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100 Jahre Sex?

Autor: Günter Nöll am 22. Jan 2010
Altern und Sexualität hängen eng miteinander zusammen. Das Bindeglied sind die Hormone. Einige von ihnen beschleunigen Alterungsprozesse (hohe Insulinspiegel etwa!) bzw. setzen alles daran, sie hintan zu halten (Katalasen oder Superoxid-Dismutasen), indem sie Schäden durch freie Radikale, also unser allmähliches „Ranzigwerden”, zu minimieren versuchen. Andere steuern die Entwicklung und das Zusammenleben der beiden Geschlechter.

Menschen mit höheren DHEAS-Spiegeln (rot) werden offenbar deutlich älter!

Samen der weiblichen Brennnessel galten bei den Römern als Aphrodisiakum.

Altern und Sexualität - Das Bindeglied sind die Hormone.

DHEA/S (DeHydroEpiAndrosteron/Sulfat) sind Vorläufer des „männlichen“ Sexualhormons Testosteron bzw. des „weiblichen” Sexualhormons Östrogen. Nun zeigte sich, dass Menschen mit höheren DHEA/S-Spiegeln offenbar älter werden. Nie verlegene Nahrungsergänzungsmittelhersteller (in den USA etwa ist DHEA/S frei verkäuflich) zogen daraus sogleich den voreiligen Schluss, DHEA/S-haltige Präparate würden unser Leben verlängern, und begannen, damit Geschäfte zu machen. Dabei ist noch keineswegs nachgewiesen, dass obiger (Kurz-)Schluss auch zutrifft!

Tatsächlich scheint es so zu sein, dass höhere DHEA/S-Werte Folge einer kalorienarmen Ernährung sind! Doch dies ist wiederum nichts Neues, so makaber es klingen mag: Menschen, die am Rande des Hungers dahinvegetieren, werden merklich älter als solche in Überflussgesellschaften.
Weniger zu essen verlängert aber nicht nur unser Leben, es erhöht auch unsere sexuelle Potenz – auch das ist inzwischen deutlich geworden. Übrigens sind „männliche” Hormone keineswegs nur auf Männer beschränkt – und umgekehrt. Besonders aufschlussreich finde ich, dass der Testosteron-Spiegel – je höher, umso „aggressiver” seien solche Männer – von frisch verliebten Frauen deutlich ansteigt, bei verliebten Männern hingegen absinkt. Sollte „Verliebt-Sein” eine Angleichung der Geschlechter-Gegensätze bewirken? (Nach Abklingen dieser romantischen Phase kehren die Testosteronwerte bei Männern wie Frauen sogleich wieder auf „Normalniveau” zurück!)
Im Tierreich – etwa bei Spinnen – ist es ja eher umgekehrt: ein sexfreudiges Männchen muss damit rechnen, dass es von seiner Auserwählten nach dem Geschlechtsakt aufgefressen wird – häufig genug passiert das sogar noch während der Kopulation. Fressen – pardon: Ernährung und Sexualität hängen eben doch ganz offensichtlich auf bisweilen ungeahnte Weise zusammen!

Und natürlich sind seit alters auch Wildpflanzen bekannt, die unsere sexuelle Lust in besonderem Maße steigern sollen. Das ist nicht aus der Luft gegriffen! Pflanzen produzieren in der Tat Stoffe, die unseren Sexualhormonen teilweise recht ähnlich, zumindest in ihrer Wirkung vergleichbar sind (Phytosterine, Phyto-„Östrogene” = Isoflavonoide etc.).
Weltweit als „Potenzmittel” bekannt ist der chinesische Ginseng. Weniger bekannt ist, dass es in Europa ein nicht weniger potentes Äquivalent gibt: die Wurzeln des Wiesen-Bärenklaus – selbst in ihrer äußeren Erscheinung weisen beide eine verblüffende Ähnlichkeit auf. Weitere Exoten: Yams-Wurzel und Tribulus (terrestris), Soja – denen indessen sogleich wieder heimische Phyto- „Modulatoren“ Paroli bieten: Brennnesselsamen, Salbei, Rotklee, Hopfen, Eisenkraut, Luzerne, Thymian.
Gemäß der hippokratischen Maxime „Eure Heilmittel seien Euch Nahrung – und Eure Nahrung seien Heilmittel” bin ich überzeugt, dass eine gesunde, natürliche Ernährung ganz automatisch zu einem gesunden Sexualleben führt. Und wo ein solches nicht gegeben ist, würde ich zuerst prüfen, inwieweit Ernährung und Lebensstil nicht zu allererst einer Korrektur bedürfen: ich denke dabei neben Fehlernährung (energiereiche Mangelkost) an Rauchen, Alkohol, Stress etc., die sich ja bekanntlich alle negativ auf ein befriedigendes Sexualleben auswirken.
Ich selbst esse daher weder Bärenklauwurzeln noch Brennnesselsamen deshalb, weil sie als Aphrodisiaka gelten, sondern weil ich weiß, dass gerade diese Pflanzen so viele weitere Inhaltsstoffe besitzen, die meinen Körper gesund und fit erhalten – man nennt sie „sekundär”, obwohl ihnen angesichts unserer heutigen generellen Fehlernährung die Bezeichnung „primär” gebührte. Dies aber macht spezielle „Aphrodisiaka” letztlich überflüssig !

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