Westliche Medizin und Traditionelle Chinesische Medizin sind zwei ganz unterschiedliche Medizinmodelle, die beide akademisch, universitär gelehrt werden und ihre vollständige Berechtigung in der Heilung von Patienten haben.
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Westliche Medizin und Traditionelle Chinesische Medizin sind zwei ganz unterschiedliche
Medizinmodelle, die beide akademisch, universitär gelehrt werden und ihre vollständige Berechtigung in der Heilung von Patienten haben.
Kurz gesagt:
Wenn man mit zwei unterschiedlichen Sichtweisen Krankheiten betrachten und einschätzen kann, erweitert sich das Therapieangebot, der Arzt kann das jeweils bessere für den Patienten auswählen.
Ohne Diagnose keine Therapie!
Jeder Therapie geht natürlich eine Diagnose voraus. Auch in der Erstellung der Diagnose unterscheiden sich die beiden Medizinmodelle.
Als erstes werden die Symptome eines Patienten/einer Patientin erhoben. Das ist die so genannte Anamnese. Danach folgt die Befunderhebung. Je nach Beschwerden müssen eventuell Zusatzbefunde, wie Blutabnahmen mit unterschiedlichen Parametern, Röntgen oder andere bildgebende Verfahren, Abstriche, Kulturen, Funktionstests des Herzens, der Lunge, der Nerven und Muskeln etc. eingeholt werden. Die Palette der technisch unterstützten Untersuchungen ist in der westlichen Medizin bedeutend wichtiger als in der TCM.
Aber gerade in Zeiten wie diesen, in denen das Gesundheitssystem immer teurer wird, muss genau gefiltert werden, was wirklich notwendig ist. Mehrfache Röntgen und Laboruntersuchungen an verschiedenen Stellen bringen nichts.
Der „geschulte Blick“
In unseren Breiten gab es in früheren Zeiten nicht so viele Mittel und Möglichkeiten, teure, aufwendige, hochtechnisierte Untersuchungen anzustellen. Der so genannte Landarzt musste sich auf sein Wissen und Können, auf seinen „geschulten Blick“ verlassen. Der Patient wurde genau untersucht. Das Pulstasten und die Begutachtung der Zunge waren wesentliche Bestandteile der westlichen Medizin. Die Lunge und das Herz wurden abgehorcht, der Bauch und der Bewegungsapparat abgetastet und abgeklopft. Heute ersetzt viel Technik das Arbeiten mit dem Menschen.
Das Arbeiten mit dem Menschen
In der TCM hat sich das Modell des genauen Beobachtens, des Zuhörens beim Berichten der Symptome, des Tastens des Pulses, der Haut, des Gewebes, der verschiedenen Organe und das Inspizieren der Zunge über Jahrtausende erhalten und ständig weiterentwickelt. Je besser der TCM-Arzt beobachten kann, wie die Stimme des Patienten klingt, die Atmung funktioniert, das Aussehen (ob rotes oder blasses Gesicht) und die Art zu sprechen (ob tief oder hoch, hektisch oder ruhig, abgeschlagen oder kräftig) sind, desto genauer kann er die Diagnose stellen und desto genauer wird die Therapie ausfallen. Natürlich ist das eine Übungssache. Je mehr man dieses beobachtende Modell anwendet, desto schneller kann der Arzt es in die Praxis umsetzen. Zusätzlich kann der TCM-Arzt vom äußeren Erscheinungsbild über Zunge und Puls, Stuhl, Harn und menstruelle Blutung auf das Innere schließen.
Viele Beschwerden haben dieselbe Wurzel und werden im Gesamten betrachtet und behandelt.
Der TCM-Arzt ist auf den Menschen, der vor ihm sitzt, konzentriert.
Befunde werden zwar gemacht, sind aber zweitrangig. Kurz gesagt:
Der westliche Arzt behandelt Befundkranke – der TCM-Arzt behandelt Befindenskranke!
Das ist der Grund, warum Patienten in die TCM-Praxis mit Beschwerden kommen, die mit der
westlichen Medizin nicht verifizierbar sind, nicht wichtig genommen werden oder für welche die westliche Medizin keine guten Therapiemöglichkeiten kennt.
Die TCM ist vielschichtig und breit einsetzbar
Sowohl im Bereich der Erkrankungen als auch in der Prävention ist sie ein wichtiger Bestandteil im Gesundheitssystem geworden.
Ich kann einen interessanten Fall von einer 45jährigen Frau berichten, die mit Herzrasen, Schwäche, Ängstlichkeit und Schwindelattacken in die Praxis kam. Sie wurde im Krankenhaus von einem Internisten und Kardiologen, einem Orthopäden, einem Radiologen, einem Psychiater und einem Gynäkologen untersucht. Jeder Facharzt fand eine andere Ursache und Diagnose und verschrieb ein Medikament. Mit der Patientin wurde ihre mögliche Therapie besprochen. Sie wollte aber nicht alle vier Medikamente nehmen, sondern entschied sich für die Traditionelle Chinesische Medizin. Mit Akupunktur und Kräutern wurde sie dreimal behandelt und war nach drei Wochen völlig beschwerdefrei.
Jedes medizinische Modell hat seine Vor- und Nachteile. Auf die Diagnose kommt es an, wie therapiert wird.
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