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Arbeitsalltag in chinesischen Spielzeugfabriken

Autor: Christina Schröder am 17. Dez 2009 NEU
Wen Spielzeug noch krank macht: Arbeitsalltag in chinesischen Spielzeugfabriken

Spielzeug aus China kann gefährlich sein. Seine Herstellung ist es auf jeden Fall. Bereits im Sommer hat in den chinesischen Zulieferbetrieben die Produktion der Weihnachtsgeschenke für den westlichen Markt begonnen. Den Arbeiterinnen und Arbeitern wird dabei alles abverlangt. Bis zu 400 Stunden pro Monat ohne freien Tag müssen sie in der Hochsaison für einen Hungerlohn arbeiten.

Die Herstellung von Spielzeugen aus China ist gefährlich

Die Medienberichterstattung anlässlich der Rückrufaktion von Spielwaren durch Mattel hat gezeigt, mit welchen Mittel chinesische Subunternehmen von großen europäischen und US-amerikanischen Konzernen arbeiten, um dem Preisdruck am Weltmarkt standzuhalten. Und dieser Druck ist hoch, denn es soll alles möglichst schnell und vor allem billig produziert werden. Dabei bleiben nicht nur die Qualität der Produkte auf der Strecke, sondern allzu oft auch die Arbeitsbedingungen. Gerade in der Provinz Guangdong im Südosten Chinas, wo ein großer Teil der Zulieferbetriebe von europäischen und US-amerikanischen Spielzeugmultis produzieren, ist die Situation besonders schlimm. 80% des in Österreich verkauften Spielzeuges stammt von dort.

Es ist dort normal, dass ArbeiterInnen 72 Stunden pro Woche am Fließband stehen und das für einen Monatslohn von oft nicht einmal 70 Euro.

Die ArbeiterInnen, die meist aus Provinzen im Inneren des Landes stammen sind aufgrund der niedrigen Löhne gezwungen in den fabrikseigenen Unterkünften zu wohnen. Bis zu 12 ArbeiterInnen teilen sich dort ein winziges Zimmer und schlafen in verrosteten Betten. Noch schlimmer sind die sanitären Anlagen. Oft müssen sich bis zu 200 ArbeiterInnen zwei oder drei vollkommen verdreckte Toiletten teilen. Dennoch wird den ArbeiterInnen bis zu einem Drittel ihres Lohnes dafür abgezogen. Arbeitsunfälle und Krankheiten durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen stehen an der Tagesordnung. Mutterschutz gibt es nicht. Wenn eine Schwangerschaft oder Erkrankung vorliegt, wird die betroffene Person vor die Tür gesetzt.

Menschenrecht auf Gesundheit

Aktivistinnen der österreichischen NGO Südwind waren im November im Rahmen des Programms „Handeln für Eine Welt“  in China, um diese Missstände in der Spielzeugindustrie vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Denn nicht nur die Kinder bei uns in Europa, auch die Arbeiterinnen und Arbeiter, die deren Spielzeug herstellen, haben ein Menschenrecht auf Gesundheit.

Auf Grund anhaltender Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Spielzeugindustrie hat auch deren Weltverband ICTI (International Council of Toy Industries) einen Verhaltenskodex geschaffen. Der ICTI-Kodex, den viele große Spielzeughersteller übernommen haben, verlangt die Einhaltung einer Reihe von Grundrechten für die ArbeiterInnen in den Zulieferbetrieben. Viele Spielzeughersteller haben auch ihre eigenen Verhaltenskodices.
In vielen Fällen sind die vorgegebenen Standards aber schwach und es mangelt an unabhängiger und konsequenter Überprüfung.

Aus diesem Grund kann sich leider keine Konsumentin und kein Konsument sicher sein, dass die Puppen oder Spielzeugautos, die den Kindern gerne zu Weihnachten geschenkt werden unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wurden. Umso wichtiger ist es, dass KonsumentInnen genau diese von den Spielzeugfirmen und im Geschäft einfordern. Das geht ganz einfach mit Briefen an die Unternehmensleitungen oder Shopkarten zum Abgeben im Geschäft, auf denen steht, dass die oder der Konsument gerne bei dem jeweiligen Unternehmen einkauft, dabei aber sichergehen möchte, dass bei der Produktion des Spielzeugs soziale Mindeststandards erfüllt werden.

Shopkarten zum Downloaden und Ausdrucken gibt es unter: Siehe Unten - Weblinks

Je mehr KonsumentInnen solche Erklärungen abgeben, umso eher müssen die Spielzeugfirmen auf diese Art von Nachfrage reagieren.  „Wir wünschen uns, dass die Kundinnen und Kunden in Europa beim Kauf nicht nur an den Preis und die Qualität des Produkts denken, sondern auch an die Bedingungen, unter denen dieses Produkt hergestellt wurde“, meint Jenny Chan von der Arbeitsrechtsorganisation SACOM (Students and Scholars Against Corporate Misbehaviour) in Hong Kong zu den Südwind-Mitarbeiterinnen.
Sie hat eine Online-Petition zu Disney gestartet, bei der sich KonsumentInnen gegen besorgniserregende Arbeitsbedingungen bei Disney aussprechen können: www.petitiononline.com/wlchan/

Was die chinesischen Arbeiterinnen und Arbeiter nicht wollen, ist Boykott.
Solange es keine wirklich verlässlichen Kodices und Zertifizierungen gibt, hilft nur Nachfragen und Druck machen. Im Geschäft und bei der Herstellerfirma. Nur so können wir erreichen, dass eines Tages fair produziertes Spielzeug unseren Kindern Freude macht.

Foto: Südwind, fair spielt Kampagne, SACOM


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