Die Almwirtschaft in unserem Bundesgebiet wird seit cirka 8000 Jahren durchgeführt. Die Sauerstoffabgabe ist gegenüber der Ackerbau betreibenden Landwirtschaft um 40% höher. © Bild: Halterbua Sepp und die Sennerin sind mit der Leitkuh Fortuna im Tal angekommen, copyright Franz Bauer |
In Zusammenarbeit mit DI August BITTERMANN, Geschäftsführer der N.Ö. Landwirtschaftskammer, Sektion Almwirtschaft.
Almen - eine der ältesten Kulturlandschaften
Die Bauern, die sich ab 6.000 v. Chr. in den Alpen ansiedelten, vergrößerten die alpinen Rasenflächen oberhalb der Waldgrenze durch Waldrodung und nutzten sie als sommerliche Weideflächen. Dabei wurde die Waldgrenze allmählich bis zu 300 Höhenmeter heruntergesetzt, wodurch erst große, zusammenhängende Weideflächen und die heute so „natürlich“ wirkenden Almen entstanden.
Neben der Ökonomischen = Nutzfunktion erfüllen Almen noch Schutz-, Erholungs- und ökologische Funktionen.
Almen haben einen positiven Einfluss auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit der Tiere. Der Almbetrieb entlastet den Heimbetrieb, senkt die Aufzuchtkosten, erhöht die Qualität der Milchprodukte und des Fleisches. Es enthält zum Unterschied von der Stalltierhaltung einen sehr hohen Anteil die für unser Gehirn sehr wichtigen Omega 3 Fettsäuren.
Bereits 1687 stellte eine staatliche Kommission fest:
„Die Almweide ist ein wichtiges Fundament des Nationalvermögens und Volkswohlstandes. Es sind daher unverzüglich Bestimmungen über Schutz, Pflege und Förderung der Almwirtschaft zu erlassen.“
Bergwiesen beherbergen bis zu 100 verschiedene Pflanzen, unterbenutzte Flächen verlieren sehr schnell an Artenvielfalt. Nur wenn die richtige Zahl an Tieren eine Weide nutzt, kann sich die Vegetation gut regenerieren. Almen sind u.a. ein wichtiger Lebensraum für Rot- und Gamswild: „ Geht die Kuh, geht auch das Wild.“
Nur bewirtschaftete Almen schützen vor Erosionen und Katastrophen. Durch durchgehende und sorgsame Bewirtschaftung und Pflege der Weiden und Almen werden die tiefer gelegenen Verkehrsverbindungen und Siedlungen vor Naturgefahren, wie Hangrutschungen, Muren und Lawinen geschützt. Ordnungsgemäße Bewirtschaftung liefert einen wesentlichen Beitrag zum Hochwasserschutz.
Almen sind Kraft- und Therapiestätten für den Menschen. Sie bieten Erholung für Körper, Geist und Seele. Die gesundheitsfördernde Wirkung durch mehr Vitamin D, mehr Kalzium für die Knochen und geringere Krankheitsanfälligkeit lässt sich nicht nur am Weidevieh beobachten. Ruhe und Naturnähe fördern den Erholungswert für die Psyche. Hektik und Stress werden schon nach kurzem Aufenthalt zu Fremdwörtern.
Der volkswirtschaftliche Nutzen der Almen lässt sich schwer in ökonomische Bewertungen und Zahlen fassen. Der schonende Umgang mit der sensiblen Kulturlandschaft ist überlebensnotwendig. Diverse Veranstaltungen durch kurzfristiges ökonomisches Denken sind hier völlig fehl am Platz. Tradition, Kultur und zeitgemäße Bewirtschaftung müssen Basis für langfristige Erhaltung dieser Kulturlandschaft sein. Das durch die Almwirtschaft entstandene Brauchtum, hat, wie auch im Film gezeigt, sehr positive Auswirkung auf dem Fremdenverkehr.
Almen sind durch Bewirtschaftung entstanden und können nur durch Bewirtschaftung erhalten werden.
Um Kommentare erstellen zu können, bitte einloggenAutor: Ernst Zlo am 2011-09-22 09:33:36
Ich habe vieles davon schon gewusst, aber das mit dem hohen Anteil an Omega 3 Fettseäuren war mir neu.
Also schmeckt's nicht nur besser, wenn man auf der Alm eine Milch und einen Käse genießt, sondern es ist auch noch gesund.
Toller Beitrag und - wie immer - toller Film!
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