller- und die Gates-Stiftung[6], die die Gentechnik überallhin (insbesondere nach Afrika) verbreiten wollen bzw. mit dem Gentechnik-Konzern Monsanto auf Tuchfühlung sind.[7]
Deutschland-Chef: Julius van de Laar, der als einziger Deutscher im Wahlkampfteam von US-Präsident Barack Obama arbeitete.[8] Obama holte derart viele Monsanto-Leute in seine Regierungsmannschaft, dass der britische Anti-Gentechnik-Nachrichtendienst GMWatch schrieb: „Michelle <Obama> mag einen biologischen Garten <vor dem Weißen Haus> haben, aber ihr Ehemann hat den großen Konzernen und Monsanto die Schlüssel für die Tür gegeben.“[9]
Gentechnik-Petition:
Avaaz fordert „Fakten“ von EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, nämlich „ein Moratorium für die Einführung von genmanipulierten Nutzpflanzen in Europa zu erlassen, eine ethisch und wissenschaftlich unabhängige Forschungskommission ins Leben zu rufen, die die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln untersucht, sowie strenge Auflagen zu erlassen.“ Berechtigte Forderungen, möchte der unbedarfte Leser meinen. Das Gegenteil ist der Fall:
- „Unabhängige Forschungskommission“: Wieviele Forschungsergebnisse und Erfahrungen über die katastrophalen Auswirkungen der Gentechnik sollen noch vorliegen, bis ein Verbot verhängt wird?[10]
- „Moratorium“: Warum nur ein zeitliches und kein fixes Verbot? Vielleicht deshalb, weil nur das verboten werden soll, was die Menschen lieben (z.B. Glühbirnen) und nicht das, was wirklich gefährlich ist?
- „Strenge Auflagen“: Die EU rühmt sich ohnehin schon jetzt, bei der Gentechnik strenge Auflagen zu haben, was eine Lüge ist: Die zuständige EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat bisher jedes genmanipuliertes Produkt durchgewinkt und steht in engem Kontakt mit der Gentechnik-Lobby.[11]
Werben mit Skandal-Vertrag
Indem Avaaz die EU-Bürgerinitiative so positiv hervorhebt, wirbt sie auch für den EU- Vertrag von Lissabon (= der EU-Verfassung), der von keinem einzigen Volk Europas legitimiert wurde.[12] Die zahnlose EU-Bürgerinitiative soll dem neuen EU-Vertrag, der u.a. eine Verpflichtung zur militärischen Aufrüstung enthält, ein demokratisches Mäntelchen umhängen soll. Doch der deutsche Staatsrechtler Univ. Prof. Karl Albrecht Schachtschneider von der Universität Erlangen-Nürnberg spricht aus, was Sache ist: „Demokratie und Rechtsstaat werden ruiniert. Das ist eine Militär- und Diktaturverfassung.“
Kritisches Denken ist gefragt
Fazit: Die Avaaz-Verantwortlichen sind keine einfachen Bürger, sondern bewegen sich im Dunstkreis der Machteliten – dies wird besonders beim Thema Gentechnik deutlich. Die Gefahr, dass hier der Widerstand nur kanalisiert und nichts getan wird, ist groß. Kritisches Denken, gesunder Hausverstand und eigenverantwortliches Handeln sind mehr gefragt denn je – vielleicht auch mit dem Widerruf der eigenen Unterschrift bei einer fragwürdigen Aktion.
Klaus Faißner, freier Journalist für die Initiative Gentechnikverbot
Autor des Buches: „Wirbelsturm und Flächenbrand. Das Ende der Gentechnik“, € 14.-; ISBN: 978-3-200-01749-8;
Bestellung unter info@gentechnikverbot.at oder über den Buchhandel.
Nähere Infos unter http://tinyurl.com/32puog7
Kurzbeschreibung zum Buch:
Kompakt und leicht verständlich stellt das Buch die vielfältigen Gefahren der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln dar, enttarnt eine falsche Versprechung um die andere, erklärt die Absurdität dieser Technologie und zeigt gleichzeitig die Chancen auf, ihr ein Ende zu setzen. Denn einerseits will eine mächtige Lobby die Wirtschaftskrise für den totalen Durchbruch der Laborpflanzen nutzen und präsentieren Politiker Scheininitiativen für Gentechnikfreiheit. Andererseits hat die Gentechnik dort keine Chance, wo Menschen entschlossen Widerstand leisten bzw. wo Staaten souverän sind und die Bevölkerung direkt entscheiden kann – die Schweiz ist das beste Beispiel dafür. Wir stehen am Scheideweg, befinden uns mitten in einem Krimi. In diesen Wochen, Monaten und Jahren entscheiden wir alle mit, ob wir uns künftig menschengerecht oder konzerngerecht ernähren werden.
[1] http://derstandard.at/1271377446572/Kommentar-der-anderen-Werner-Faymann-und-die-Stimme-des-Volkes
[2] http://www.wienerzeitung.at/default.aspx?tabID=3861&alias=wzo&cob=531299
[3] http://www.avaaz.org/de/about.php , inzwischen vom Netz genommen, noch zu finden unter http://www.linguee.de/englisch-deutsch/uebersetzung/civic+group.html , http://de.wikipedia.org/wiki/George_Soros
[4] http://www.wiwo.de/finanzen/der-dubiose-super-spekulant-434643 und http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung112466.html
[5] Avaaz-Angabe vom Juni 2010 http://www.avaaz.org/de/about.php (wurde vom Netz genommen)
[6] http://therespublica.org/AboutUs.htm
[7] http://blogs.taz.de/saveourseeds/2007/01/09/bill-gates-maniok-und-monsanto und http://www.engdahl.oilgeopolitics.net/Auf_Deutsch/Monsanto/monsanto.html
[8] http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4524735/Wer-etwas-veraendern-will-muss-sich-einmischen.html
[9] http://www.gmwatch.org/latest-listing/1-news-items/11531-more-monsanto-men-joining-obama-administration Übersetzung im Buch: „Wirbelsturm und Flächenbrand. Das Ende der Gentechnik“, von Klaus Faißner
[10] http://umweltinstitut.org/gentechnik/kommerzieller-anbau/wir-mussen-die-wissenschaft-verandern---interview-mit-prof.-arpad-pusztai-186.html
[10] http://umweltinstitut.org/gentechnik/kommerzieller-anbau/wir-mussen-die-wissenschaft-verandern---interview-mit-prof.-arpad-pusztai-186.html und http://blogs.taz.de/saveourseeds/2009/06/03/roundup_daemmerung und pdf zum Herunterladen: http://login.taoweb.at/customer/81/folder/31/Gentechnisch%20modifiziertes%20Saatgut.pdf und
http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=2257684/1prj2ko/index.html
[11] Nähere Infos siehe „Wirbelsturm und Flächenbrand. Das Ende der Gentechnik“, von Klaus Faißner
[12] Nur die Iren durften abstimmen – und mussten dies so lange tun, bis das Ergebnis passte.
Kurzbiographie von Klaus Faißner
Nach dem absolvierten Studium der Umweltsystemwissenschaften machte ich meine Berufung zum Beruf und wurde Journalist. Nach der Tätigkeit bei der Nachrichtenagentur pressetext.austria in Wien, machte ich mich selbstständig und spezialisierte mich auf Umwelt- und Landwirtschaftsthemen. Besonderes Augenmerk richtete ich seit 2003 auf die Gentechnik. Artikel wurden u.a. in top agrar, Wiener Zeitung, Die Presse, Standard, Die Ganze Woche, Furche, Rheinischer Merkur, trend, Blick ins Land, Kurier, energie:bau, Zeitenschrift und Zeit-Fragen veröffentlicht. Mitautor der Bücher „Gefahr Gentechnik“ (2005) und , „Zukunft ohne Öl“ (2008, zusammen mit August Raggam). Im Dezember 2009 brachte ich das Buch „Wirbelsturm und Flächenbrand. Das Ende der Gentechnik“ im Eigenverlag heraus. Weiters Gründung der „Initiative Gentechnikverbot“, die sich neben einem Verbot jeglicher Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln auch für die Erhaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft einsetzt. Vorbild für Österreich sollte die Schweiz als eigenständiges, neutrales und vor allem direkt-demokratisches Land sein. Ihr Beispiel zeigt: Wo das Volk am Wort ist, hat die Gentechnik keine Chance. 2010 hatte ich die Freude, sowohl mit dem „Österreichischen Solarpreis“ als auch mit dem „Salus-Journalisten-Sonderpreis“ für gentechnikkritische Berichterstattung ausgezeichnet zu werden.
Autor: Sana Brauner am 2011-02-04 11:33:05
Sehr geehrte Frau Brauner,
Herr Faißner hatte einen Kommentar zur von Greenpeace zusammen mit Avaaz durchgeführten Petition gegen Gentechnik geschrieben. Daraufhin hatte ich ihm die unten stehende Richtigstellung geschickt. Da der Artikel auch auf der Seite "Mein-Einkauf" erscheint, könnte meine Antwort auch für Sie interessant sein. Ich möchte Sie bitten die Richtigstellung auf Ihrer Seite ebenfalls online zu stellen.
Bei Fragen oder Unklarheiten stehe ich natürlich gerne auch zu einem persönlichen Gespräch bereit.
mit freundlichen Grüßen
Philipp Strohm
__________________________-
Sehr geehrter Herr Feißner,
der von ihnen verfasste Text enthält einige Annahmen und Behauptungen. Ich bitte Sie daher die folgende Richtigstellung - im Sinne eines objektives Journalismus - auf der Seite gentechnikverbot.at zu veröffentlichen, damit sich die Leser ein wahrheitsgetreues Bild über die von Greenpeace initiierte Petition "1 Millionen Stimmen gegen Gentechnik" machen können.
Als Sprecher von Greenpeace Österreich kann ich nur zu Ihren Äußerungen bezüglich der Petition und Greenpeace Stellung nehmen und nicht zu Ihren Aussagen über Avaaz.
Sie behaupten, die Petition habe keine Rechtskraft:
Der am 1. Dezember 2009 in Kraft getretene Vertrag von Lissabon gibt den europäischen Bürgern mit der sogenannten "Citizens Initiative" erstmals die Möglichkeit auf direktem demokratischen Wege Einfluss nehmen zu können. Diese neue Möglichkeit ist ein Test für die Demokratie in Europa. Ob diese "zahnlos" oder "bissig" sein wird, wird sich noch zeigen. Wichtig ist aber, dass alle Möglichkeiten gegen die Gentechnik ausgeschöpft werden.
Es ist richtig, dass die genauen Anforderungen für eine solche Initiative noch lange unklar waren. Es ging bei diesen Anforderungen zum Beispiel um Fragen wie: Aus wievielen Ländern der EU müssen Menschen unterschreiben? Welche Daten müssen dabei angegeben werden? usw.
Ungeachtet davon aber, wurde das grundsätzliche Recht eine solche Initiative durchzuführen, im Vertrag von Lissabon abgesichert. Nur weil die Kommission ihre Hausaufgaben noch nicht erledigt hat und die detaillierten Anforderungen nicht geklärt hat, heißt das nicht, dass das Recht nicht bestehen würde. Natürlich stützen wir uns dabei auf abgesicherte Rechtsmeinungen.
Weiters kritisieren Sie,
dass die Petition "nur" die Einrichtung einer unabhängigen, wissenschaftlichen Behörde fordert und nicht ein generelles Verbot?
Gegenwärtig untersucht die EFSA (European Food Safety Organisation) Gentech-Pflanzen auf ihre Sicherheit. Es ist inziwischen allgemein bekannt, dass die EFSA dabei keineswegs objektiv vorgeht und deshalb auch noch kein einziges Gen-Konstrukt abgelehnt wurde. Wir sind davon überzeugt, dass sobald die Risikoanalyse von unabhängigen Wissenschaftlern druchgführt wird, keine einzige Gentech-Pflanze mehr zugelassen wird. Denn, wie Sie selbst geschrieben haben, liegen bereits zahlreiche Studien vor, die auf das Risiko hinweisen. ABER: diese Studien müssen auf europäischer Ebene offiziell anerkannt werden, sonst werden sie keine Kraft haben und somit auch nicht zu einem Gentechnikverbot führen.
Ihrer Aussage, dass kritisches Denken gefragt sei, stimme ich natürlich vollinhaltlich zu. Wären mehr Menschen gegen die Gentechnik aktiv, hätte die Biotech-Industrie keine Chance. Jedoch ist es mir auch ein Anliegen zu sagen, dass es der Anti-Gentechnik-Bewegung nicht hilft, wenn einzelne Akteure darin unvorsichtig negative Behauptungen über andere Aktuere aufstellen. Wir sollten gemeinsam an einem Strang ziehen und nicht in "internen" Streitereien unsere Energie verschwenden.
Wie es mit der Petition weitergeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Auf jeden Fall aber, wird die Kommission nicht einfach weiterhin das Gerücht streuen können, dass sie nicht rechtskräftig sei.
mit respektvollen Grüßen
Philipp Strohm
Gentechnik-Sprecher Greenpeace Österreich
Mag. (FH) Philipp Strohm
Kampagnen
Greenpeace in Central- & Eastern Europe (CEE)
Fernkorngasse 10
A-1100 Vienna / Wien / Austria
Tel.: ++43 1 545 4580 -15
Mobil: 0664 612 67 21
Fax.: ++43 1 545 4580 -98
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