Autor: Christina Schröder am 12. Nov 2008 Ein Drittel des in Österreich angebotenen Granits und schätzungsweise jeder vierte Grabstein, der hierzulande neu aufgestellt wird, kommen aus Indien und werden unter teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen gefertigt. Trotz der Transportkosten sind sie billiger als heimische Steine.
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Südwind-Aktivistinnen decken unmenschliche Arbeitsbedingungen auf
Über eine Million Menschen schuften in indischen Steinbrüchen für Pflastersteine, Grabsteine und andere Steinprodukte - und zerbrechen daran.Die Lebenserwartung liegt bei nur 40 Jahren, knappe 25 Jahre unter dem indischen Durchschnitt. Gründe sind dafür die schwere körperlichen Arbeit, Unfälle und das Fehlen von Schutzkleidung trotz Staub und Lärm.
Eine weit verbreitete Krankheit ist Silikose – Quarzstaublunge – , die unbehandelt in wenigen Jahren zum Erstickungstod führt. Das Südwind-Aktionsteam lernte vor Ort Jetha Ram, eines der unzähligen Opfer, kennen. „Wegen Lungenproblemen, Schmerzen in der Brust und einem starken Husten musste ich aufhören zu arbeiten“, berichtete er. Die Behandlung ist sehr
teuer, der Steinbruchbesitzer kommt dafür nicht auf.
Die wenigsten besitzen schriftliche Arbeitsverträge; sie sind als TagelöhnerInnen der Willkür der Steinbruchbesitzer ausgesetzt.
Die Löhne sind daher extrem niedrig und liegen für einfache Arbeiten, die vor allem von Frauen und Kindern erledigt werden, bei ca. 1 Euro pro Tag. Dazu kommt das Problem der Schuldknechtschaft, die eigentlich nach internationalem und indischem Recht verboten ist. Viele Arbeitgeber springen bereitwillig ein, wenn der Lohn der ArbeiterInnen nicht zum Überleben reicht, und verleihen ihnen Geld zu hohen Zinssätzen, die sie nie zurückzahlen können. Die Schulden werden ihnen dann vom ohnehin schon niedrigen Lohn abgezogen. Um dieses Leben zu ertragen, greifen viele Arbeiter zu Alkohol oder Opium. Auch daraus schlagen Steinbruchbesitzer Profit und unterstützen dieses Suchtverhalten durch die Vergabe von Krediten.
Besonders leidtragend sind Frauen und Kinder. Kisan (12), einer der Söhne von Silikose-Opfer Jetha Ram hat, wie viele andere Kinder auch, schon über 30 000 Rupien (entspricht ca. 450 Euro) Schulden: „In der Schule war ich noch nie. Ich arbeite jeden Tag von 9 bis 18 Uhr im Steinbruch. Über meine Zukunft denke ich nicht nach.“
Die indische Verfassung schreibt fest, dass „kein Kind unter 14 Jahren in einer Fabrik oder einem Bergwerk arbeiten oder sonst eine für sich gefährliche Arbeit verrichten soll“. Dennoch arbeiten Schätzungen zufolge bis zu 100.000 Kinder in indischen Steinbrüchen.
„Es ist erschütternd, wie die Arbeiter und Arbeiterinnen in Indien für Pflaster-, Grab- und Dekosteine für den europäischen Markt ausgebeutet werden. Doch es gibt bereits Alternativen“, berichtete Südwind-Pressesprecherin Christina Schröder nach ihrer Rückkehr.
Den Stein ins Rollen brachte vor drei Jahren die deutsche Zertifizierungsinitiative „XertifiX“, über die Steine aus Indien bezogen werden können. XertifiX garantiert, dass bei der Produktion keine Kinderarbeit passiert und, dass die ArbeiterInnen einen fairen Lohn bekommen.
Die folgenden Kriterien gelten als Mindeststandards für die indischen Akteure, die am XertifiX-System beteiligt sind:
1. Keine Beschäftigung von Kindern im Sinne der ILO Konvention Nr. 182.
2. Zahlung von wenigstens den gesetzlichen Mindestlöhnen an die erwachsenen
ArbeiterInnen
3. Offenlegung der Aufträge
4. Akzeptieren von unangekündigten Kontrollen zu jeder Zeit.
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