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Eine Sufi-Übung für die Beweglichkeit des Geistes

Der 4-Elemente-Atem  -  Feuer: Die große Liebe Autor: Jaan Karl Klasmann am 16. Apr 2008
Wir alle kennen, jeder auf seine Weise, Gefühle des Begrenztseins, des Eingeengtseins, des Gefangenseins in der Dichte der Materie: Geldsorgen, beengte Wohnverhältnisse, die undurchdringlichen Wände des Arbeitszimmers oder des Terminkalenders, aber auch Erfahrungen des Beschränktseins im Glück; etwa, wenn wir in der liebenden Umarmung die Sehnsucht spüren, mit dem Partner ganz eins zu werden und doch nicht aus uns herauskönnen

Luft: Der weite Raum

Erde: Das große Willkommen

Wasser: Die große Reinheit

 

Das scheinbare Dilemma: Die Erfahrung von Individualität und Einzigartigkeit ist ein Grund-Zweck unseres Erdendaseins – doch die Sehnsucht nach Einheit und Einssein verlässt uns nie.

Dem freilich liegt ein Missverständnis, das Vergessen einer essentiellen Wahrheit zugrunde: Schon die Physik lehrt uns, dass das anscheinend so Feste und Dichte der Materie so fest und dicht gar nicht ist. Jedes Atom besteht aus viel, viel mehr Zwischenraum als aus Protonen und Elektronen, und auch dieses bisschen Etwas verdichtet sich als bloße Schwingung aus einem unendlichen Meer potentieller Energie, dem Vakuum-Quantenfeld, das alles Seiende gebiert, umfängt und vereint. Mystiker aller spirituellen Traditionen wussten dies schon immer und haben es nur in anderen Bildern ausgedrückt, z.B.: Alles, was ist, ist wie eine Welle im Meer des einen, einzigen Seins. Erleuchtung könnte der Zustand sein, indem wir aus Erfahrung wissen, dass wir beides zugleich sind – Welle und Meer.

Die folgende Übung verbindet 4 Verdichtungsebenen der Schöpfung und unserer selbst. Sie ist viele Jahrhunderte alt, und es heißt, dass sie für jeden – Anfänger wie Meister auf dem geistigen Pfad – die beste Übung ist, um den Tag oder auch eine Meditationssitzung zu beginnen. Und sie hat einen großen Vorteil: Sie dauert nur wenige Minuten.

Der 4-Elemente-Atem:

Setzen Sie sich aufrecht, mit selbsttragender Wirbelsäule, an einen ruhigen Ort; vielleicht mögen Sie eine Kerze entzünden. Lassen Sie Ihren Atem zu sich kommen und fühlen Sie das Gewicht Ihres Körpers. Wenn Sie sich ausreichend entspannt fühlen und Ihre Aufmerksamkeit gesammelt haben, nehmen Sie in der folgenden Weise je nach Zeitbudget je 5, 7 oder 11 achtsame Atemzüge:

•    Der Erd-Atem: Sie atmen durch die Nase aus und durch die Nase ein (er beginnt als einziger mit dem Ausatmen!). Stellen Sie sich beim Ausamten vor, wie Sie der Erde alles Kranke, Verdrehte, Verbrauchte der körperlichen Ebene, insbesondere allen Schmerz, durch ihre Wurzelchakra anvertrauen, und wie diese es verwandelt (wie unsere Exkremente in die Blumen des nächsten Frühjahres). Mit jedem Einatmen nehmen sie aus der Erde neue, unverbrauchte Energie in sich auf, die jede Körperzelle verjüngt und regeneriert. Fühlen Sie die Freude, von der Erde geheilt, genährt und Teil der Schöpfung zu sein.

•    Der Wasser-Atem: Sie atmen durch die Nase ein und durch den entspannt geöffneten Mund aus. Stellen Sie sich vor, wie sich ihr ganzer Körper beim Einatmen wie ein großes Gefäß mit reinem, klarem Wasser füllt (aus dem er zu 70% besteht!), und lassen Sie beim Ausatmen jedes schlechte Gefühl, alles Brackige, Eklige, alle Gefühle von Ärger, Angst, Frust oder Neid, herausschwemmen. Jedes Einatmen füllt sie neu mit Reinheit und Klarheit, und – mit Unschuld.

•    Der Feuer-Atem: Sie ziehen die Luft beim Einatmen scharf durch den nur zu einem kleinen Schlitz geöffneten Mund ein und atmen weich durch die Nase aus. Stellen Sie sich vor, wie Sie beim Einatmen durch den Solar-Plexus einen Energiestrom aufnehmen, der das Feuer unserer Tatkraft, das in diesem Zentrum zuhause ist, hell anfacht, so wie ein Blasbalg die Esse eines Schmieds. Stellen Sie sich vor, wie diese Flamme hochsteigt zu ihrem Herzen und sich hier von Feuer zu Licht verwandelt. Im Ausatmen verströmen Sie dieses Licht aus ihrem Herzen kugelförmig in alle Richtungen.

•    Der Luft-Atem: Sie atmen weich durch den weit und locker geöffneten Mund ein und aus. Stellen Sie sch dabei vor, wie ein sanfter Hauch durch alle Zwischenräume ihres Körpers weht – durch den Raum zwischen Ihren Organen; zwischen Ihren Zellen; zwischen den Molekülen und Atomen ihrer Zellen; zwischen den Protonen und Elektronen der Atome. Nehmen Sie diesen Strom wahr als den Hauch des Geistes (hebr.: „Ruach“, arabisch: „Ruch“, sanskrit: „Atman“), der die Matrix, das „Muttergewebe“ ist, das unser Sein in jedem Moment aufrecht erhält, das ihm Sinn und Bedeutung gibt; aus dem wir in jedem Augenblick erneut „werden und ent-werden“ (Meister Eckehart).

Bevor Sie Ihren Alltag beginnen, fühlen Sie, wie diese 4 Ebenen immer gleichzeitig gegenwärtig sind und durch Sie wirken – und wie leicht und frei der Geist durch diese Erfahrung wird.

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