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Singen als Heilprozess - therapeutisch anwendbar

Die Freude über seine Töne sind diesem Jungen ins Gesicht geschrieben. Autor: Jaan Karl Klasmann am 03. Nov 2009
Nicht jedes Singen ist heilsam - aber jedem Menschen wohnt die Fähigkeit inne, gesund, schön, richtig und berührend zu singen. Sich unter kompetenter Anleitung auf die Suche danach zu machen ist viel mehr als der Zugewinn einer weiteren, beliebigen Fertigkeit.

Es ist ein Weg zu sich selbst, zur eigenen Vollständigkeit und ein Eintauchen in den Strom jener Lebendigkeit, die unser aller Erbteil ist, die allzu vielen von uns jedoch allzu früh „abgewöhnt“ worden ist.

Singen ist eine Sehnsucht der Seele
Zumindest für viel mehr Menschen als sich getrauen, dieser Sehnsucht auch zu folgen. Singen heißt, sich verströmen. Singen heißt, ganz als man selber dazusein. Singen heißt, den Klang des eigenen Wesens und damit sich selbst in die Welt zu bringen – vorbehaltlos, ohne Verstellung und eben deshalb glückselig. Singen, wenn es wirklich Singen ist, ist nichts, was wir tun. Wir SIND es.

Diese Worte mögen den einen oder die andere berühren wie ein lang vergessener, in unzugänglichen Tiefen vergrabener Traum, und vielleicht fragen Sie: „Wie kann ich das lernen?“, um durch die wirklich wahre Antwort verwirrt zu werden: „Sie können es nicht lernen, denn Sie können es schon. Lernen können Sie aber, sich dabei nicht weiter selbst im Weg herumzustehen.“

Was ich mit diesen Sätzen ganz knapp umreiße, ist ein Prozess, zu dem das Leben mich wie an einem roten Faden geführt hat, und dem ich zwei Namen gegeben habe: „Sich frei Singen“ und „Gesangstherapie“.

Die Grunderkenntnis dazu ist so einfach wie nur irgendetwas:
Richtig zu singen – körpergerecht, ohne Belastung der Stimmbänder, mit einer enormen Ausbeute an mitschwingenden Obertönen (die den Reichtum des Klangs unserer Stimme ausmachen) und ohne Anstrengung weit tragend – ist uns buchstäblich in die Wiege gelegt. Schon lange bevor wir in der Lage sind, zu artikulieren und daher zu sprechen, funktioniert unser Phonations- (Tongebungs-) Mechanismus perfekt: Nämlich mit dem sprichwörtlichen ersten Schrei. Rein vom Körperablauf her tat Luciano Pavarotti bei den berühmten Hohen Cs seiner besten Jahre nichts anderes als ein kleines Kind, das schreit oder lallt. Die Freude darüber war ihm ins Gesicht geschrieben. Das ist sie auch dem lallenden Kind. Hat es im Mutterleib Gesangsstunden genommen? – Eben. Was schließen wir daraus?

Ich möchte es kurz machen:
Das beste Singen geschieht nicht durch das Erlernen einer „guten Technik“. Das beste Singen organisiert und koordiniert der Körper selbst. In der Sprache unserer Computer: Singen ist ein Teil der „Systemsoftware“, die wir mit diesem Körper mitbekommen haben. Alles was wir zum guten Singen brauchen, ist, diesem Programm nicht dazwischenzufunken (und in der Folge ein wenig Übung). Singen als ein sich selbst zum Optimum hin ordnender Prozess (fortgeschrittene LeserInnen werden hier zurecht an die Chaostheorie denken) benötigt nichts als eine entsprechende, authentische Absicht. Sie bewirkt, dass das Zwerchfell in der Ausatmung durch feinst abgestimmte reflektorische Impulse einen hochkomplexen Mechanismus von 70 bis 80 Muskeln „zusammenschaltet“. Der Ton, der so entsteht, schwimmt sozusagen auf dem Strom der frei ausfließenden Luft in die Welt, wie ein Papierschiffchen, das von einem Bach getragen wird, ohne dessen Fluß irgend zu beeinträchtigen. Ein solcher Ton fühlt sich mühelos, fast wie ein „Nichts“ an, doch er „trägt“; er ist mit unserer Seele verbunden; er ist schön; und er berührt.

Jeder stimmorganisch gesunde Mensch kann so singen.
Wenn es so scheint, als wäre dem nicht so liegt dies an einem einzigen Grund: Der Atem, die uns verliehene Lebenskraft, kann uns nur insoweit frei und ungehindert durchströmen, als wir uns erlauben, wir selbst zu sein. Jedes Zurückhalten von Energie (vor allem unserer Emotionen), aber auch jede Maske, die wir aufsetzen um anders zu wirken als wir gerade sind oder uns fühlen, hemmt das Zwerchfell (das die alten Griechen als den körperlichen Sitz der Seele ansahen) und hindert es daran, das beschriebene Sing-Programm korrekt und vollständig auszuführen. Jede Unwahrheit und jede Unvollständigkeit unseres Hier-und-Jetzt-Seins zeigt sich also sofort im Klang unserer Stimme. Sie kann nicht lügen, weil der Körper, der sie bildet, nicht lügen kann. Aber wunderbarerweise kann sie uns eben dadurch den Weg zu uns selbst zurück weisen.

„Sich frei Singen“ besteht darin, sich auf die Schliche zu kommen:
Wo, wie und warum halte ich meinen Atem zurück und damit zugleich mit meiner Wahrheit hinter dem Berg? Und was passiert, wenn ich mit dieser Selbstbehinderung aufhöre und mich von dem überraschen lasse, was dann von selbst (von Selbst!) geschieht?

Wenn wir bei wachem Kopf (im Tiefschlaf geschieht das bekanntlich immer) zulassen, dass etwas aus uns heraus geschieht, das wir nicht kontrollierten (der natürlichen Angst davor also nicht gehorchen) wird die Grenze zwischen dem, was uns bisher von uns bewusst war, und dem Unbewussten durchlässig. Das bisher Unterdrückte drückt sich aus; Energie beginnt zu fließen; begrabene Aspekte unseres Wesens erstehen auf; wir werden lebendiger, wahrer, ganzer. Wir heilen – und zugleich wird Klangreichtum und Umfang unserer Stimme immer größer und harmonischer, immer vollständiger und echter; berühren immer mehr, weil das, was aus dem Innersten des Sängers kommt, auch zum Innersten des Hörers vordringt.

„Sich frei Singen“ Therapie
Auch für Lehrerinnen und Lehrer, Chorleiterinnen und Chorleiter, Therapeutinnen und Therapeuten – kurz für alle, die mit anderen arbeiten hilfreich, sich ihrer Fähigkeit der „Stimmdiagnose“ bewusst zu werden und auch ein Repertoire an Übungen zu erwerben, die in der Klasse, im Chor und in der therapeutischen Arbeit denen helfen, deren Stimmfluss „hängt“, die heiser werden, hohe Töne nicht erreichen oder deren Verklemmtheit, Zwänge oder Selbstbetrug sich unter anderem auch in der Stimme deutlich abbilden.

Frei Singen und frei Sein ist das Gleiche.
Ich kenne keinen direkteren und keinen umfassenderen Weg zu letzterem als ersteres. Ich wünsche mir, dass diese meine Freude Kreise zieht, und von den schönen Worten zur lebendigen Erfahrung wird!

Dr. Jaan Karl Klasmann


Workshop: „Sich frei Singen“ für LehrerInnen, TherapeutInnen und andere, die mit Menschen arbeiten: 12 – 15. November 09, Klagenfurt.
Flyer zum download: www.sich-frei-singen.at
Dr. Jaan Karl Klasmann
Voice & Words
Tel. & Fax: +43/1/310-10-75
Mobil: +43/676/731-15-19

• Bestellen Sie die kostenlose Online-Einführung zum selbst Erfahren: www.sich-frei-singen.at

• Bestellen Sie den Newsletter vom Freien Singen und anderen Veranstaltungen, die rasch ins eigene Zentrum führen unter voiceandwords@chello.at

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